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Herbsttagung der Ordensgemeinschaften Österreich

11.12.2018 | Ordensentwicklung

Die Herbsttagung 2018 legte den Grundstein für eine wesentliche Veränderung: Sowohl die Superiorenkonferenz der Männerorden als auch die Vereinigung der Frauenorden verfügten durch Abstimmungen in ihren jeweiligen Vollversammlungen, sich zu einer einzigen Ordenskonferenz "Ordensgemeinschaften Österreich" zusammenzuschließen. Der Auftrag für neue Statuten einer gemeinsamen Konferenz wurde erteilt.

Am Montag fand der Ordenstag YOUNG unter großer Beteiligung heuer zum zweiten Mal statt. 

Der Missionstag gab den Startschuss für die Herbsttagungen 2018 und stand unter dem Motto: „Gelebte Interkulturalität. Praxis, Chancen und Herausforderungen“.

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Referent war P. Franz Helm, Vizeprovinzial der Steyler Missionare und ehemaliger Generalsekretär der Männerorden Österreichs. Das Fazit: Interkulturalität steht und fällt mit dem Dialog. Anschließend legte Anja Appel, Geschäftsführerin der Koordinierungsstelle für Entwicklung und Mission der Österreichischen Bischofskonferenz (KOO), den Jahresbericht 2017 vor.

Am gemeinsamen Ordenstag 2018 konnten Frauenorden-Präsidentin Sr. Beatrix Mayrhofer, Männerorden-Vorsitzender Abt em. Christian Haidinger und Säkularinstitute-Leiterin Elisabeth Plach rund 500 Ordensleute bzw. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Wirkungsbereichen begrüßen.
Das Impulsreferat am Vormittag hielt Erzabt em. Asztrik Várszegi von der Benediktinerabtei Pannonhalma in Ungarn. Er sprach über „Treu zu seiner Sendung stehen schafft prophetische Zeichen“. Sein Resümee: „Wach sein heißt kritisch, aber auch voller Güte sein.“
Im Rahmen des Ordenstags wurde auch der mit 12.000 Euro dotierte “Preis der Orden 2018” verliehen. Insgesamt vier Preisträger wurden für ihre wache Präsenz ausgezeichnet: VinziDorf-Hospiz/Graz, Flüchtlingshilfe der Steyler Missionarinnen in Athen, Trauerbegleitungsprojekt für Kinder in Linz und die Kainbacher Passionsspiele.
„Wir werden die Stimme erheben müssen“, lautete der Titel des Vortrags von Susanne Scholl am Nachmittag des Ordenstages. Die Journalistin und Schriftstellerin erlebt heute eine Gesellschaft, in der man „hellhörig und wach sein muss, damit sich nicht wiederholt, was sich nicht wiederholen darf“.
In der Eucharistiefeier zum Ordenstag 2018 hielt Sr. Sonja Dolesch die Predigt. Die Provinzoberin der Grazer Schulschwestern wies darauf hin, dass prophetische Präsenz kein Zustand sei, sondern die Dynamik zwischen Ja und Nein erfordere. Das Ziel sei klar definiert: „Unsere Seele und die Seele der Menschen in Balance zu bringen – das ist unsere stete prophetische Aufgabe.“

Am Schultag hielt der emeritierte Pastoraltheologe Prof. Paul M. Zulehner einen Vortrag, den er mit „Ihr seid Licht und Salz im Schulsystem des Landes“ überschrieb. 250 Teilnehmer/innen, Schulerhalter, Direktorinnen und Direktoren und Verantwortliche der katholischen Privatschulen und Ordensschulen Österreichs sowie aus dem Bereich der Katholischen Kindertagesheime (KKTH) versammelten sich im Kardinal König Haus. Zum Wort vom Salz der Erde nannte der Pastoraltheologe als die großen weltweiten Herausforderungen heute: Ökologie, Ökonomie, Digitalisierung, Migration. „Sind das Themen in Ihrer Schule? Findet dazu ein sozialer, kultureller und geistiger Dialog statt? Diese Themen gehen uns alle an, egal wo etwas passiert.“ Sein Resümee: „Ordensschulen als Salz der Erde sind Biotope des Vertrauens inmitten einer Kultur der Angst."
Im Anschluss an das Referat von Prof. Zulehner wurde der St. Georgs-Bildungs-Preis 2018 des Hauptverbandes Katholischer Elternvereine Österreichs verliehen.
Der Wiener Bildungswissenschaftler Prof. Stefan Hopmann referierte beim "Schultag" über katholische Schulen als "schulpädagogische Alternativen", zeigte sich eingangs aber vor allem über die von der Bundesregierung angekündigte neue Regelung der Mindestsicherung entsetzt. Dies mündete in einer Resolution, in der die Versammlung der Katholischen Privatschulen und Ordensschulen in Österreich gegen den Entwurf zum Mindestsicherungpaket der österreichischen Bundesregierung protestierte.

Der Kulturtag stand unter dem Motto „Präsent sein – Europäische Ordenskultur(en)“. Zu Beginn wurde die neue Referatsleiterin für die Kulturgüter der Orden, Karin Mayer, vorgestellt.
Den Beginn machte Erzabt em. Asztrik Várszegi von der Erzabtei Pannonhalma. Er stellte in seinem narrativen Referat die Frage: Im Osten nichts Neues?“. Das Neue: Die Ordensgemeinschaften haben nun die Freiheit, sich selbst zu organisieren, Kulturgüter auszutauschen, zu reparieren oder neue Ausstellungen zu eröffnen. Die klösterlichen Gemeinschaften wollen diese Kulturgüter bewahren, erfrischen und zu pastoralem Zwecken öffnen.
Der Schönstatt-Pater Joachim Schmiedl ist Kirchenhistoriker an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar und Leiter des Arbeitskreis‘ Ordensgeschichte des 19./20. Jahrhunderts. Sein Vortrag beschäftigte sich mit dem Thema „Provinzzusammenlegung und kein Ende?“ Schmiedls Resümee: „Diese Gemeinsamkeiten sind ein vielversprechender Weg für die Zukunft.“ Veränderungen dürfen nicht nur aus Personalmangel oder politischen Begebenheiten passieren, sondern auch wegen des Wandels des Ordenslebens und seiner inneren Strukturen. „Religiöses Leben geht weiter – in verschiedenster Form.“
Die Benediktinerin Frau Eva-Maria Saurugg ist Priorin der Abtei Nonnberg in Salzburg. Die Theologin referierte zum Thema „Klösterliches Kulturerbe: Tradition – von gestern und/oder für morgen“. „Ein altes Kloster wie Nonnberg ist keine Sache von gestern“, zeigt sich Priorin Saurugg überzeugt. „Sondern es geht mit der Zeit. Was aber nicht heißt, dass wir alle Zeitströmungen mitmachen.“ Der Blick auf die lange Geschichte habe sie gelehrt: Entscheidungen müssen gut überdacht werden, damit Dinge bestand haben.
„Religiöses Erbe und Europäisches Bewusstsein“ – so lautete der Titel des Vortrags, den Stefan Lunte, Referent für die Kommission der Bischofskonferenz der Europäischen Union und Generalsekretär von Justitia et Pax, zum Abschluss des Kulturtags hielt. Das Religiöse Erbe kann durchaus auch als Kritik an unserem Wirtschaftssystem verstanden werden. „Materieller Profit wird immer mehr hinterfragbar. Denn das Gebet hat einen anderen Wert“, so Lunte.

