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Ignatiusfest

Ignatius

31.07.2020 | Gruß des Direktors

Non coerceri maximo,
contineri tamen a minimo
divinum est.

Nicht begrenzt werden vom Größten
und dennoch im Kleinsten enthalten sein,
das ist göttlich.

Dieser Satz drückt die Geisteshaltung des Heiligen Ignatius von Loyola aus. Sein Orden, die „Societas Jesu“, ist heute weltweit tätig. Zugleich sucht und findet Ignatius Gott im Kleinen und Alltäglichen, ja „in allen Dingen“. So lautet der spirituelle Auftrag, den Ignatius von Loyola seinem Jesuitenorden mitgab. Bis heute lädt er viele Menschen innerhalb und außerhalb des Ordens dazu ein und fordert sie heraus. Man möge „die Gegenwart unseres Herrn in allen Dingen suchen, im Sprechen, im Gehen, Sehen, Schmecken, Hören, Denken und überhaupt in allem“, beschreibt er den geistlichen Weg der jesuitischen Gottsuche in einem Brief. Geistliches Leben findet nicht nur im Gebet und zu besonderen Zeiten und an besonderen Orten statt, sondern auch im Alltag. Gott begegnet uns in der ganzen Wirklichkeit. Dies verlangt, die Welt vorurteilsfrei wahrzunehmen, in der Schöpfung, in der Arbeit, im Mitmenschen, in sich selbst Gott mit den eigenen Sinnen nachzuspüren. Es ist auch ein Auftrag an das Kardinal König Haus!

Am Ignatiusfest, in Erinnerung seines Todestages am 31. Juli 1556, wünsche ich dazu Mut, einen „langen Atem“ und Gottes Beistand und Segen.

P. Friedrich Prassl SJ

Ignatius

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Menschen in der dritten Lebensphase geistlich begleiten

15.06.2020 | Spiritualität und Exerzitien

Mit dem Alter ändern sich die Fragen, die die Menschen beschäftigen: Wie gestalte ich sinnvoll meine Zeit? Trägt mich (noch) mein Glaube? Was möchte ich zu einem guten Abschluss bringen? … Um Antworten auf solche Fragen zu finden, suchen Menschen Begleitung.

Die „dritte Lebensphase“ ist ein Allgemeinbegriff geworden. Sie umfasst die Lebensjahre vom Abschluss des aktiven Berufslebens bis ins hohe Alter. Auf diesem Weg suchen sich viele Menschen Begleiterinnen und Begleiter. Denn so einfach und genussvoll, wie diese Lebensphase manchmal beschrieben wird, ist sie oft nicht. Die persönlichen Grenzen werden deutlicher und die Frage, wohin denn dieser Weg letztlich führt, wird drängender.

In einem Studientag im Oktober bieten wir geistlichen Begleiter*innen eine Nach-Schulung an, um Menschen in dieser Lebensphase besser begleiten zu können. Erfahrungsaustausch und Impulse, Übungen und Zeit zum persönlichen Nachdenken werden die Gestaltungselemente sein.

Hier finden Sie weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung: www.kardinal-koenig-haus.at?va=28140

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Entschieden leben

3.6.2020 | Spiritualität und Exerzitien

Wie trifft man eine gute Entscheidung? Und was macht diese zu einer „geistlichen“ Entscheidung? Die Kunst der Unterscheidung der Geister und das Einüben in innere Freiheit, die sogenannte Indifferenz, sind hierfür wichtige Hilfen.

Entschieden leben führt zu gelungenem Leben. Wenn der Weg zu einer Entscheidung hin bewusst und gründlich gegangen wurde, hat man eine gute Entscheidung getroffen. Selbst wenn sie sich im Nachhinein als falsch heraus stellen sollte. Wer nicht entscheidet, für den wird entschieden. Wichtige Hilfen beim Entscheidungsprozess sind die Kenntnis der Unterscheidung der Geister und das Bemühen um Indifferenz, die nicht Gleichgültigkeit meint, sondern eine innere Freiheit und Klarheit.

Bei unseren Exerzitienangeboten finden Menschen in der stillen Atmosphäre und in Begleitgesprächen Unterstützung, gute Entscheidungen zu treffen. In den Lehrgängen im Bereich Spiritualität und Exerzitien vermitteln wir den Teilnehmer*innen entsprechende Kenntnisse, um sie für sich selbst und in der Begleitung anderer anwenden zu können – so auch bei der nächsten Einheit unseres Lehrganges Geistliche Begleitung Ende Juni.

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Mit Begeisterung für ein gutes Leben

1.6.2020 | Pfingstgruß des Direktors

Nach zweieinhalb Monaten Corona-bedingter Stille im Kardinal König Haus freue ich mich darauf, dass wir unser Bildungszentrum wieder öffnen können. Das Pfingstfest lässt mich nach turbulenten und schwierigen Zeiten doch mit einer eigenen Begeisterung auf die kommende Zeit blicken. Im Duden wird Begeisterung als „von leidenschaftlicher Anteilnahme getragener Tatendrang“ beschrieben. Das Team im Haus ist ganz in diesem Sinn bereit, wieder viele Menschen zu Bildungsveranstaltungen einzuladen und gastfreundlich aufzunehmen.

Auch wenn wir für die Sommermonate und den Herbst mit einem eingeschränkten Betrieb rechnen, wollen wir unserem Bildungsauftrag treu bleiben und mit neuen Angeboten und Aktivitäten „Standpunkt, Offenheit und Dialog“ leben und vermitteln. Ich lade dazu ein, mit einem Besuch oder einer Weiterempfehlung unserer Veranstaltungen dazu beizutragen, dass das Kardinal König Haus weiterhin das sein kann, was viele Menschen so schätzen: ein offenes Haus des Dialogs und der Inspiration, ein wunderbarer Ort für Bildung und Herzensbildung, für Begegnung mit Menschen und Gott.

Ich wünsche im Namen unseres Teams in diesen Tagen von ganzem Herzen Begeisterung, Zuversicht und vor allem weiterhin gute Gesundheit.

