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2021

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BUCH DES MONATS

Christine Rod Buchrezension

Rainer Kinast: "Werteorientierte Führungskultur. Theorie und praktische Umsetzungen."

Rainer Kinast bewegt sich routiniert und scheinbar mühelos in sehr verschiedenen „sichtbaren und unsichtbaren Wirklichkeiten“: in Theologie und Führungsaufgabe, in Psychotherapie und Organisationsentwicklung, in Spiritualität und Prozessbegleitung, in Personalverantwortung und zugrundeliegenden Motivationen, im Blick auf Individuen und in der Aufmerksamkeit auf Systeme. Genau diese Vielseitigkeit bringt die Frische und den kraftvollen, glaubwürdigen Duktus der Publikation, die Ende 2020 im Lambertus-Verlag erschienen ist.

Rainer Kinast „bedient“ Führungskräfte in ihrer unmittelbaren strukturellen Führungsaufgabe und organisationalen Verantwortung. Und er bietet auch einen achtsamen Umgang mit Motivationen, Sinn und Werten. Er weiß um die Wichtigkeit dieser Orientierungspunkte im Führungsalltag und macht diese bewusst und somit auch zur Ressource. Inspirator im Hintergrund ist kein geringerer als Viktor Frankl, in dessen psychotherapeutischer Tradition Kinast geprägt ist und auf den immer wieder Bezug genommen wird.

Kinast spricht ausdrücklich und erfrischend „unpenetrant“ über Spiritualität, indem er einerseits zwischen „weltimmanent“ und „transzendent“ unterscheidet und die weltimmanente Spiritualität ernstnimmt und würdigt. Und er bekennt sich andererseits deutlich zu christlicher bzw. – noch spezifischer – zu ignatianischer Spiritualität. Eine Spiritualität, die das Zeug in sich hat, die Dinge dieser Welt mit dem Glauben an Jesus Christus zu verbinden.

Man nimmt es Kinast ab, dass er sehr respektvoll mit seinem Gegenüber und dessen Werten und Spiritualität umgeht. Bereichernd sind die vielen praktischen Beispiele, die gleichsam ein Angebot darstellen, trotz mancher Unsicherheit mit den Themenfeldern „Werte und Spiritualität“ dranzugehen und Mitarbeitende vielleicht zu neuen Erfahrungen oder neuen Erkenntnissen einzuladen.

Einladend, kurzweilig und sympathisch ist das Buch insgesamt. Als Reflexionshilfe und Inspiration für „Erstverbraucher“, also für Führungskräfte selber, aber auch als Ermutigung und manchmal sogar als „How to do“ für Mulitplikator*innen, also für Trainer*innen und Prozessbegleiter*innen.

Christine Rod MC, 20.2.2021

Rainer Kinast war Mit-Initiator des innovativen Lehrgangs „Angewandte Existenzanalyse in Organisationen“, der 2021 im Kardinal König Haus startet und von Susanne Pointner und Alexander Milz geleitet wird. Sein neues Buch ist im Teilnahmebeitrag enthalten und dient als Hintergrundliteratur.

Hier finden Sie weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung zum Lehrgang "Existenzanalyse in Organisationen": www.kardinal-koenig-haus.at?va=31409

Christine Rod Buchrezension

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17.02.2021 | Aschermittwoch - Impuls zum Beginn der Fastenzeit

Aschermittwoch

Sich wandeln und verwandeln lassen

Die Fastenzeit steht wieder vor der Tür. Die besonderen Umstände der Corona-Pandemie werfen auch heuer ihre Schatten darauf. Es ist eine geprägte Zeit im Jahr, um mich im Blick auf Ostern zu besinnen, was ich selbst in meinem Leben aktiv verändern möchte.

Was ist mir wirklich wichtig?
Was will ich lernen?
Worin und woran möchte ich wachsen?
Was bedeutet es für mich, den Augenblick achtsam zu leben, Frieden im Herzen zu finden, die Menschen zu lieben, Güte zu wagen, Verständnis zu üben, einander von Herzen gut zu sein, Dankbarkeit zu empfinden?
Bin ich überhaupt bereit mich in diesem Sinn verwandeln zu lassen?