Die Vertreter und Vertreterinnen der spitalserhaltenden Orden und die Geschäftsführungen haben sich zum „Tag der Gesundheit und Pflege“ im Rahmen der Herbsttagungen versammelt. Michael Heinisch konnte als Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Ordensspitäler über 50 Verantwortliche aus den 23 Ordensspitälern begrüßen.

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Wirksam durch Reduktion – eine persönliche Herausforderung

23.10.2018 | Impuls des Direktors

Wir verbinden Wirksamkeit nicht unbedingt sofort mit Reduktion. Darunter verstehen wir zunächst eher einen Verlust – mit ängstlicher Sorge, ein schmerzhaftes Weniger – im quantitativen Sinn, ein geringer-Werden – an Bedeutung, an Einfluss, an Macht. 
Reduktion könnte aber auch bedeuten, einfacher zu werden, direkter, ehrlicher, offener,…: in all unserem Denken, in unserem Reden und Tun. Reduktion könnte bedeuten zum Wesentlichen zu kommen. Es geht dabei nicht um quantitative Begrenzung, asketischen Verzicht oder bittere Armut. Reduzieren setzt voraus, dass wir immer wieder loslassen können – nicht nur Materielles. Ein Loslassen von bestimmten Vorstellungen, von fixen Konzepten meines Lebens oder von Vorurteilen schenkt mehr Freiheit und inneren Frieden – ein qualitatives „Mehr“ an Wirksamkeit – durch Reduktion.

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Unser Ordensgründer Ignatius hat als eines der geistlichen Prinzipien des Jesuitenordens auch ein „Magis“ vorgelebt – ein besonderes „Mehr“, ein „Größeres zur Ehre Gottes“, einen „Zuwachs“ an Glaube, Hoffnung und Liebe – an Dienst und Hingabe für den Nächsten. Das ist ein qualitatives „Mehr“, ein besonderes Maß des Lebens, das paradoxerweise besonders durch eine bewusste Reduktion in manchen Lebensbereichen erreicht wird.

Melanie Wolfers, eine Salvatorianerin, hat in ihrem Buch „Freunde fürs Leben – Von der Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein“ von der Überforderung eines „Selbstoptimierungsdrucks“ gesprochen, dem wir oft nicht standhalten können. Ob es um effizientere Arbeit, bessere Kommunikation oder ein gelasseneres Leben geht – uns wird von außen vermittelt oder wir haben sogar selbst das Gefühl, den Druck, dass es immer noch besser ginge, dass mehr möglich ist. Die Latte wird oft hoch gelegt.

Wenn ich es nicht schaffe so zu sein – effizienter, schneller, besser, sogar „entspannter“ – dann entstehen oft Minderwertigkeitsgefühle, Angst und Selbstkritik, die nie gute Ratgeber sind.

Darüber, welchen Preis ich selbst oder auch oft jemand anderer für diese sogenannten „Optimierungen“ bezahlen muss, denken wir nicht gerne nach. Wir streben lieber weiter nach immer mehr Wohlstand, nach Erfolg, Anerkennung und Vergnügen – eher nach einem „quantitativen Mehr“. Ein immer größer werdendes „Plus-Denken“ – „das und das und das…“ – schenkt uns jedoch meist keinen inneren Frieden. Es gibt aber hoffentlich auch Stimmen in unserem Inneren, die für mehr Bescheidenheit plädieren. Reduktion kann und soll gerade dazu führen: zu mehr Bescheidenheit, Zufriedenheit und innerer Freiheit in meinem Leben.

Dadurch entsteht wieder Raum für eine andere Betrachtungsweise des Lebens. Dieses neu-Betrachten bringt Qualitäten mit sich wie Einsicht und Verständnis für meine Gesamtsituation oder auch Klarheit, was zu tun ist – was ich tun soll. Menschen, die so reduzieren können, die wirklich loslassen können, zeigen eine gewisse Gelassenheit, eine Bodenständigkeit und Respekt gegenüber der Vielfalt des Lebens und der Menschen.

Mein Mitbruder P. Franz Jalic SJ hat einmal fünf Prioritäten definiert, die in einem geistlichen Leben wichtig sind und dem Einzelnen gut tun. Ich denke, dass diese Prioritäten, die so banal klingen, für jede und jeden von uns wichtig sind. An erster Stelle hat er den Schlaf genannt. Zweitens nannte er die Bewegung. An dritter Stelle war das Gebet, an vierter die Beziehungen – den Menschen, die uns viel bedeuten, Zeit zu schenken. An fünfter Stelle setzte er die Arbeit. Wir reduzieren manchmal genau das Falsche: Schlaf, Bewegung, stille Zeiten, Freizeiten, guttuende Beziehungen, gesunde Nahrung… die Arbeit reduzieren wir selten bewusst.

