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Care trotz Corona mit und für Menschen im Alter

Ein Nachdenk- und Diskussionspapier

Wie in einem Brennglas macht die Corona-Krise zentrale Themen der Sorge für und mit Menschen im Alter bzw. mit Demenz sichtbar, die oft schon vorher problematisch waren. Sie zeigt aber auch neue Wege auf. Dieses Papier möchte zum Nachdenken und zur Diskussion anregen. Es ist zwischen März und Juni 2020 im Rahmen des Netzwerks „Demenz vernetzen“ entstanden, das vom Kardinal König Haus koordiniert wird. Sie können dieses Papier downloaden und teilen.

Wenn Sie die Inhalte dieses Papiers unterstützen, bitten wir Sie

  • das Papier in Ihrem Umfeld zu verteilen und auch in Ihrer Öffentlichkeitsarbeit zu verwenden.1
  • persönlich oder als Organisation als Unterstützer aufzutreten.2
  • die Anliegen, die im Papier formuliert sind, in ihrem Einflussbereich zu vertreten und umzusetzen.

1 Wir freuen uns, wenn Sie uns über Veröffentlichungen informieren: roesler@kardinal-koenig-haus.at
2 Bitte mit informellem Mail die Unterstützung bekanntgeben bei Petra Rösler (s.o.), wir aktualisieren das Papier laufend.

PDF-Datei: Care und Corona Nachdenkpapier

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Welchen Stellenwert hat der Lebensschutz noch?

Kritische Resonanzen zum Recht auf Suizidassistenz.

Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat – sinnigerweise am Aschermittwoch – ein Urteil gefällt, das den sozialen und gesellschaftlichen Umgang miteinander tiefgreifend verändern wird. In der christlichen Tradition wird am Aschermittwoch sinnenhaft die Konfrontation mit der Sterblichkeit („Asche zu Asche“) in Erinnerung gehalten, die uns alle verbindet und gewissermaßen solidarisiert. Das deutsche Verfassungsgericht betont in seinem Sterbehilfe-Urteil die Freiheit, sich das Leben zu nehmen und „hierfür bei Dritten Hilfe zu suchen“. In seiner Argumentation wird „ein problematisches Narrativ übernommen, dass es nur die Alternative zwischen Qualtod und Brutalsuizid auf der einen Seite und dem heroischen Freitod auf der anderen gibt“ (Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates).  

Jede*r Deutsche hat jetzt ein Recht auf Suizid. Und jede*r hat jetzt das Recht auf straffreie Assistenz beim Suizid. Bislang hat die Gesellschaft sich verstanden als eine, die zu den „Lebensmüden“ in Kontakt tritt, ihnen eine Hand der mitmenschlichen Sorge und Verbundenheit hinhält. So wurde etwa die Telefonseelsorge auf- und ausgebaut, um die Möglichkeit eines letzten anonymen, lebenswendenden und rettenden Gesprächs solidarisch anzubieten.

Was in den kritischen Lebensmomenten, wo Menschen (so) nicht mehr weiterleben wollen oder können, „genau richtig“ (Jostein Gaarder) ist, lässt sich vor allem in der Begegnung von Person zu Person und in wechselseitiger Resonanz herausfinden, nicht in einsamer Enge und in (nur) vorgestellten Horror-Szenarien. Hier hat die Hospizbewegung und die fachkundige Erfahrung von Palliative Care bei Zeiten etwas anzubieten, was die unerträgliche Not wenden kann und lindert. Fast jeder, der Menschen betreut, die einen Sterbewunsch äußern, sagt, dass dieser Wunsch, dieser „Exit“, ambivalent und widersprüchlich ist und sich ändern kann. Es braucht eine Balance aus Freiheit, in letzter Konsequenz den Tod wählen zu können, und dem Schutz des Lebens. Das gefällte Urteil verstärkt hingegen den Eindruck, dass das Leben wie das Sterben ein Projekt der uneingeschränkten Autonomie, der planbaren Selbstbestimmung geworden ist. Es normalisiert den assistierten Suizid und macht ihn gewissermaßen zum Jedermannsrecht. In der Urteilsbegründung werden solche Besorgnisse der Normalisierung angesichts eines völlig überhöhten und einseitigen Autonomiebegriffs nicht mehr berücksichtigt. Dass Selbstbestimmung immer relational ist, sorgender Beziehungen bedarf, wird ausgeblendet. „Der Andere wird in der Funktion der Assistenz für die eigene tödliche Selbstbestimmung instrumentalisiert.“ (Andreas Heller).