Die Antworten auf diese Fragen muss ich mir immer wieder selber ehrlich geben können. Eine bewusste Fastenzeit kann mir dabei helfen. Es geht dabei nicht so sehr um ein mehr oder weniger Essen – das ist nicht wichtig. Es geht auch nicht um eine radikale Änderung meiner Lebensgewohnheiten. Manchmal ist es einfach ein achtsames Verbessern von Nachlässigkeiten in meinem Alltag. Es geht um mein ehrliches Bemühen Falsches zu bemerken, Trennendes zu überwinden, Belastendes zu entfernen. Es geht um ein Freiwerden von dem, was mich auf meinem Lebensweg behindert, was mich im Innersten bedrückt. Es geht um Anders-Denken, Neu-Denken, Umdenken, es geht oft um Umkehr, damit sich in meinem Leben vieles zu mehr freudiger Lebendigkeit hin wandeln kann.

Henry Newman hat das einmal so beschrieben: „Leben heißt sich verändern. Vollkommen sein heißt, sich oft verändert zu haben.“ Auch wenn wir die Vollkommenheit nicht erreichen werden, möge uns etwas davon in dieser besonderen Fastenzeit in unserem Leben gelingen! Unser Blick darf sich wieder hoffnungsvoll auf Ostern, Auferstehung und Leben in Fülle richten.

Der Glaube, Zuversicht, Vertrauen, Freude und Dankbarkeit verstärken die Bereitschaft zur Wandlung – sich zu wandeln und sich verwandeln zu lassen. In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Fastenzeit!

P. Friedrich Prassl SJ

Aschermittwoch

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Ermin Joseph Döll *28.02.1936 + 23.01.2021

Die Botschaft seines Lebens und Lehrens

Wer Ermin Döll kennenlernen durfte, dem sind aus den Begegnungen mit ihm seine ruhige Präsenz und seine wachen, nicht selten lächelnden Augen, in Erinnerung. Ermin sprach langsam, wie er ganz allgemein alles, was er unternahm, mit Bedacht und Aufmerksamkeit tat. „Langsam, langsam, nicht so schnell!“, so konnte er andere im Familienkreis und bei Kursen bisweilen bremsen. Nichts sollte „nebenbei geschehen“, alles in voller Präsenz. Darin liegt ein großes Geheimnis der Wirkung, die Ermin Döll auf andere hatte.

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Gab es mit ihm etwas für kommende Kurse oder Unternehmungen zu besprechen, so war er stets natürlich und einfach. So war es gut möglich, Vorschläge, Bedenken oder Veränderungen einzubringen. Seine einfache und unkomplizierte Art hat es seinen Teilnehmer*innen möglich gemacht, ebenfalls unbefangen als Personen, die sie sind, da zu sein. Seine kleine Gestalt, sein ruhiges Wesen, seine einfache Sprache, alles hatte einen Ton von Einfachheit und Verständlichkeit.
Zweifellos haben Natur und Schöpfung in seinem Leben eine große Bedeutung. In jüngeren Jahren liebte er das Bergsteigen, um auch an die Grenzen zu gehen – oder darüber hinaus. Immer mehr wurde der Garten das Feld seiner Berührung mit Schöpfung und mit seinem Schöpfer. Schon als Franziskaner war dies zentrales Anliegen seiner Spiritualität. Mit seiner Familie in Wien hat er dann im Zusammenleben, im Garten, in seinen Wanderungen diesen Bezug zur ganzen Schöpfung in neuer Weise vertieft. Auch in seinen Kursen, wie im „Zen des glücklichen Wanderns“ (Buch und CD), ist dieser Aspekt höchst bedeutsam geworden. Sich in der Schöpfung Gottes bewegen, gehen, langsam und achtsam. Das „glaubwürdige Gehen“, egal wo, aber bevorzugt in der Schöpfung Gottes, als Meditation, als Hilfe für den „Weg nach innen“.

Das ist auch die Grundbotschaft seines Lebens: „Der Weg des Menschen geht nach innen – auf Gottesbegegnung hin!“ Das ist der rote Faden seiner Kurse, seiner Begleitung, seiner Lehre. Deshalb konnte er manchmal an Welt und Gesellschaft auch zu zweifeln beginnen, wohin sie denn läuft. Die Unruhe und Geschäftigkeit im Außen, die „Verzettelung“, sie war ihm verdächtig. Ermin liebte es auch tätig zu sein, für andere zu arbeiten, schien dabei aber ganz er selbst und bei sich zu sein.