P. Friedrich Prassl SJ

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Focusing – eine Methode für irritierende Zeiten

28.5.2020 | Gesellschaft im Dialog

Wir erleben eine Zeit großer Beunruhigungen, die neu und befremdlich sind. Focusing nach Dr. Eugene Gendlin, Philosoph und Psychotherapeut, ist eine Methode, die das Vertrauen auf den eigenen Körper und sein implizites Wissen als Ressource fördert. Ein achtsames und absichtsloses in sich Hineinhören stärkt den Kontakt zu sich selbst und anderen.

FOCUSING nach Dr. Eugene Gendlin, Philosoph und Psychotherapeut, ist eine Methode, bei der geübt wird, mit dem (noch) Nicht-Wissen achtsam zu verweilen. Zu Themen, Fragen und Situationen, die uns beschäftigen, haben wir meist ein uneindeutiges, aber doch deutlich wahrnehmbares, körperliches Gespür. Wenn wir uns neugierig und absichtslos dem noch unklaren, schon gespürten, aber noch impliziten Wissen zuwenden, kann es sich in seinen Bedeutungen entfalten. Eine Tür zu neuen Erkenntnissen kann sich öffnen, Impulse zu einem im Jetzt stimmigen nächsten Schritt können entstehen.

Eugene Gendlin, 1926 in Wien geboren, musste 1938 in die USA flüchten und forschte an der Universität von Chicago als Philosoph über das Zusammenwirken von Erleben und Sprache. Er entwickelte Focusing als Methode in Zusammenarbeit mit Carl Rogers, dem Begründer der personzentrierten Psychotherapie. Im akademischen Kontext lehrte er Thinking at the Edge (TAE) als Ansatz zur Erkenntnisgewinnung.

Gene Gendlin zu Focusing: „Was ist Focusing? Focusing ist, kurz gesagt, wenn man bei etwas, das man unmittelbar erlebt, aber nicht versteht, dabeibleibt. Diese Zeit mit Etwas Unklarem, diese paar Sekunden oder paar Minuten, in denen man mit etwas ist, das man ganz konkret erlebt, ohne zu wissen, was es ist – das ist Focusing. [...] Focusing ist wie eine Tür: Was auf der anderen Seite der Tür ist, überlasse ich jedem selbst. Alles Mögliche ist dort. Focusing ist einfach das Sein mit etwas, das man direkt erlebt, aber nicht versteht.“1

Mit dieser Methode kann die erfolgreiche Integration von körperbasierter Wahrnehmung und Rationaliät geübt werden. Dies ist auch aktuellen neuro- und kulturwissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge2 der Schlüssel zur menschlichen Lern- und Entwicklungsfähigkeit.

Focusing ist wirksam, um

  • persönliche oder berufliche Themen selbständig, mit Kopf und „Bauch“ zu klären;
  • in Gesprächen achtsam zuhören zu können und präsent zu sein;
  • mit unklaren Situationen vertrauensvoll umzugehen;
  • schöpferisch-gestalterische Prozesse in Kunst und Design, in der Wissenschaft und bei der Konzeptentwicklung zu unterstützen;
  • individuelle und soziale Lern-und Entwicklungsprozesse zu begleiten
  • das Bewusstsein von Selbstwirksamkeit zu stärken, u.v.m.

Professionelle Einsatzbereiche sind soziale und pädagogische Berufe, kreative Berufe, Wissenschaft, Personalmanagement u.a.

Die Methode ist für jede*n erlernbar und kann selbständig, in Tandems oder in Gruppen praktiziert werden.

1 Zit. nach Johannes Wiltschko (Hrsg.) (2008): Focusing und Philosophie. Eugene T.Gendlin über die Praxis körperbezogenen Philosophierens, Wien: Facultas Verlag, S.27
2 Vgl. McGilchrist, Iain (2009): The Master and His Emissary. The Divided Brain and the Making of the Western World. New Haven and London: Yale University Press.

Sie wollen mehr über Focusing erfahren und erste Schritte erproben? Am 31.8. bietet das Seminar "Achtsame Gesprächsführung mittels Focusing" mit Dr.in Sabine Aydt dazu die Gelegenheit. Alle Informationen und Anmeldung: www.kardinal-koenig-haus.at?va=30359

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Mensch werden – erfüllt leben: eine Buchempfehlung

16.5.2020 | Spiritualität und Exerzitien

In den Lehrgängen und Exerzitien im Bereich Spiritualität und Exerzitien im Kardinal König Haus ist es uns ein großes Anliegen, dass die Teilnehmer*innen menschlich und geistlich wachsen. Wie schaut das aus, wenn Menschen psychologisch und geistlich reif werden?

Basierend auf der Spiritualität des Ignatius von Loyola entfaltet der Autor in vier Kapiteln Wege und Kriterien für eine stimmige, liebevolle, kreative und vertrauende Lebensweise. Dabei ist immer der ganze Mensch im Blick: seine anthropologische, psychologische und spirituelle Dimension.

In lebensnaher und lebendiger Sprache wird der Leser zu größerer Selbsterkenntnis geführt. Die klare Darstellung und Übungen wecken Freude daran, sich auf den Weg zu einem erfüllten Leben zu machen.

Autor: P. Josef Maureder ist Jesuit und Priester, Psychotherapeut und Referent in Ausbildungskursen. Seit 2015 leitet er den Bereich Spiritualität und Exerzitien im Kardinal König Haus in Wien.

Mensch werden – erfüllt leben
96 Seiten
11 x 19 cm. Gebunden.
€ 9,90 (D) / € 10,20 (A)
ISBN 978-3-429-02936-4
Reihe „Ignatianische Impulse“,
hrsg. von Stefan Kiechle SJ und Willi Lambert SJ, Band 23;
4. Auflage 2020

Weitere Veröffentlichungen des Autors:
Wir kommen, wohin wir schauen, Berufung leben heute, Tyrolia, 4. Auflage 2007.

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Bienenfleiß im Kardinal König Haus

15.5.2020 | Seminarzentrum

Während uns Corona gerade vor neue Herausforderungen stellt, arbeiten unzählige Mitarbeiter*innen im Garten des Kardinal König Hauses unbeirrt weiter und tragen zum Genuss von Feinschmecker*innen verlässlich bei. Natürlich sind damit die fleißigen Bienen gemeint, die ohne Flugbeschränkung emsig sammeln und damit nicht nur für den Frühstückshonig im Kardinal König Haus sorgen.