Die Sehnsucht nach Reduktion von allem, was unser Lebensgefühl belastet, wird durch viele Quellen genährt. Welche wähle ich selbst für mich? Besonders mit einer Perspektive auf ein je wirksameres Leben. Das ist immer ein entscheidender Punkt: Wofür entscheide ich mich? Diese Fragestellung ist immer sehr subjektiv, sehr individuell. Es ist ratsam, mich in dieser Frage nach Reduktion in meinem Leben nicht mit anderen zu vergleichen. Es ist gut, den eigenen Weg zu gehen. Es ist eine persönliche Herausforderung.

Ein Wort von Heinrich Spaemann begleitet mich schon lange:

„Was wir im Auge haben, das prägt uns,
dahin werden wir verwandelt, und wir kommen, wohin wir schauen.“

Dieses einfache Bild hilft mir immer wieder in meinen Orientierungen nach einem reduzierten, einfacheren Leben – es geht um mich, was ich im Auge habe:

  • Wie ist meine „Geschwindigkeit“ im alltäglichen Leben? Reduktion bringt Entschleunigung, die mir vielleicht sehr gut tut.
  • Wie ist meine „Verfügbarkeit“ – muss ich rund um die Uhr auf Abruf sein? Reduktion ermöglicht berufliche und private Auszeiten, Ruhezeiten.
  • Wie ist mein „Anspruchsdenken“, alles immer sofort haben zu können? Reduktion erlaubt mir vielleicht mehr Geduld.
  • Wie ist mein „Zeitverständnis“, wenn ich „auf eine bessere Vergangenheit hoffe“, oder mich für eine großartige Zukunft bereit halte? Reduktion hilft mir dankbar, ganz in der Gegenwart zu leben.
  • Wie sehen meine „Beziehungen“ aus – zahlreich virtuell oder digital, oberflächlich und distanziert? Reduktion ermöglicht wenige persönliche, herzliche Beziehungen – tiefe Freundschaften.
  • Wie groß ist mein „Besitz, mein Vermögen – mein Eigentum“? Reduktion lädt ein, so manchen überflüssigen Ballast los zu werden – freier, leichter zu werden.

Wir könnten hier unzählige Beispiele aus unserem alltäglichen Leben aufzählen, in denen gerade eine gute Reduktion von Belastendem, oder auch ein „nicht-Reduzieren“ von Dingen, die mir gut tun, ein „Mehr“ an Lebensqualität und innerer Freiheit bringen. Als achtsame, verantwortliche Menschen können wir durch unseren Lebensstil zeigen, dass es mehr gibt als ein bloß „quantitatives Mehr“, als nur immer ein „Plus“. Ich kann das mit meinen Möglichkeiten, auf meinem Lebensweg, den ich in Freiheit gehe, gut zum Ausdruck bringen. Reduktion führt mich zu einer immer größeren inneren Freiheit. Eine Definition von Reduktion ist für mich in diesem Sinn: „die Freiheit von vielem und zugleich für vieles in meinem Leben“. Ein unbegrenztes, weites Feld!

Ich wünsche uns allen – nicht nur durch Reduktion, Multiplikation und Vertrauen – eine erfüllende Wirksamkeit, viel Freude und Dankbarkeit dabei und vor allem Mut dazu, vieles zu verwirklichen

P. Friedrich Prassl SJ

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Beten mit dem Leib

21.10.2018 | Spiritualität und Exerzitien

Gerne lade ich Menschen dazu ein, auch mit dem Leib zu beten. Viele zeigen Interesse daran und ihr Gebet wird ganzheitlicher. Bei einigen löst es allerdings Reserve und Verwunderung aus. Sie meinen, Beten, das vollzieht sich im Geist und im Kopf oder in der Stille des Herzens. Je nach Kultur und Religion wird der Leib unterschiedlich in die religiöse Praxis miteinbezogen. Unsere westliche Kultur und christliche Praxis drohen immer wieder ins rationale und wortlastige Fahrwasser zu geraten. Dabei finden sich im Christentum so viele Perlen der Wertschätzung des Leibes auf dem Weg zu Gott. Paulus nennt den Leib den „Tempel des Heiligen Geistes“ und Hildegard von Bingen spricht vom „Leib als Zelt für die Seele“. Teresa von Avila bringt den christlichen Impuls zu achtsamem Umgang mit dem eigenen Körper auf den Punkt: „Sei freundlich zu deinem Leib, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen“. 

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Über den Leib vollzieht sich die Ursprache des Menschen. Diese Körper-Sprache ist meist sehr ehrlich und aussagekräftig. Im Reden mit dem großen Geheimnis unseres Lebens, das wir Gott nennen, haben Menschen im christlichen Glauben besonders sprechende Gebärden und Gesten entwickelt: das „Stehen“ als Zeichen der Aufmerksamkeit, der Würde, der Auferstehung; das „Knien“ als Zeichen der Demut und Anbetung; das „Liegen“ als Zeichen der Buße und der Hingabe; das „Sitzen“ als Zeichen des Hörens, der Besinnung, des Mahlhaltens.
Der christliche Gebetsweg ist gewiss kein Ausstieg aus dem Leib in geistige Sphären. Genauso wenig ist er ein wortloses und beziehungsloses Eintauchen in ein Meer der Ruhe. Der Weg zu Gott kann nicht am Leib vorbeigehen, so wie der Weg Gottes zu uns Menschen leibhaftig geworden ist.

Altvater Macarios sagte einst auf die Frage, wie man beten solle: „Es ist nicht notwendig, viele Worte zu machen; es genügt, die Hände erhoben zu halten.“
Auch der hl. Ignatius, der Gründer des Jesuitenordens, lässt in seiner Lehre vom Gebet immer wieder den Leib mit allen Sinnen ins Spiel kommen. Er weiß: alles, was sich im Leib ausdrückt und den Leib berührt, hat eine besonders prägende Wirkung auf Geist und Seele. Es gibt immer einen engen Zusammenhang und eine Wechselwirkung von geistiger und leiblicher Haltung.