Ein Markenzeichen seines Lebens, Lehrens und Schreibens ist zudem die Freude an den Originaltexten und den wirklichen Aussagen spiritueller Menschen, vor allem in Tradition und Mystik. So saß er im Wohnzimmer seiner Familie und war vertieft, las, dachte und sann darüber nach. Ob bei griechischen oder lateinischen Texten, es war ihm wichtig, aus den Quellen zu hören und zu verstehen, was die Mystiker und Mystikerinnen uns zu sagen haben. Daraus sind seine Vorträge entstanden, Schriften und Bücher (u.a. „Das Buch der ewigen Weisheit“). Der Weg der Mystiker*innen war ihm Leitbild und Beispiel. Immer wollte er Hinweise für den rechten Weg nach innen, für den Weg zum Geheimnis des Lebens finden.

Der Weg, den Ermin Döll lehrte, war ein praktischer und ganzheitlicher Weg, der auch den Leib miteinbezogen hat. Dieser Weg hat sich rationalen Abgrenzungen entzogen und konnte zu ungeahnten Erfahrungen führen. Ermin Döll hat in Meditation und Zen den Boden seiner geistigen Beheimatung nicht zurücklassen müssen. „Mich hat der Umweg zu den eigenen Wurzeln zurückgeführt, und zwar wirklich zu den Wurzeln christlicher Spiritualität, die ich in der christlichen Mystik, voran in Meister Eckhart, entdecken konnte“, so schreibt er. Ermin Döll gewann die Einsicht, dass die zunächst scheinbar so ganz verschiedenen Ausgangspunkte am Ende „zu einer Erfahrung führen, die als religiöse Grunderfahrung wohl hinter jeder institutionalisierten Religion liegt“. Hinfinden zur eigenen Identität, die „im eigenen Grund verwurzelt und verankert ist“ – jenseits aller Fremdbestimmung und Indoktrinierung! Durchstoßen zu dem Grund unseres Daseins – jenseits aller rationalen Selbst- und Gotteserkenntnis! So lehrte er eine Übung der Sammlung und Versenkung, die in der christlichen Mystik in etwa als „Gebet der Ruhe“ und des „schweigenden Offenseins“ bekannt ist.
Ermin Döll war ein gewissenhafter Mensch mit einem ausgeprägten Verantwortungssinn. Man konnte sich auf ihn verlassen. Das war im Bereich Spiritualität und Exerzitien im Kardinal König Haus ganz konkret zu erleben. Offenbar hat es ihn die letzten Wochen viel gekostet, diese Verantwortung für Menschen und Aufgaben abzugeben, loszulassen, so erzählt seine Familie.

Wie Meister Eckhart ging es ihm um die Praxis, er wollte nicht bloß Lehrmeister sein, sondern Lebemeister. Leben und Lehre waren für Ermin nie getrennt. Was er lehrte, wollte er auch leben. Und dabei zog ihn ein Geheimnis tief innen an. Das gab seiner Gegenwart noch ein ganz eigenes Leuchten. Er konnte in kurzen Begegnungen, in wenig Zeit eine große Wirkung auf andere ausüben. Eine ehemalige Kursteilnehmerin berichtet: „Auch ich habe bei ihm ein Einführungswochenende (für Zen) gemacht und das Gefühl, dass er weit in mein Leben hineingewirkt hat mit dieser kurzen Zeit.“ So hat er viele Menschen mitgenommen und mitgehen lassen auf dem Weg nach innen.
Im Bereich Spiritualität und Exerzitien werden wir mit Personen, die Ermin Döll selbst empfohlen hat, weiterführen, was er so fruchtbar hier im Haus und an anderen Orten begonnen und bewirkt hat.

P. Josef Maureder SJ

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Foto: Irmgard Volgger Veto

Begräbnis Ansprache, P. Maureder SJ (Joh 14,1-6)

Botschaften von Ermin Döll an uns, da wir Abschied nehmen.

•    Geh den Weg nach innen –
      die Natur wird dir helfen

Das war sicher die entscheidende Botschaft in seinem Leben und Lehren: Der Weg des Menschen, wenn er gelingen soll, geht nach innen. Selbst nicht im Außen, in der Fremdbestimmung hängen zu bleiben. Ganz man selbst werden, zum eigenen Grund, zur eigenen Identität finden. Und vor allem so zum Grund unseres Daseins durchstoßen, zum Grund allen Lebens. Es ging Ermin immer um die Gottesbegegnung.