Ein Bericht von Freizeitimker Thomas Krumpholz:

Für mich als Trainer in der ASOM war es eine große Freude, dass ich vor vielen Jahren meine ersten Bienenstöcke im Garten des KKH aufstellen durfte

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(Danke, Christian Marte!). Inzwischen sind es über 10 Völker, die ich mit meinem Sohn Simon in einer schönen, etwas versteckten Gartenecke (hinter dem Parkplatz) betreue.

In diesem Gartenteil wurde im Vorjahr eine Menge neuer Blütensträucher gepflanzt (Danke, Katrin Hopfgartner!), über die sich die Bienen – und hoffentlich auch die Gäste – sehr freuen werden. Natürlich braucht die Natur etwas Zeit, bis daraus dichtes Blühgehölz wird. Ein Abstecher in diesen abgelegenen Gartenteil – wo auch eine Blumenwiese entsteht – ist auch jetzt schon interessant.

Ein kleiner „Trampelpfad“ führt direkt zu den Bienenstöcken, langsam (!) kann man sich den Bienenstöcken gefahrlos auf einige Meter nähern. Wer das Wegfliegen und Ankommen der Bienen beobachten möchte, kann auch von der Seite kommen und sich ein Bild machen. Wir achten durch Auslese darauf, dass unsere Bienen sanftmütig und friedfertig sind.

Das hat auch mit den guten Bedingungen für die Bienen rund um das KKH zu tun. In der Umgebung gibt es das ganze Jahr ausreichend „Futter“ für die Bienen, wir Imker sagen „Tracht“ dazu. Das ist für die Entwicklung der Bienenvölker und für den Honigertrag wichtig. Wir ernten 3-4-mal pro Jahr kleine Mengen – auch um ganz unterschiedlich schmeckenden Honig zu bekommen.

Gerade jetzt, Ende April, haben wir den ersten Frühlingshonig geerntet. Die Frühlingsblumen und Obstbäume wie Kirsche, Marille und Apfel machen ihn hell, lieblich und duftig. Der später vor der Sommersonnenwende geerntete Honig - Kastanie und Linde sind dabei - ist etwas dunkler und kann etwas herb schmecken. Den Sommerhonig gibt es ab Mitte September, er ist noch dunkler, kräftiger und beinhaltet manchmal einen Teil Waldhonig. Und jedes Glas schmeckt anders!

Unser Honig ist nach der Öffnung wieder an der Rezeption im KKH erhältlich (Leere Gläser werden dort auch wieder gerne zurückgenommen).  Nicht immer ist alles verfügbar, weil wir ja nur eine kleine Imkerei betreiben. Aber Nachschub kommt meistens innerhalb kurzer Zeit.

Noch ein Wort zum Honig: unser Honig kristallisiert bald, er wird also „fest“ - und das ist ein gutes Zeichen, denn das macht nur naturbelassener, unbehandelter Honig. Wer will, kann ihn bei 40° wieder flüssig machen. Wem das zu aufwändig ist, der sollte Cremehonig probieren, bei dem die Honig-Kristalle fein zerrieben sind. Er ist weder fest noch flüssig, und schmeckt hervorragend.

Aus dem Hobby ist inzwischen eine richtige Freizeitbeschäftigung geworden. Aber die Mühe lohnt sich, auch für die Obstbäume und Gartenpflanzen in der Umgebung, die verlässlich bestäubt werden und besseren Ertrag bringen. Jedenfalls  Danke an alle Jesuiten (allen voran P. Friedrich Prassl), dass wir und unsere Bienen hier sein dürfen!

Thomas Krumpholz
0699-10002940
tk@coop3.at

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Herzlichen Glückwunsch!

11.5.2020 | Ordensentwicklung

Sr. Christine Rod MC, ehemalige Leiterin des Bereichs Ordensentwicklung, hat ihr Amt als Generalsekretärin der Ordensgemeinschaften mit Anfang Mai angetreten. Wir wünschen ihr Inspiration und Kraft für die neue Aufgabe! Wir freuen uns, dass sie dem Kardinal König Haus als Referentin weiterhin verbunden bleibt.

Weitere Informationen finden Sie hier: https://ordensgemeinschaften.at/artikel/aktuelles-side/5557-oesterreichische-ordenskonferenz-begruesst-neue-generalsekretaerin

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Neue Leiterin der ASOM ab 1.9.2020

30.4.2020 | Akademie für Sozialmanagement

Wir freuen uns, dass Andrea Udl ab 1.9.2020 die Leitung der Akademie für Sozialmanagement übernehmen wird!

Wie bereits angekündigt wird Johannes Jurka sich mit diesem Schuljahr aus der ASOM Leitung zurückziehen, um sich als Psychotherapeut, Coach und Berater selbstständig zu machen. Ab Mai wird es eine Einarbeitungsphase und strukturierte Übergabe geben.

Andrea Udl ist seit 2016 Teil des Trainer*innenteams an der ASOM, seit 2017 auch als Leiterin eines Lehrgangs. Ihre Trainings- und Coachingarbeit ist von großer Direktheit, Lebendigkeit und Kreativität geprägt, inhaltliche Schwerpunkte sind der bewusste Umgang mit Macht- und Hierarchieverhältnissen und die Frage nach einer bewussten Lebens- und Weltgestaltung.

Ein Kurzportrait von Andrea Udl können Sie hier finden: www.asom.at/ueber-uns/team/neue-asom-leitung-ab-september-2020

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NEU: Vertiefungstag online von zu Hause aus möglich

© Sr. Sieglinde Schneider CJ

30.4.2020 | Spiritualität und Exerzitien

„Als die Jünger aus Furcht …bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte…“ (Joh 20,19)

Für den 09.05.2020 haben wir wieder einen Vertiefungstag geplant. Da dies aufgrund der Corona-Krise noch nicht im Kardinal-König-Haus möglich sein wird, wollen wir das Angebot online für zu Hause anbieten.