Heute sind Übungen und Gebetsweisen mit dem Leib wichtiger Bestandteil eines ganzheitlichen geistlichen Weges, von Exerzitien und Ausbildungskursen. Ich habe eine Abendreihe als Einführung ins leibbezogene Beten entwickelt und bereits mehrmals mit viel Zuspruch durchgeführt. Vier Schritte werden eingeübt: Das Gebet der Sinnes-Wahrnehmung als Weg in die Tiefe. Das kann in der Natur, am eigenen Körper oder ganz in der Stille geübt werden. Dann die Gebetsgebärden der Menschheit als Ausdruck von Begegnung und Liebe. So hat etwa der hl. Dominikus aus seiner persönlichen Gebetspraxis neun Gebetsweisen mit dem Leib an seine Mitbrüder weitergegeben. Im dritten Schritt wird das Sonnengebet eingeübt. Das ist eine Reihe von leiblichen Gesten für den Morgen, deren Ablauf ganz nach der Dynamik der Exerzitien gestaltet ist. Diese Art des Betens mit dem Leib ist mir besonders lieb geworden. Es öffnet den Leib, den Geist, die Seele für das Licht unseres Lebens, für das Geheimnis in Christus. Und schließlich das Beten mit dem Atem. Es macht heil, weil der Atem des Schöpfers uns belebt und reinigt. Es ist meine Erfahrung: Diese vier leibbezogenen Gebetsweisen können in herausfordernden Zeiten in wenigen Minuten zur Ruhe führen. Und sie öffnen das Herz für die Begegnung mit Gott. Genau dazu ermutigt uns der hl. Paulus: „Verherrlicht also Gott in eurem Leib“ (1 Kor 6,20).  

P. Josef Maureder SJ

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Erasmus+ Leadership Programme

11.10.2018 | Gesellschaftsfragen

Ein ganz besonderes Projekt führten wir im Rahmen von Erasmus+ gemeinsam mit Organizația Umanitară CONCORDIA und CONCORDIA Bulgaria grenzübergreifend durch.

In einem Leadership Programme hat ein Trainer/innen-Team von KKH und ASOM Führungskräften im Sozialbereich Kernkompetenzen vermittelt, sie zur Praxisreflexion herausgefordert und bei der Entwicklung von Projekten unterstützt.

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Die Teilnehmer/innen sind für Concordia größtenteils in der Arbeit mit Straßenkindern in Rumänien tätig – in Berufsschulen, Wohnhäusern oder Tageszentren. Bei dieser herausfordernden Führungsarbeit sind Konfliktmanagement, Kommunikationsmethoden und Berufsstandards besonders wichtig.

Im Rahmen dieses Projekts entstand CONCORDIA Academia, eine in diesem Sinn einzigartige Organisation, die die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften, Führungskräften und Supervisor/innen ermöglicht. Die Zusammenarbeit mit CONCORDIA Academia fand in einem Train the Trainer-Programm eine nachhaltige Fortsetzung.

Im Rahmen des Projekts entstand auch ein Toolkit für Manager/innen im Sozialbereich, das Sie auf der Website von CONCORDIA Romania gratis downloaden können: https://concordia.org.ro/fileadmin/RO/Final_Social_Guide__EN_Online.pdf

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Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser!

6.9.2018 | Impuls des Direktors

Die „Woche der Wirksamkeit“ wirft ihre Schatten voraus. Im Blick auf Wirksamkeit stellen wir dabei neben Reduktion und Multiplikation besonders das Thema Vertrauen in den Mittelpunkt.

Vertrauen ist wahrscheinlich einer der an­spruchsvollsten Wege um wirksam zu werden. Es geht in unserem Leben immer wieder um wachsendes Vertrauen zu Menschen, Institutionen und Strukturen sowie um Selbstvertrauen und Gottvertrauen. Allzu schnell bin ich dabei eher beim Hinterfragen, Kontrollieren und Absichern. Vertrauen ist mehr eine Frage der Beziehung und braucht Aufmerksamkeit, Zeit und Pflege.

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Es wird manchmal enttäuscht und schafft doch Raum für neue Qualitäten wie Einsicht, Verständnis und Klarheit, was zu tun ist. Menschen, die wirklich vertrauen, sind in ihrem Tun meist gelassener, bodenständiger und entschiedener. Gelebtes Vertrauen fördert Respekt, Wertschätzung und Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Vielfalt des Lebens und der Menschen.

„Du bist zeitlebens für das verantwortlich,
was du dir vertraut gemacht hast.“

(Antoine de St. Exupery)

Wie sieht es mit dem eigenen Vertrauen wirklich aus? Für jede und jeden von uns ist es heute zunehmend notwendig bzw. selbstverständlich, sich vielseitig zu engagieren. Dies bedeutet oft, mit ganz unerwarteten Situationen, mit komplexen Aufgaben und besonderen Herausforderungen rasch und gut umzugehen. Dabei erleben wir immer wieder Abhängigkeiten, Spannungen und Unsicherheit, wenn Menschen aus verschiedenen Fachbereichen, Kulturen oder Religionen zusammenarbeiten. Vertrauensvolle Beziehungen und eine vertrauensvolle Organisationskultur sind unter diesen Umständen eine besonders wertvolle, aber keine selbstverständliche Basis des Zusammenwirkens.

Vertrauen ist sowohl die Voraussetzung als auch das Ergebnis von guter Zusammenarbeit. Vertrauen zählt für mich zu den wichtigsten und gleichzeitig stark vernachlässigten Grundhaltungen in einem guten Miteinander. Es geht dabei nicht um mehr Effizienz, sondern immer wieder um gegenseitige Aufmerksamkeit darauf, dass gut kommuniziert wird und die direkten Kontakte zwischen Menschen gut gelingen. Vertrauen fördert die Zusammenarbeit und vermindert darüber hinaus den zeitlichen und materiellen Kommunikationsaufwand. Gelebtes Vertrauen verringert auch die Notwendigkeit von Kontrollen (Einsatzbereitschaft, Stimmungen, Arbeitszeit, Kosten etc.).

„Der beste Weg herauszufinden,
ob man jemandem vertrauen kann,
ist ihm zu vertrauen.“

(Ernest Hemingway)

Vertrauen heißt, trotz mancher Ungewissheiten eine positive Beziehung zu anderen aufzubauen. Positive Erwartungen erzeugen meist positive Reaktionen. Vertrauen verstärkt Vertrauen, es beruht auf Gegenseitigkeit. Vertrauen ist eine Vorleistung in dem Sinne, dass wir meistens nicht gleich mit einer direkten Gegenleistung rechnen können. Wenn wir Vertrauen schenken, ernten wir die Früchte oft viel später und manchmal auf eine unerwartete Art und Weise.