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Dazu passt es auch, dass Ermin ganz andächtig im Wohnzimmer sitzen konnte, Stunden, um die Originaltexte, die Quellen großer spiritueller Meister und Mystiker zu studieren. Eben nach innen gehen und hören, auch den Aussagen auf den Grund gehen, um sie ganz verstehen.
Auf dem Weg nach innen, zum Grund des Daseins war ihm die Schöpfung wie der goldene Weg (vgl. Bilder!). Auf die Berge steigen, im Garten arbeiten, das Zen des glücklichen Wanderns! Keine Frage, dass sich für Ermin die eingeübte franziskanische Spiritualität mit einer tiefen Erfahrung hier verstärkt hat. Die Erfahrung, dass vor allem in der Natur der Weg zum Schöpfer allen Lebens sicherer zu finden ist. Die Liebe zur Natur, zum Holz, zu den Tieren hat auch andere angesteckt (Daniel, Noemi).

> Geh den Weg nach innen, die Natur wird dir helfen!

•    Geh langsam, wo auch immer du gehst –
damit du bei allem ganz dabei sein kannst

In verschiedenen Situationen konnte Ermin öfter sagen: „Langsam, langsam, nicht so schnell!“ Auch beim Reden: Nicht so nebenbei die Dinge sagen oder machen. Damit man ganz dabei sein kann. Das gleichmäßige Gehen, gleich wo, das war für ihn der Schlüssel, das Training, um präsent, da zu sein.
In relativ späten Jahren, Ermin war schon 57, da hat er sein Lebenskonzept nochmals geändert. Verschiedene Erfahrungen haben ihn dazu gebracht. Aber es war vor allem die Begegnung mit Eva. Wirklich kein leichter Schritt, kein einfacher Weg, durch ein Spalier von eigenen Zweifeln, der Fragen und Enttäuschungen anderer. Ermin war bereit, einen ganz neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Und auch hier zeigt sich das „Langsame Gehen“ und das Ganz dabei sein. Ermin war es wichtig, dass der Schritt keine Trümmer hinterlässt. Schritt für Schritt hat er in Begleitung vor Gott seinen Weg gesucht. Er konnte ehrlich danke sagen für die Zeit im Orden. Dann aber war er ganz da für die wachsende Familie ohne Rückblicke mit Bedauern. Es wirkt tatsächlich wie ein gelungener, ein geschenkter Abschied und Neubeginn. Bei all dem, was dabei auch weh getan hat. Langsam gehen, versöhnt auf dem Weg sein.
Einen Ausspruch von Meister Eckhart hat Ermin Döll vor allem geliebt. Er ist auch auf seiner Parte von der Familie gewählt worden: „Was ist die wichtigste Zeit? Die Gegenwart! Was ist der wichtigste Mensch? Der, mit dem Du gerade zu tun hast. Was ist das wichtigste Werk? Das, was Du gerade tust – in Liebe!“

> Geh langsam, damit du bei allem ganz dabei sein kannst – biblisch mit ganzem Herzen, voll Liebe!

•    Bleib auf dem Weg –
heim zum Vater

So würde wohl Ermin einem jeden von uns heute sagen, so hat er es auch seinen Kursteilnehmer*innen gesagt: Bleibt auf dem Weg! Und es war für ihn in jedem Moment ein Heimweg zum Vater. Dieser Weg, wie es Meister Eckhart sagt, gelingt, wenn wir ganz bei dem sind, was wir tun und wenn wir es mit Liebe tun.
Ermin hat durch sein Leben gelernt, immer wieder auch Zelte abzubrechen, Dinge ganz aus der Hand zu geben, um Neues empfangen zu können. Und doch war dieses Leerwerden vor Gott, das Abgeben von Vielem, von dem er oft gesprochen hat, auch in der vorletzten Phase seines Lebens noch schwere seelische Arbeit. Er ist hindurchgegangen, auf dem Weg geblieben. „Vater, ich mach mich jetzt auf den Weg zu Dir nach Hause“, so haben ihn die Familienmitglieder in seinen Gesprächen mit Gott reden hören.

> Bleib auf dem Weg, heim zum Vater!

Liebe Familie von Ermin, Verwandte, Freunde!
Die Frohbotschaft aus dem Johannesevangelium, die wir soeben gehört haben, habe ich gewählt, weil es die Zusage Jesu an Ermin ist, in seinem treuen Gehen, auf seinem Heimweg:
-    Da ist ständig vom Weg des Lebens die Rede. Von Jesus heißt es, dass ER hingeht zum Vater. Und dass wir diesen Weg kennen oder noch suchen, wie Thomas…
-    Dann bindet Jesus den gelungenen Lebensweg an seine Person und seine Botschaft: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.
-    Und die große Hoffnung: Im Haus des Vaters sind viele Wohnungen. Jesus verspricht hinzugehen zum Vater, um für uns einen Platz zu bereiten. Dann wird er wiederkommen, um uns zu sich zu holen. Jesus verspricht uns heimzuholen zum Vater. So wie es Ermin gewünscht und ersehnt hat.  
In den letzten beiden Wochen ist Ermin Döll immer ruhiger geworden, nach innen gewandt, frei. Er ist dem näher gekommen, den er sein Leben lang gesucht hat. Auf Gott hin hat er in seinem Leben und in seinen Lehren für andere Brücken gebaut.