Wie können Sie sich das vorstellen?

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  • Impulse und Unterlagen kommen per E-Mail und online per Zoom zu Ihnen
  • Am Anfang und am Ende gibt es einen Online-Teil (Ankommrunde – Impuls zu österlichem Bibeltext – Körpergebet).
  • Dazwischen sind persönliche Meditationszeiten bei sich zu Hause (offline). In der stillen Zeit kann die je eigene Gebetsweise gewählt werden: mit einem Bibelwort oder mit dem Jesus-Gebet.
  • Zeitrahmen: 14:00 – 18.00 Uhr
  • Leitung und Begleitung: Sr. Christa Huber CJ

Ist das etwas für Sie?

Lassen Sie sich mit uns auf dieses neue Format des Vertiefungstags ein! Anmelden können Sie sich bis 6.5.2020, alle Informationen und Anmeldemöglichkeit finden Sie hier: www.kardinal-koenig-haus.at?va=28326

© Sr. Sieglinde Schneider CJ

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Zimmer frei

27.4.2020 | Seminarzentrum

Suchen Sie ein ruhiges Zimmer als Home Office? Haben Sie ein dringendes Wohnbedürfnis, z.B. als Schlüsselarbeitskraft? Wollen Sie Ihre Gesangsübungen lieber nicht den Nachbar*innen zumuten?

Aufgrund der derzeitigen Situation stehen unsere Gästezimmer leider frei. Bei Interesse kontaktieren Sie bitte Katrin Hopfgartner unter hopfgartner@kardinal-koenig-haus.at

Wir wünschen Ihnen weiter Gesundheit, Kraft und Zuversicht!

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Verbunden in Schweigen und Gebet

27.4.2020 | Spiritualität und Exerzitien

Der Meditationsraum im Kardinal König Haus ist leer. Aber – wir „treffen“ einander weiterhin jeden Mittwochabend, um gemeinsam zu schweigen und zu beten; räumlich getrennt, jede*r zu Hause, sind wir doch verbunden.

In „normalen“ Zeiten trifft sich unsere Gruppe wöchentlich zum Herzens-/Jesusgebet im Kardinal König Haus. Dieses Gebet ist eine besondere Tradition der Meditation. In der betrachtenden Gegenwart Gottes erfahren sich Menschen ganz bei sich und ganz bei Gott.

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Der Wunsch nach diesem gemeinsamen Beten entstand vor mehr als 10 Jahren nach einem Einführungsseminar. Am Beginn der Corona-Krise gaben einige den Anstoß, auch und besonders in dieser Zeit betend verbunden zu bleiben. So „treffen“ wir einander weiterhin jeden Mittwoch um 19.00 Uhr zum Schweigen und Beten. Wenn Sie sich uns anschließen wollen, wir freuen uns!

Worin liegt die Kraft dieses Gebets? Was trägt unsere Gruppe seit vielen Jahren?
Lesen Sie, was Teilnehmende antworten. Eine von uns stellt sogar ein Bilderbuch zum Thema online zur Verfügung.

Irmgard: Ich möchte sehr gerne dazu beitragen, dass das Gute in dieser Welt auch durch mich mehr wird. Dabei ist für mich das "Jesusgebet" eine wichtige Möglichkeit, auch in Zeiten wie diesen. "Dort wo zwei oder mehr in meinem Namen beieinander sind, da bin ich mitten unter ihnen". Ich glaube, dass es nicht so wichtig ist, ob wir uns körperlich und geistig oder einfach nur geistig  miteinander im Gebet zusammen kommen. Wir bleiben weiterhin miteinander in Verbindung.

Lotte: Ich habe in der dreiwöchigen Quarantäne sehr viel Zeit zum Nachdenken und Beten gehabt und festgestellt, dass diese noch nie vorher erlebte Situation auch zu einer unerwarteten Bereicherung meines Lebens geführt hat. Ich bin mir bewusst geworden, was letztendlich wirklich wichtig für mich in meinem Leben ist und dass Beten und Meditieren eine Quelle der Hoffnung und Zuversicht in diesen unsicheren Zeiten ist. Dabei das Gefühl zu haben, dass ich – wenn auch räumlich getrennt – so doch in Verbundenheit mit allen anderen Teilnehmer*innen des Jesusgebetes bin, hat mir ein Stück Normalität des „alten Beisammenseins“ gebracht und damit Kraft und Hoffnung, dass wir auch diese schwere Zeit gut hinter uns bringen!

Uli: Unser gemeinsames Sitzen im Schweigen, in der Verbundenheit untereinander und im Dasein vor Gott schätze ich sehr! Ich übe es seit langer Zeit zuhause und bemerke, wie hilfreich die Gruppe – als größeres Gefäß – für mich als Einzelne ist.
Wenn wir jetzt in Zeiten von Corona bemerken, dass das stillere Leben, die heruntergefahrene Aktivität, uns mehr nach innen wendet, so ist auch das eine Form von Stilleübung, die es lohnt ins Leben einzubauen. 1x am Tag zuhause, 1x in der Woche mit euch (der Gruppe) und einmal im Jahr eine Woche Stille sind mir ganz wichtig geworden und nähren mein aktives Leben. Ich bin dankbar für euer aller Mittun!

Veronica: Das Jesus-Gebet begleitet und trägt mein Leben. Es ermöglicht mir, mich in jeder Situation auf Gott auszurichten; nicht nur in den expliziten Gebetszeiten,  beim Aufwachen und Einschlafen, im Bus und auf dem Fahrrad, während eines Gespräches, ... Durch die Übung hat sich der Name mit dem Atem verbunden. So kommt er oft von selber - und erinnert mich so an die Gegenwart Gottes. Ich mache die Erfahrung, dass ich mich mit Menschen, die ähnlich beten, besonders verbunden fühle, so auch mit meiner Gebetsgruppe im Kardinal König Haus.
Weil mir durch das Jesusgebet so viel Freude und Heilung geschenkt wurde, möchte ich es auch weiter geben. Ich bin dankbar, dass ich dafür im Moment dieses Buch online zur Verfügung stellen kann: Das Jesus-Gebet für Anfänger*innen und Liebhaber*innen

Wir laden Sie auch herzlich zu einem ONLINE Vertiefungstag am 9.5. von 14.00 bis 18.00 Uhr ein, Info und Anmeldung: www.kardinal-koenig-haus.at?va=28326

Christine Schmidl

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Lehrgang Religionskompetenz: Living Books Judentum

24.4.2020 | Gesellschaft im Dialog

Der Kompaktlehrgang Religionskompetenz in der Migrationsgesellschaft im Kardinal König Haus will einen konstruktiven Umgang mit religiöser Vielfalt in Beruf und Gesellschaft fördern. Wissen, Reflexion und Handlungsfähigkeit werden dafür auf- und ausgebaut.