P. Friedrich Prassl SJ

a1018

Religionskompetenz

23.8.2018 | Gesellschaft im Dialog

Mary Kreutzer, Politikwissenschafterin und Leiterin der Einrichtung Missing Link der Caritas der Erzdiözese Wien, im Gespräch mit Georg Nuhsbaumer

Zunehmende Komplexität durch Migration bringt Fragen nach einem Umgang mit religiöser Vielfalt mit sich. Religion ist für viele Menschen mit Migrationshintergrund ein wichtiger Bestandteil ihrer Identität. Im beruflichen Kontext von Bildung, öffentlichem Dienst, Gemeinwesen- und Sozialer Arbeit sind Fachkräfte nicht nur mit religiöser Vielfalt konfrontiert, sondern auch mit dem eigenen Nähe- oder Distanzverhältnis zu Religion. Gleichermaßen sind Wissen und Reflexion über Religionen erfordert.

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Das Kardinal König Haus bietet ab Februar 2019 erstmals einen Lehrgang Religionskompetenz in der Migrationsgesellschaft an, in dem Personen, die im Arbeitskontext mit religiöser Diversität zu tun haben, Wissens-, Selbst- und Interventionskompetenz entwickeln können.


Warum braucht es Religionskompetenz? Was hat sich in den letzten Jahren gesellschaftlich in Hinblick auf das Phänomen Religion verändert?

Es gibt in meiner Wahrnehmung in den letzten Jahren sehr gegenläufige Entwicklungen in Europa. Einerseits beobachten wir das Anwachsen einer massiven Ablehnung von Religion, religiösen Menschen und deren Praxis. In der Überspitzung vertreten und verbreiten solche Positionen prominente sozialdarwinistische Biologist/innen, wie etwa Richard Dawkins. Die jüngsten Debatten, etwa rund um die Knabenbeschneidung, das Schächten, die Euthanasie, etc., zeigen auf, dass der neue und immer breitere Teile der Bevölkerung erreichende Diskurs meist gegen religiöse Minderheiten gerichtet ist und als rassistisch, menschenfeindlich, antimuslimisch und antisemitisch bezeichnet werden kann. Mit dem klassischen Freidenkertum, wie wir es im 19. und 20. Jahrhundert kannten, und das primär Herrschaftskritik war, also Kritik an der unseligen Allianz zwischen Thron und Altar, hat diese Form des „neuen Atheismus“ nichts mehr zu tun.
Andrerseits ist Religion durch die Migration von Menschen aus nicht-säkularen Ländern allgegenwärtig wie schon lange nicht mehr. Wir sehen neue Kirchen, meist evangelikaler Prägung, Moscheen und muslimische Gebetsräume, Tempel und Räumlichkeiten für Buddhist/-innen, Hindus, Sikhs, uvm. Die Religion ist „wieder“ hier, und mit ihr auch politische Begehrlichkeiten und Konflikte, sowie politisierte und ideologisierte Formen von Religion und der politische Missbrauch von Religion.

Wo kann man in der sozialen Arbeit den Bedarf nach Religionskompetenz wahrnehmen? Welche konkreten Herausforderungen stellen sich dort?
In der Sozialen Arbeit stellen ganz unterschiedliche Fragen, die manchmal nur vordergründig, manchmal aber auch sehr real, mit Religion zu tun haben. Immer offensichtlicher wird, wie erstaunlich wenig wir über die Vereine, Kirchen, Gruppierungen, religiösen Minderheiten, etc. wissen, die teilweise seit Jahrzehnten Tür an Tür mit uns leben. Wie wenig Mut zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit schwierigen Themen wir bewiesen haben. Wie wenig wir bereit sind, die Ambivalenzen, die sich dabei auftun könnten, auszuhalten.
Im Integrationsbereich stellen sich oft die Fragen: Mit wem kooperieren wir, mit wem nicht? Haben wir genügend Wissen, um Positionen transparent zu machen, und uns dann darüber auf Augenhöhe auszutauschen?
Ganz praktisch werden Fragen in der Unterbringung von Geflüchteten bedeutsam:
Ist der Streit zwischen zwei Familien religiöser Natur? Wie lange schauen wir zu, wenn Yeziden von Sunniten ständig drangsaliert werden? Ist die Fahne im Zimmer eines Klienten tatsächlich vom IS? Die Kinder einer Klientin dürfen zu keinem Hausfest, an dem Musik gespielt wird – wie kann ich und ab wann soll ich, eingreifen? Klientinnen tragen Mundschutz, seit die Vollverschleierung verboten ist – mich macht das aggressiv. Wie kann ich damit umgehen? Was ist der Unterschied zwischen radikalisiert-sein und einer erzkonservativen Auslegung von Religion? Eine christliche religiöse Jugendgruppe unterrichtet die Kinder in einem Haus ehrenamtlich und sehr engagiert, aber ich habe gehört, dass sie sonderbare gesellschaftliche Vorstellungen haben. Ein Klient wurde bei seiner Einvernahme von der Richterin verächtlich behandelt, die ihm nicht glauben wollte, dass er vor 10 Jahren im Herkunftsland konvertiert ist.
Solche und viele andere Fragen beschäftigen uns in der Begleitung, Beratung, Betreuung und Beherbergung von Menschen diverser Herkunft. Die Fragen der Altersheime, der Bestattungsformen, der Friedhöfe, werden uns in den nächsten Jahrzehnten ebenfalls intensiver als bisher begleiten.

Wie kann Religionskompetenz Soziale Arbeit qualitativ verbessern?
Wenn wir davon ausgehen, dass Soziale Arbeit möglichst auf Augenhöhe geschehen soll und die Klient/innen als ganze Menschen ernst nehmen soll, dann ist deren religiöse Identität in ihrer Unterschiedlichkeit und Vielfalt ernst zu nehmen. Gerade in schwierigen Phasen des Lebens, sei es in Haft, auf der Flucht, bei Krankheit oder am Ende des Lebens, spielt Religion für viele religiöse Menschen eine wichtigere Rolle als sonst. Diese religiöse oder spirituelle Dimension des Lebens auch dann ernst zu nehmen, wenn man selbst kein spiritueller oder religiöser Mensch ist oder einer anderen religiösen Tradition angehöhrt, ist ein wichtiger Teil der Begegnung mit Menschen in Krisensituationen.
Im Integrationsbereich ist dieses Thema noch präsenter. Ängste vor einer „Islamisierung“ sind in der Mehrheitsgesellschaft genauso vorhanden, wie Ängste vor „Identitäts- und Religionsverlust“ bei manchen Flüchtlingen und Migrant/innen. Damit offen umzugehen und letztlich lösungsorientiert arbeiten zu können, benötigt Religionskompetenz.