Bislang war das Recht auf assistierten Suizid ein Abwehrrecht. Das Verfassungsgericht macht daraus ein Anspruchsrecht auf Verwirklichung, gewissermaßen ein allgemeines Persönlichkeitsrecht. Das verkehrt alles, was bislang gerichtlich in Sachen Menschenwürde formuliert worden ist. Selbstbestimmung war bislang immer lebensschutzfreundlich ausgelegt. Das aktuelle Urteil ist hingegen „ein radikaler Bruch mit der bewährten Rechtskultur.“ (Peter Dabrock)
Das könnte – was zu hoffen bleibt – einen politischen und gesellschaftlichen Diskurs und Dialog provozieren, wo deutlich(er) wird, welchen unbedingten Wert menschliches Leben in unserer Gesellschaft hat – und nicht nur als ein kalkulierbarer (Un)Kostenfaktor im ökonomisch getriebenen Gesundheitswesen zählt. Es könnte jedoch auch der Druck auf die Armen und Hoffnungslosen steigen, und das Unwort vom „sozialverträglichen Frühableben“ könnte sich absehbar durchaus bewahrheiten. Die Grenze zwischen assistiertem Suizid und Töten auf Verlangen scheint jedenfalls kaum noch zu halten zu sein. Wenn jeder Sterbenswillige einen Anspruch aufs tödliche Medikament hat – warum soll man dann einem gelähmten Menschen etwa verweigern, dass der Arzt ihm eine tödliche Spritze setzt?

Wir möchten den Urteilsspruch des deutschen Verfassungsgerichts als Anstoß aufnehmen für einen Dialog-Raum im Kardinal König Haus, wo unterschiedliche Standpunkte und Einschätzungen zum Thema Autonomie und Sorge sich begegnen können. Es braucht einen dialogischen Prozess der kritischen Unterscheidung, um lebensfreundliche Alternativen einer Sorgekultur in unserer Gesellschaft zu entwickeln.

Unsere neue Philosophische Reihe mit Dr. Patrick Schuchter will diesen Dialog-Raum offenhalten:
•     Das nächste Philosophicum findet am 12. März 2020 (18.00 – 20.00 Uhr) statt zum Thema „Was ist… ein gelungenes Leben?“
•    Am 17. Juni 2020 ist das Philosophicum-Thema „Wie wollen wir sterben?“

Wir heißen Sie herzlich willkommen!
Dr. Christian Metz

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Unterstützung für Menschen mit Demenz

Positionspapier

„Die Unterstützung von Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen, die Anerkennung ihrer Ressourcen und Fähigkeiten sowie ihre Teilhabe am öffentlichen Leben sind wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgaben.“
Österreichische Demenzstrategie

Ziel dieses Positionspapiers ist, die Teilhabe und Normalität im Leben von Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen auszuweiten. Demenz bedeutet nicht einen abrupten Wechsel von Autonomie zu Pflegebedürftigkeit. Als Gesellschaft muss es uns ein Anliegen sein, Menschen mit kognitiven Einschränkungen nicht primär als Objekte der Betreuung zu erleben und zu behandeln, sondern als selbstwirksame Individuen.

Durch Unterstützung kann die Selbstbestimmung im Alltag gefördert werden – mit spürbaren Auswirkungen auf die Lebensqualität und auch Gesundheit der Betroffenen und ihres Umfelds. Die hier angesprochenen Formen von Unterstützung haben damit das Potenzial, die Abhängigkeit von finanzintensiven Betreuungssettings zu verzögern.

Den folgenden Ausführungen zur Unterstützung für das Leben mit Demenz liegen die UN-Behindertenkonvention, besonders die Aspekte der Autonomie und Teilhabe sowie das Streben nach Nicht-Diskriminierung zugrunde. (Unberührt von diesem Positionspapier bleiben diverse Forderungen nach existenzieller Absicherung von pflegenden Angehörigen, nach Berücksichtigung des besonderen Betreuungsaufwands bei der Pflegegeldeinstufung, der Attraktivierung des Pflegeberufs, einer Qualitätssicherung in der Personenbetreuung u.v.m.)

PDF-Datei: Positionspapier Unterstützung