Inspirierender Teil des Lehrgangs sind die „Living Books“: In Interviews mit Vertreter*innen von Judentum, Christentum und Islam erfahren wir mehr über ihre Religionen und wichtige Sichtweisen.
Hier ein Einblick in das Gespräch von Katharina Novy mit Awi Blumenfeld und Shoshana Duizend-Jensen aus dem Dezember 2019 (Regie und Schnitt: Magdalena Schauer):

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Lehrgang Religionskompetenz: Living Books Judentum

Video Lehrgang Religionskompetenz: Living Books Judentum auf YouTube aufrufen
Lehrgang Religionskompetenz: Living Books Judentum

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Der nächste Lehrgang startet am 5.11.2020, alle Informationen und Anmeldung: www.kardinal-koenig-haus.at?va=29389

PDF-Datei: Folder Lehrgang Religionskompetenz Herbst 2020

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Anmeldung verlängert: Lehrgang Verantwortung in religiösen Gemeinschaften

23.4.2020 | Ordensentwicklung

„Durch den Lehrgang ist mir der Druck genommen in der Leitungsfunktion… Ich fühle mich freier und leite manchmal sogar lustvoll.“ Das ist eine Stimme vom Abschluss des letzten Lehrgangs Verantwortung in religiösen Gemeinschaften.

Der Start des nächsten Lehrgangs musste aufgrund der Corona-Krise auf Ende Juni verschoben werden. Daher ist eine Anmeldung weiterhin möglich. Es gibt noch 2 freie Plätze für Ordensleute in Leitungsaufgaben oder solche, die in der Zukunft solche wahrnehmen werden. Der erste Lehrgangsblock wird als Webinar angeboten.

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Möchten Sie: Reflektieren, um Entwicklungen verstehen zu können; Bewährtes weiterentwickeln, um zeitgemäß zu bleiben; Führungswerkszeug erweitern, um angemessen agieren und reagieren zu können; größer denken, um sicherer Entscheidungen treffen zu können; Kommunizieren üben, um feiner das Richtige zu sagen; Sorgen und Hoffnungen teilen, um Gleichgesinnte zu finden; einander ermutigen, um dran zu bleiben – das und noch viel mehr sind Themen und Ziele des Lehrgangs.

Information und Anmeldung zum nächsten Lehrgang: www.kardinal-koenig-haus.at?va=26263

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Aktuelles Angebot in der Corona-Krise: Philosophisches Online-Coaching

14.4.2020 | Hospiz, Palliative Care & Demenz

Im Gegensatz zu anderen Formen ist philosophisches Coaching nicht dazu da, unmittelbare Lebens- oder Berufsprobleme zu lösen, therapeutisch zu begleiten oder die eigenen Sorgen loszuwerden.

Im philosophischen Gespräch geht es vielmehr darum, das Erlebte auf die allgemeinen existenziellen und gesellschaftlichen Themen hin zu ergründen, weiter reichende Widersprüche und Spannungsfelder auszuloten – um schließlich eine Haltung oder Positionierung dazu zu entwickeln. Sokrates sprach vom „geprüften Leben“.

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Gerade eine Krise, die primär Handlung und Reaktion auslöst und braucht, verlangt auch nach begleitendem Denken und nach „Debatte“. Wenn wir irgendwann nicht vom Selbstlauf der Dinge oder einseitigen Systemlogiken beherrscht werden wollen. Wenn das persönliche und berufliche Ethos, Demokratie und Verantwortung für sich und andere aufgerichtet bleiben sollen.

Patrick Schuchter hat hier in Lehre, in Projekten und zahlreichen Gesprächen und Workshops eine philosophische Methodik entwickelt – insbesondere für Menschen in Care-Berufen.

Als Bildungsanbieter ist es unsere Aufgabe, Angebote in den Raum zu stellen für jene, die in der Krise die konkrete Sorge-Arbeit erbringen. Vielleicht ist gerade ein philosophisches Gespräch „zwischendurch“ für den einen oder die andere hilfreich oder relevant, sei es als „Kurzinspiration“ oder als gründlicheres Überdenken.

Wir bieten der dies in der „Corona-Zeit“ sozusagen zum „Kurzarbeits-Preis“ an: € 35,- / Stunde.

Anfragen schicken Sie bitte direkt an schuchter@kardinal-koenig-haus.at – wir finden dann eine Variante (vom einfachen Telefonat über ein Videogespräch hin zum E-Mail-Austausch oder eine Kombination davon).

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"Sprechen wir über Gewalt" – ein ausgezeichnetes Projekt einer ASOM-Absolventin

14.4.2020 | Akademie für Sozialmanagement

Doris Bayerl hat Grund zu feiern – und wir gratulieren der ASOM-Absolventin und ihrem Team sehr herzlich!

„Sprechen wir über Gewalt – Gewalt ist für uns EIN Thema“ – so der Titel des Projekts zur Gewaltprävention, das sie im Pflege- und Betreuungszentrum Wilhelmsburg umgesetzt hat.