Was ist deine Vision für unsere Gesellschaft im Hinblick auf die Vielfalt von Kulturen und Religionen?
Religion ist ein integraler Bestandteil im Leben vieler Menschen. Egal ob Gläubige, Atheist/- innen oder Agnostiker/innen: wir sollten Diversität nutzen, um Gemeinschaft zu ermöglichen, in der ein gutes Leben für alle möglich ist. In einer Gesellschaft, die massiv dazu tendiert, das Individuelle zu fördern, und die Gemeinschaft zu zerstören, wird diese Kompetenz immer dringlicher.
Was wir brauchen, ist eine Gesellschaft, in der wir einander unabhängig von unserer Religion oder Nichtreligion als Menschen und StaatsbürgerInnen ernst nehmen und als grundsätzlich gleich betrachten, eine Gesellschaft, in der die religiösen Apparate traditioneller Großreligionen vielleicht auch einiges an Privilegien verlieren, wenn dafür die neue Vielfalt religiösen und spirituellen Lebens entsprechend respektiert wird. Religionsfreiheit im umfassenden Sinn und Säkularismus nicht nur als Schutz des Staates vor religiöser Machtpolitik, sondern auch als Schutz der Religionen vor einem totalitären Zugriff des Staates, ist dafür Grundvoraussetzung.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Verkosten der Dinge von innen

3.8.2018 | Impuls des Direktors

Ignatius von Loyola hat am Beginn von Geistlichen Übungen darauf hingewiesen, dass „nicht das Vielwissen die Seele sättigt, sondern das Spüren und Verkosten der Dinge von innen“. Es ist gut, in Zeiten der Erholung und Stille die „inneren“ Dimensionen unseres Lebens besser kennenzulernen.

Es tut immer gut darauf zu achten, was unserer „Seele Genüge“ gibt – unserem Innersten Genugtuung und Frieden bringt. Es ist gut auf das eigene „Bauchgefühl“ zu achten und zu vertrauen sowie den eigenen inneren Entscheidungen treu zu bleiben.

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In diesen Fragen geht es mir mehr um einen Blick auf die eigenen Haltungen, auf Grundhaltungen im Leben. Wir sind oft in der Gefahr, nur Strategien und Techniken anzuwenden, um unser Leben einfacher zu gestalten – „to simplify our lives“. Dabei bleiben wir meist mehr im „Äußeren“ und sind enttäuscht, wenn der Erfolg von Strategien und Techniken in unserem „Inneren“ nur kurzlebig ist.

Ein offener Blick auf Grundhaltungen, Herzenshaltungen meines Lebens bzw. die oft mühsame Pflege solcher inneren Haltungen ist meist hilfreicher. Strategien und Techniken sind meist gut messbar, kontrollierbar, objektiv, vertraut durch Erfahrung – das „Äußere“. Der Blick auf innere Haltungen, Herzensangelegenheiten ist oft unsicher, zaghaft, subjektiv – es ist nicht immer leicht, diesem „Inneren“ ganz zu trauen und zu vertrauen.

Im Blick auf Einfachheit in meinem Leben habe ich die Erfahrung gemacht, dass es gut ist, mehr auf diese „innerste Dimension“ im eigenen Leben zu schauen. „Was wir im Auge haben, das prägt uns, dahin werden wir verwandelt, und wir kommen, wohin wir schauen.“ Dieses Wort von Heinrich Spaemann begleitet mich schon lange und hilft mir immer wieder in meinen Orientierungen nach einem einfacheren Leben – es geht um mich, was ich im Auge habe.

Was mir als Jesuit im Alltag auch hilft ist ein „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“, ein täglicher Tagesrückblick in der Haltung der Dankbarkeit für mein Leben. Was hat sich heute ereignet, was war schön, was hat meinen inneren Frieden gestört? Es ist ein tägliches Hinschauen auf mein Leben mit einer liebenden Aufmerksamkeit, um die Zeichen der Zeit erkennen und gute Entscheidungen treffen zu können.
Für Ignatius von Loyola war das die wichtigste Viertelstunde des Tages. Eine solche ehrliche Achtsamkeit auf die Wirklichkeiten meines Alltags erspart mir vielleicht eine Supervision, eine Psychotherapie oder ein teures Coaching. Diese Übung der Aufmerksamkeit trägt zum Wachsen und zur Stärkung von guten Beziehungen bei – zu mir selbst, zu meinen Nächsten und auch zu Gott. Es geht nicht um Selbstanalyse von Fehlern und Schwächen, um Beurteilung und Verurteilung meines Tuns und meist eher von anderen. Es geht nicht um eine Analyse der Vergangenheit, in der wir bei manchen schwierigen oder schmerzhaften Erinnerungen oft zu lange steckenbleiben.

Es ist nicht sinnvoll, auf eine bessere Vergangenheit zu hoffen. Das Jetzt, die Gegenwart ist wichtig – mit einem Blick nach vorne. Es geht um ein dankbares Wahrnehmen meiner guten Seiten und einen ehrlichen Blick auf meine Eigenwilligkeiten, meine Eigenmächtigen und Lieblosigkeiten, um zu versuchen, etwas zum Besseren zu verändern.
Ich empfinde es auch als Teil einer „Kultur des Innehaltens“ im Alltag. Im regelmäßigen Stillwerden, wenn ich zur Ruhe komme, entwickelt sich diese Kultur. Der Rat von Ignatius hilft dabei: „Nicht das Vielwissen sättigt die Seele, sondern das Spüren und Verkosten der Dinge von innen“.