Gefragt, was Emin wohl an Grundbotschaften hinterlassen würde, meinte seine Frau so treffend – und man kann darin Ermin selbst sprechen hören:
„Grundsätzlich: Der Weg geht nach innen – auf Gottesbegegnung hin!“
„Zu den Kursteilnehmer*innen: Bleibt auf dem Weg!“
„Zur Familie: „Es war gut so. Seid glücklich!“
„Zur Gesellschaft: „Komm zum Wesentlichen! Mein Gott, diese Verzettelung!“

In großer Dankbarkeit erbitte ich mit vielen Menschen, die Ermin Döll gekannt, geschätzt und geliebt haben, dass er leben darf in Gottes Gegenwart. AMEN.

Foto: Irmgard Volgger Veto

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Erinnerungen an Ermin Döll von Frau Helene Hendling-Ehmayr

Donnerstag-Abend, Zen-Meditation mit Ermin Döll: für manche von uns der wichtigste Termin einer Woche, oft der einzige Ruhepol in der Betriebsamkeit des Alltags, immer aber eine persönliche, eine tiefe Begegnung mit Ermin, unserem verehrten und geliebten Lehrer.

Wenn jemand zum ersten Mal da war, erkundigte sich Ermin vorerst nach der bisherigen Meditations-Erfahrung, gab Anregungen für die Sitzposition und fragte am Ende vorsichtig nach, wie es denn gegangen wäre. Die Verständigung, noch dazu in einer Atmosphäre der Stille, war wegen seiner zunehmenden Schwerhörigkeit nicht so einfach. Aber nichts wurde zum Problem mit ihm, er blieb immer natürlich und unkompliziert, und dadurch konnten auch wir unbefangen sein. In Ermins Vorträgen zwischen der ersten und der zweiten Sitzeinheit ließ er uns großzügig teilhaben an seinen Einsichten in Zen und Mystik. Ermin Döll hatte eine wunderbare Sprechstimme, tief und sonor, er sprach langsam und mit dichten Pausen. Nach der abschließenden Rezitation – immer Worte des Angelus Silesius – standen wir im Kreis, ein Lächeln und „Ich wünsche allen einen guten Nachhause-Weg und eine ruhige Nacht!“ Und dann blies er die Kerze aus.

Helene Hendling-Ehmayr

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Marcus Hillinger erinnert an ein Dichterwort, das Ermin sehr wichtig war und das er bei den Nachtwanderungen in Puregg am Sonnenaufgangsplatz gerne rezitiert hat:

Wohin auch meine Seele segelt, wandert oder fliegt,
alles, alles gehört ihr.
Welche Stille allenthalben.
Oh, wie gelassen die Seele,
wenn sie gleich einer reinen und einsamen Königin
ihr unendliches Reich in Besitz nimmt.

Juan Ramon Jimenez: Nocturno

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Foto: Irmgard Volgger Veto

Lebenslauf Ermin Joseph Döll

Geb. 28.02.1936 in Bamberg
Elternhaus in Roßstadt am Main
1942 – 1954 Schulbesuch in Roßstadt, Freiburg und Bamberg
1954 Abitur in Bamberg
1954 Eintritt ins Noviziat der bayrischen Franziskaner, im Franziskaner-
         kloster Dietfurt an der Altmühl
1955 – 1961 Philosophisch-Theologische Hochschule der Franziskaner in München
1960 Priesterweihe
Seit 1962 Arbeit in verschiedenen Pfarren und als Religionslehrer
         sowie im Leitungsteam des Meditationshauses St Franziskus in Dietfurt an der Altmühl
1992 Austritt aus dem Orden der Franziskaner
27.08.1992 Heirat mit Eva-Maria Westerhoff und Umzug nach Wien
17.07.1994 Geburt von Sohn Daniel
16.04.1997 Geburt von Tochter Noemi
Seit 1992 Kursleitung im Bereich Meditation an verschiedenen Bildungshäusern
                (besonders Kardinal-König-Haus, Haus der Stille Puregg, Stift Zwettl, St Virgil)
Gestorben am 23.01.2021 im 85. Lebensjahr

Foto: Irmgard Volgger Veto