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Die Ausübung von Macht und Gewalt in der Langzeitpflege hat in ihrer Erfahrung viele Gesichter, doch eine Unternehmenskultur, die Handlungen und Kommunikation offen und ehrlich hinterfragt, kann diese identifizieren und verringern. Wie kann ein Gewaltpräventionskonzept langfristig wirksam werden? Welche strukturellen Faktoren gibt es zu beachten? Mehr über das Projekt können Sie hier lesen: www.sozialmanagement.at/lehrgaenge/management-sozialer-innovationen-/innovationsprojekte

Das Projekt erarbeitete sie im Rahmen des Studiums „Management sozialer Innovationen“ an der ASOM – für die gute Umsetzung wurde es mit dem TELEIOS 2019 ausgezeichnet, dem Preis für Innovation, Qualität und Nachhaltigkeit in der Altenpflege in der Kategorie „Führung“. Doch natürlich geht es auch heuer noch weiter: „Das Projekt ist uns ein ständiger Begleiter – Gewaltprävention darf niemals enden!“

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Stille Momente mit der Bibel

14.4.2020 | Spiritualität und Exerzitien

Zur jährlich stattfindenden Abendreihe sind auch heuer im Jänner und Februar Interessierte ins Kardinal König Haus gekommen. Die zwei Stunden am Abend führen ein in die Meditation von Bibelworten. Nicht einfach theoretisch, sondern im eigenen Erleben. Manchmal bucht ein*e Teilnehmer*in noch die Übernachtung dazu und geht nach einem guten Frühstück wieder in den beruflichen Alltag.

Gibt es daraus vielleicht die eine oder andere Anregung für unseren jetzigen so ganz anderen Alltag?

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Drei Ideen:

  • Aufatmen und ankommen in der Gegenwart

Ich suche mir einen stillen Ort und eine gute, aufrechte Sitzhaltung.
Mich wahrnehmen: ich spüre wie ich mich niederlasse, spüre den Kontakt zum Stuhl, den festen Boden, der mich trägt… Ich nehme wahr…
Wie bin ich jetzt da, welche inneren Bewegungen sind in meinem Herzen da…
Ich erinnere mich an Gottes „Ich bin da – für dich…“Ich will mich für Gottes Gegenwart öffnen…

  • Ein Wort suchen, das mich jetzt gerade anspricht

Ich wähle mir einen Bibeltext aus, z.B. Psalm 23
Ich lese mir den Text langsam durch, evtl. halblaut, so dass ich den Klang der Worte höre.
Welches Bild, welches Wort spricht mich heute an…
Wo bin ich eingeladen zu bleiben…

Oder nochmals eine andere Form:

  • Den Raum der Bibel betreten

Johannes-Evangelium 11, 17-44: Die Auferweckung des Lazarus
Ich lese mir den Text durch. Dann stelle ich mir die Szenen räumlich vor. Ich wähle drei markante Orte, an denen sich das Geschehen verdichtet:

- Das Haus in Betanien, in dem Maria und Marta wohnen, die Besucher*innen, die zum Trösten dorthin gekommen sind (V. 19)
- Marta ging Jesus entgegen, der Ort, wo sie sich begegnen und das Gespräch, das sie dort führen (V. 20-27), auch Maria kommt dorthin (V. 32-37)
- Der Ort, wo das Grab des Lazarus ist (V. 38-44)

In dem Zimmer, in dem ich mich befinde, wähle ich drei Orte dafür aus.
Ich stelle mich dort hin, lese mir dort die Verse durch und stelle es mir vor.
Ich spüre den Empfindungen der Menschen nach…
Ich nehme mir Zeit für jeden der drei Orte und nehme in mir selbst wahr, was ich an diesem Ort erfahre, welche Resonanz in mir spürbar wird…
Welches ist „mein Ort“, wo möchte ich noch eine Weile bleiben…
Was spricht in mein eigenes Leben hinein…

Oder auch:

Das Wort Jesu hören: „Lazarus, komm heraus!“
Ins Leben hinein gerufen werden.
Wo gibt es eine ähnliche Sehnsucht in mir:

Komm heraus – aus….
- Komm heraus – aus deinen Sorgen…
- Komm heraus – aus deiner Enge…
- Komm heraus – aus Gedanken, die dich verwirren…
- aus der Bedrückung…
- aus der Entmutigung…
- aus der Hoffnungslosigkeit…
- Aus…

Ich lasse mich von Jesus rufen, höre, wie er meinen Namen ruft „NN., komm heraus…“

Christa Huber CJ

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Gesegnete Ostern 2020

12.4.2020 | Gruß des Direktors

„Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ (Joh 11,25)

Das Bild und der Gedanke der Auferstehung sind in dieser Zeit in mir sehr lebendig. In unzähligen Facetten, die nicht immer gleich ein konturenreiches Ganzes ergeben, hat Auferstehung für mich zu tun mit einfachem Aufstehen, sich aufrichten, sich ausrichten, innerlich und äußerlich lebendiger werden, farbenfroher, fröhlicher, hoffnungsvoller – und das zu jeder Zeit meines Lebens. Auferstehung ist ein Dauerauftrag „in Gedanken, Worten und Werken“ – gerade in dieser schwierigen und belastenden Zeit.

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In unglaublich kurzer Zeit hat sich unser aller Lebensrhythmus dramatisch verändert. Mir ist bewusst, dass jetzt viele Menschen einen steinigen Weg des unfreiwilligen Verzichts auf vertraute Lebensgewohnheiten, des Leids, der finanziellen und existenziellen Sorge gehen. Die Überforderung der Schulerziehung, die Herausforderung der sozialen Distanz zu unseren Nächsten, das Alleinsein von älteren Menschen, die Einschränkungen in unseren Freiheiten und Konsumgewohnheiten und vieles mehr stellen eine ständige Belastung da. Auch dabei ist mir das Bild der Auferstehung vor Augen – als ein weiter Horizont. Auferstehung geschieht immer wieder – oft in den unscheinbaren, wenig beachteten Momenten des Alltags. Eine aufmerksame Geste, ein kurzer Anruf, eine ehrliche Mitteilung, ein hoffnungsvolles Lächeln, ein rücksichtsvolles Verhalten, ein zurückhaltendes Schweigen, ein wohlwollendes Wort der Aufmunterung, ein verständnisvolles Zustimmen, ein Dank – in all dem erkenne ich diese Auferstehung zum Leben. Es geht dabei nicht bloß um ein „Überleben“ in einer schwierigen Zeit. Es geht vielmehr in aller Erfahrung des Loslassens von scheinbarer vertrauter Sicherheit darum, auf das zu achten, was Leben ausmacht und Leben ermöglicht – was unserem Leben Sinn gibt.