P. Friedrich Prassl SJ

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Wirksam durch Vertrauen

26.6.2018 | Woche der Wirksamkeit

Ist eine Welt vorstellbar, in der wir unser Vertrauen multiplizieren, indem wir Kontrolle reduzieren? Eine verbreitete Definition bezeichnet Vertrauen als Mechanismus zur Reduktion sozialer Komplexität. Vertrauen kann nicht durch Wissen und Kontrolle aufgewogen werden. Vertrauen ist wertvoll. Es kann nur mit viel Aufwand wiederaufgebaut werden, wenn es einmal verloren war. Vertrauen braucht Pflege. Sei es unser Selbstvertrauen, das Vertrauen aufeinander, in Institutionen als auch das Vertrauen auf das Gelingen.
Ohne Vertrauen instrumentalisieren zu wollen, untersuchen wir am 24. Oktober seine Bedeutung für unser Zusammenleben und unsere Arbeit. Wir forschen, wie wir es im Sinne des Guten wirksam mehren können.

Wir haben vier Personen aus unterschiedlichen Bereichen um erste Gedanken gebeten. Lesen Sie diese Woche, was Katrin Hopfgartner, Leiterin des Seminarzentrums im Kardinal König Haus, zu Vertrauen zu sagen hat.

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Mich spricht der Schwerpunkt Vertrauen am meisten an, weil mir das Vertrauen in meine Mitarbeiter/innen meine Arbeit erst ermöglicht und Freiräume für neue Projekte schafft. Gerade wenn viele Veranstaltungen im Kardinal König Haus stattfinden, ist es zum Beispiel quasi unmöglich, jedes Detail nachzukontrollieren. Ich bin sehr froh, ein hoch motiviertes Team um mich zu haben, das in diesem Sinne wirksam ist.

Ich habe in den letzten Monaten aber auch festgestellt, dass es in meinem Arbeitsumfeld hilft, den Rahmen und die Erwartungen sehr klar zu formulieren und abzustimmen, um dieses Vertrauen aufzubauen.

Auch ich selbst hatte in den letzten Jahren das Glück, das Vertrauen meines Vorgesetzten zu genießen – dieser Faktor trägt wesentlich zu meiner hohen Arbeitszufriedenheit bei.

Natürlich fällt es mir leichter, Vertrauen zu mir ähnlichen Personen aufzubauen. Es würde mich interessieren, wie es besser gelingen kann, Vertrauen zu Personen mit unterschiedlicher Persönlichkeit aufzubauen.

Katrin Hopfgartner
Leiterin Seminarzentrum, Kardinal König Haus

 

Zum zweiten Mal gibt es mit der Woche der Wirksamkeit im Oktober 2018 einen Raum, in dem sich Führungskräfte und Gestalter/innen aus allen Bereichen unserer Gesellschaft mit dem auseinandersetzen, was sie bewirken wollen - und mit den Wirkungen ihres Tuns.

Die ersten drei Tage werden jeweils einem Motto gewidmet:

  • wirksam durch REDUKTION
  • wirksam durch MULTIPLIKATION
  • wirskam durch VERTRAUEN

Alle Informationen zur Woche der Wirksamkeit finden Sie unter www.wochederwirksamkeit.at.

a1021

Wirksam durch Multiplikation

12.6.2018 | Woche der Wirksamkeit

In unserer Welt des Zuviel gibt es von Vielem zu wenig. Wir brauchen mehr vom Guten, mehr vom Bescheidenen, mehr an Zuwendung, mehr an Wiederholungen kluger Handlungen, mehr an Arbeitsfreude, mehr an Eigenverantwortung und mehr an Vertrauen.
Wie bringen wir jene Prozesse der Multiplikation und der Wiederholung in Gang, die das Richtige stärken, vermehren
und wirksam werden lassen? Welche kleinen Maßnahmen bringen möglichst große Wirkung hervor? Was brauchen wir nicht mehr neu zu erfinden, weil es schon in ausreichender Form und Anzahl auf der Welt ist?

Wir haben vier Personen aus unterschiedlichen Bereichen um erste Gedanken gebeten. Lesen Sie diese Woche, was Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas Wien, zu Multiplikation zu sagen hat.

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Als Caritas machen wir jeden Tag an ganz unterschiedlichen Orten die Erfahrung, dass wir nur so stark sind wie die Menschen, die unsere Arbeit mittragen – im Gebet, mit einer Spende oder mit ihrer Zeit. Spenderinnen und Spender und die vielen Freiwilligen sind letztlich nichts anderes als Multiplikator/innen der Solidarität und Nächstenliebe. Sie stehen ein, wofür Caritas steht: Not sehen und handeln. Mit ihrer Hilfe stillen sie Hunger von Kindern in Äthiopien, sie geben obdachlosen Menschen in Wien ein Dach über dem Kopf und sie begleiten schwerkranke Menschen in der Hospizarbeit auf dem letzten Wegstück ihres Lebens. Sie fragen sich nicht, ob sie helfen sollen, sondern lediglich, wie sie helfen können. Sie alle spüren: Ohne ein Du wird keiner zu Ich. Sie spüren, dass es in unserer Gesellschaft auf jede und jeden Einzelnen ankommt und dass zu einem geglückten Leben eben auch gehört, sich nicht zu allererst um das eigene Glück, sondern auch um das Glück anderer Menschen zu kümmern. All diese Menschen stimmen mich für die Zukunft sehr zuversichtlich. Denn all diese Menschen beherrschen das Einmaleins der Nächstenliebe. Und auch beim Einmaleins geht es letztlich ja um eines: um Multiplikation…

Klaus Schwertner
Geschäftsführer der Caritas der Erzdiözese Wien

 

Zum zweiten Mal gibt es mit der Woche der Wirksamkeit im Oktober 2018 einen Raum, in dem sich Führungskräfte und Gestalter/innen aus allen Bereichen unserer Gesellschaft mit dem auseinandersetzen, was sie bewirken wollen - und mit den Wirkungen ihres Tuns.

Die ersten drei Tage werden jeweils einem Motto gewidmet:

  • wirksam durch REDUKTION
  • wirksam durch MULTIPLIKATION
  • wirskam durch VERTRAUEN

Alle Informationen zur Woche der Wirksamkeit finden Sie unter www.wochederwirksamkeit.at.

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Wirksam durch Reduktion

5.6.2018 | Woche der Wirksamkeit

Wer träumt nicht vom Weniger, von einem übersichtlichen Leben, das uns die Mühen des Priorisierens und Sortierens erspart? Zumindest für jene, die genug haben, verspricht Reduktion Erleichterung. Wer den Fokus für sein Tun gefunden hat, kann eher loslassen. Wir begeben uns am 22. Oktober auf die Suche nach dem Eigentlichen unseres Wirkens. Für wen sind wir da, wofür leben und arbeiten wir, und wie wollen wir im gemeinsamen Tun in Organisationen und Gesellschaft wirksam bleiben?

Wir haben vier Personen aus unterschiedlichen Bereichen um erste Gedanken gebeten. Lesen Sie diese Woche, was Andrea Kapounek, Pflegedirektorin des KH Göttlicher Heiland, zu Reduktion zu sagen hat.

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Das Thema „Reduktion“ erzeugt eine große Resonanz in mir. Das Gesundheitswesen hat viele Herausforderungen zu bewerkstelligen und vor allem bei den vorhandenen Ressourcen einige neue Wege zu gehen. Hier kann das Thema „Reduktion“ hilfreich sein. Was brauchen wir tatsächlich, um Patient/innen gut behandeln und betreuen zu können?

Sobald wir uns aber mit Reduktion befassen, entstehen sofort Ängste bei allen Beteiligten, die Anforderungen mit reduzierten Ressourcen bewerkstelligen zu müssen. Tatsächlich geht es aber darum, anders zu denken: etwas nicht mehr zu machen, ohne dass es Folgen für die Patient/innen hat; Abläufe patientenorientiert zu gestalten; Bürokratismus zu hinterfragen, der uns überbelastet und nicht dienlich ist.

Weiterdenken würde ich gerne über das Spannungsfeld „Erwartung und Möglichkeiten“. Die Erwartungen der Gesellschaft an das Gesundheitssystem steigen, die finanziellen Ressourcen, um die gewohnten Leistungen anbieten zu können, sinken aber und die notwendigen Mitarbeitenden sind immer schwerer zu finden. Reduktion mit Maß braucht daher neue Wege und Haltungen, von allen Verantwortlichen.

Andrea Kapounek
Pflegedirektorin des Krankenhauses Göttlicher Heiland

 

Zum zweiten Mal gibt es mit der Woche der Wirksamkeit im Oktober 2018 einen Raum, in dem sich Führungskräfte und Gestalter/innen aus allen Bereichen unserer Gesellschaft mit dem auseinandersetzen, was sie bewirken wollen - und mit den Wirkungen ihres Tuns.

Die ersten drei Tage werden jeweils einem Motto gewidmet:

  • wirksam durch REDUKTION
  • wirksam durch MULTIPLIKATION
  • wirskam durch VERTRAUEN

Alle Informationen zur Woche der Wirksamkeit finden Sie unter www.wochederwirksamkeit.at.

a1019

"Große Reise": Angekommen in Lainz

16.5.2018 | Flucht, Migration und gesellschaftlicher Zusammenhalt

„Angekommen in Lainz“ ist ein Projekt der Volksschule Steinlechnergasse und dem Kardinal König Haus. Wir haben die Eltern und Kinder der Schule eingeladen zum Thema „Flucht und Trauma“ zu arbeiten, das Thema zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen.

Im März fand ein Abendvortrag mit Dr. Udo Baer zum Thema „Wie gelingt die Integration von traumatisierten Flüchtlingen?“ für Eltern, das Lainzer Grätzl und Interessierte statt.

Im April und Mai 2018 haben wir dann mit Schüler/innen aus vier Klassen am Thema weitergearbeitet. Die Kindertherapeutin Sonja Brauner hat dazu interaktiv aus ihrem Kinderbuch „Große Reise“ vorgelesen. Nach der Lesung und dem Gespräch mit ihr haben die Kinder in einer anschließenden Malwerkstatt Bilder gemalt.

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In der Geschichte muss Amir eine große Reise mit seiner Familie antreten. Von Syrien gelangt er nach einer langen Zeit nach Österreich, wo er in einem Heim lebt. Alles ist neu, riecht, schmeckt anders und fremd. Wenn er Sehnsucht nach seinem Zuhause hat (denn er vermisst sein Kuscheltier, das er zurücklassen musste), dann träumt er sich an einen schönen Ort und reist dort mit einem fliegenden Teppich hin.

Die Lesung wurde in allen Klassen interaktiv gestaltet. Dabei wurden die Lebenswelten des geflüchteten Kindes Amir mit den Lebenswelten der Schüler/innen verbunden (Hast du ein Lieblingskuscheltier? Was ist deine Lieblingsspeise? Was machst du gerne nach der Schule?).
Die Kinder haben sehr engagiert mitgemacht, waren konzentriert und haben zugehört. Unser Eindruck war, dass viele Kinder versucht haben, schnell Empathie mit dem kleinen Amir aufzubauen, sich in ihn hineinzuversetzen und daraus Schlüsse zu ziehen, was für Amir wichtig wäre in der neuen Heimat: „Dass ein geflüchtetes Kind schnell Freunde findet“; „Dass man das Kind mitspielen lässt“; „Dass man Deutsch mit ihm übt“; „Dass man auch sein Lieblingsessen kocht“, usw. – die Kinder hatten viele Ideen, was hier helfen kann, wenn ein Kind in eine neue Umgebung kommt.

Nach der Lesung und nach den Fragen der Kinder wurde versucht, eine Verbindung zwischen der Geschichte und dem eigenen Empfinden herzustellen. Wir folgten der Frage: „Was macht Amir, wenn es ihm einmal nicht so gut geht?“ Die Antwort der Kinder kam jeweils sofort: „Er träumt sich an einen schönen Ort!“ Mit dieser Gedankenreise gestärkt, war der Auftrag für die darauffolgende Malwerkstatt formuliert, dass die Kinder einen schönen, stärkenden Ort malen sollten.

Eine Auswahl der Ergebnisse war anschließend auch im Kardinal König Haus ausgestellt. Wir danken der GTVS Steinlechnergasse für die tolle Kooperation, den Kindern der 1C, 2B, 3A und 4C fürs Mitmachen und Sonja Brauner und dem Verein Igor für die Zusammenarbeit!

Das Projekt wurde von der Stadt Wien/MA17 im Rahmen des Programms „It takes a Grätzl to raise a child“ gefördert.