Ich bin in diesen Tagen vielen Menschen dankbar, die im not-wendigen beruflichen, familiären und nachbarschaftlichen Alltag bereit sind, für Mitmenschen in unserer Gesellschaft da zu sein. Ich denke voll Dankbarkeit an Menschen, besonders in Gesundheits- und Pflegeberufen, die in Solidarität mit ihren Nächsten und mit erkrankten Menschen ihre eigene Freiheit einschränken und so zu Lebensrettern werden. Mit Worten von Viktor Frankl:

„Auf jeden einzelnen und auf jeden Tag kommt es an, wenn die Nöte unserer Zeit überwunden werden sollen. Und dazu brauchen wir nicht so sehr neue Programme, sondern eine neue Menschlichkeit.“ (Viktor E. Frankl)

Dieses selbstlose Mit- und Füreinander im Kreis unserer Mitmenschen und den Glauben daran, dass auch Gott uns immer wieder neues Leben und Auferstehung schenkt und dazu mitten im Leben ermutigt, das wünsche ich uns allen von Herzen im Blick auf das Osterfest. Mitten in den strengen Einschränkungen unseres Alltags, der sich wahrscheinlich für zu viele von uns eher wie ein verlängerter Karfreitag anfühlt, wünsche ich ein gesegnetes Fest der Auferstehung im engsten Kreis der Familie, und doch auf besondere Weise verbunden mit vielen Menschen und mit Gott. Im Blick voraus auf Pfingsten wünsche ich besonders in dieser Zeit schon jetzt Gottes belebenden Geist, der uns immer wieder neu Mut und Hoffnung schenken will.

In herzlicher Verbundenheit wünsche ich im Namen aller Mitarbeiter*innen des Kardinal König Hauses eine gesegnete Osterzeit mit vielen Auferstehungserfahrungen, einen „langen Atem“ und vor allem gute Gesundheit. Bleiben Sie bitte mit uns verbunden!

P. Friedrich Prassl SJ

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Hilfreruf unseres Projektpartners in Satu Mare

9.4.2020 | Gesellschaft im Dialog

Mitte April wären ein paar Vertreter*innen des Kardinal König Hauses nach Rumänien gefahren, zur deutschsprachigen Caritas von Satu Mare. Gemeinsam sind wir nämlich Teil eines Erasmus+ Projektes zu Bildung zur Stärkung von gesellschaftlichem Zusammenhalt. Mit dabei: die Caritas von Hradec Kralovec (CZ), Bozen-Brixen (I) und Köln (D). Der Besuch fällt nun erstmal flach. Von unserem langjährigen Projektpartner in Satu Mare erreicht uns aber ein Hilferuf, hier ein Ausschnitt:

„Besonders betroffen (durch die Maßnahmen gegen Corona) sind soziale Randgruppen, darunter viele Roma Gemeinden.

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Ihre Einkommensmöglichkeiten, wie zum Beispiel Gelegenheitsarbeit (Bau, Landwirtschaft) oder Handel mit Second-Hand-Ware, existieren seit der Einführung der Maßnahmen der Regierung kaum mehr. Dies trifft jetzt, zu Frühlingsbeginn, besonders hart. Die Reserven wurden über den Winter aufgebraucht und eigentlich sollten jetzt wieder vermehrt Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Gleichzeitig haben diese Menschen, da sie ja auch bisher nicht legal gearbeitet haben, kein Recht auf staatliche Unterstützungen wie Arbeitslosengeld.

Um die Situation noch schlimmer zu machen, wurden auch die meisten Sozialdienste für Menschen dieser Bevölkerungsgruppen eingestellt. So erhalten zum Beispiel Kinder, die bisher Tageszentren besucht haben und dort täglich gegessen haben, heute gar nichts mehr. …

Um die drängendsten materiellen Probleme der Familien zumindest zu lindern, sollen an die Familien der Kinder, die sonst in den Tageszentren zu essen bekommen, Hilfspakete verteilt werden. Diese Pakete werden Lebensmittel, Hygienematerialien (Seife und Waschmittel) und Informationsmaterialien zur Coronavirus-Epidemie enthalten. Der genaue Inhalt wird auf die Bedürfnisse der Familien (die in den Gesprächen online/per Telefon erhoben werden) abgestimmt. Geplant ist die Vorbereitung von 800 Paketen im Wert von jeweils 25€. Mehrfache Verteilungen sind möglich.“

Wenn Sie das aktuelle Leid durch Hilfspakete lindern wollen:

Asociatia Organizatia Caritas a Diecezei Satu Mare
IBAN: RO81RNCB0221011282140080
BIC: RNCBROBU
Banca Comerciala Romania S.A.
Satu Mare, P-TA 25 Octombrie Bloc T4-T6

Informationen zur Arbeit der Caritas der Diözese Satu Mare finden Sie auf deren Website (in rumänisch/ungarisch) und Facebook-Seite (mit Übersetzungsmöglichkeit).

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Geflüchtete vor Corona schützen!

3.4.2020 | Gesellschaft im Dialog

Die Flüchtlingslager an den EU-Außengrenzen dürfen nicht in Vergessenheit geraten, die Menschen dort müssen vor den mit dem Corona-Virus drohenden Gefahren in den Lagern in Sicherheit gebracht werden solange das noch möglich ist. 300 NGOs haben sich daher europaweit zu einem Appell zusammengeschlossen. Das Kardinal König Haus hat unterschrieben, unterstützen auch Sie die Petition!

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Mehr zur Situation auf Lesbos:
Nina Zuckerstätter, Mitarbeiterin des Kardinal König Hauses, war im Februar auf Lesbos und hat die katastrophalen Zustände im Flüchtlingslager Moria hautnah erlebt und dokumentiert. Ein Corona-Ausbruch kann dort für sehr viele Menschen tödliche Folgen haben: Es gibt kaum fließendes Wasser, keine Seife oder Desinfektionsmittel und bei weitem nicht genug Platz, um Abstand zu anderen Menschen einzuhalten – und viele Menschen sind aufgrund der beschämenden Zustände bereits in schlechtem gesundheitlichem Zustand.

In der Sendung  "Orientierung" auf ORF2 wurde auf Initiative von Nina Zuckerstätter darüber berichtet, den Bericht können Sie bis 7.4. ansehen: tvthek.orf.at/profile/Orientierung/1366/Orientierung/14046404

Aktuelle Informationen und Möglichkeiten zur Unterstützung finden Sie auch unter http://chng.it/bbJgXjrpYc

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Webinar: Wählen mit kognitiver Einschränkung im Orden

3.4.2020 | Ordensentwicklung

Bildung geht weiter – auch unter den stark veränderten Bedingungen! Als Zentrum der Erwachsenenbildung wollen wir nicht einfach alle unsere Veranstaltungen absagen, sondern wir sind aktuell darum bemüht, ausgewählte Seminare und Lehrgänge in digitaler Form anzubieten. Wir sehen darin eine Chance, neue Wege von Bildung zu erkunden und weiterzuentwickeln.
Den Auftakt im Bereich Ordensentwicklung macht das Tagesseminar zum Thema Wahlen am 21. April 2020, 10-17 Uhr: Wählen mit kognitiver Einschränkung – Rechtslage und praktische Umsetzung im Orden

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Was im Kardinal König Haus wahrscheinlich nur für einen kleinen Einzugsbereich attraktiv gewesen wäre, kann als Webinar (Seminar im Internet mit Interaktion) nun für den gesamten deutschen Sprachraum geöffnet werden. Herzliche Einladung!
Für die Teilnahme benötigen Sie lediglich eine stabile Internetverbindung auf Ihrem Computer oder Laptop. Nähere Informationen zum Thema finden Sie über den Link ganz unten. Bitte melden Sie sich bei Interesse rasch an, spätestens bis Mittwoch in der Karwoche, 8. April!

Auch wenn derzeit viele kulturelle Veranstaltungen kostenfrei angeboten werden, bitten wir Sie, den regulären Teilnahmebeitrag zu bezahlen, da Entwicklung und Durchführung nicht weniger aufwendig sind als im klassischen Seminarraum.
Ich freue mich auf diesen Seminartag mit Ihnen und den Austausch zu diesem weiterhin aktuellen Thema!

Sr. Ruth Pucher MC, Leiterin des Bereichs Ordensentwicklung

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Religiöse Praxis in Corona-Zeit

2.4.2020 | Spiritualität und Exerzitien

P. Josef Maureder SJ gibt in einem Interview Anregung und Ermutigung, wie Umkehr, Buße und Versöhnung jetzt im persönlichen Leben einen Ausdruck finden können.

Welche Bedeutung und Praxis kann das Sakrament der Versöhnung in der Corona-Zeit haben?

Da es im Glaubensleben immer um das Wachsen in der Gottesbeziehung geht und darum, liebesfähiger auf andere hin zu werden, ist es jederzeit gut, das ausräumen zu lassen, was diese Beziehungen und Liebe stört. Darum sind Umkehr, Versöhnung und Neuwerden so wichtig für die Fastenzeit.

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Die Corona-Krise erinnert uns daran, dass wir trotz Wissenschaft und vieler medizinischer Errungenschaften das Leben nicht in der Hand haben. Unsere Endlichkeit wird uns neu bewusst. Das kann uns auch wacher machen für jene Aspekte unseres Lebens, die für uns wirklich bedeutsam sind und vor Gott ewiges Gewicht haben.

Das Corona-Virus ist auch eine Chance, das persönliche (und hoffentlich auch gesellschaftliche) Leben zu befragen, zu verändern, zu erneuern. Auch deshalb darf in dieser kritischen Zeit dem Thema Umkehr, Beichte und Neubeginn besondere Bedeutung zukommen. 

Bis Ostern scheint ein Empfang des Bußsakraments nicht möglich zu werden. Wie können wir dennoch vor Ostern Versöhnung feiern?

Es gibt doch ganz verschiedene Weisen, Gottes Erbarmen zu erbitten und die Verzeihung der Sünden zu erlangen! So etwa, wenn wir im persönlichen Gebet Gott um Verzeihung und Erneuerung bitten. Bei einer tiefgreifenden Reue (früher sagte man eine „vollkommene Reue“) dürfen wir unmittelbar mit der Vergebung der Sünden rechnen.

Eine ganz persönliche Versöhnungs-Feier könnte jede*r für sich in dieser Corona-Zeit vor Ostern noch gestalten. Dabei empfehle ich Elemente wie die Erzählung vom Barmherzigen Vater, der dem Sünder entgegenläuft und vor Freude ein großes Fest feiert, von der Ehebrecherin, die von Jesus nicht verurteilt wird, oder von Zachäus, der wieder gemeinschaftsfähig wird. Diese Begebenheiten aus dem Leben Jesu helfen, um die Barmherzigkeit Gottes zu erahnen. Wer gerne mit einem Psalm betet, kann dies mit Psalm 51 und am Ende der Feier mit Psalm 103 tun, in dem die Freude über die Vergebung Gottes zum Ausdruck kommt. Immer rate ich bei einer Feier der Versöhnung, zuerst dem Herrn zu sagen, wofür ich im Blick auf die letzte Zeit besonders dankbar bin. Dann erst bitte ich um Vergebung meiner Sünden und um seine Hilfe, wo auch immer ich sie besonders nötig habe. Was wäre das für eine wunderbare – stimmige und gültige! – Feier der Versöhnung mit Gott, mit anderen und mit sich selbst! Und wenn die Ausnahmesituation wieder vorbei ist, dann kann man später ausdrücklich zur Beichte gehen, so wie wir es sonst gewohnt sind.

Vielleicht noch ein anderer Akzent: Versöhnung mit Gott und sich selbst wird sehr konkret in der Versöhnung mit anderen. Dazu gibt es derzeit mehr Zeit und Gelegenheit als sonst: Daheim im „engeren Raum“, per Telefon oder auch im Kontakt über elektronische Medien. Danke sagen, um Vergebung bitten, neu anfangen, Liebe leben, warum nicht? Das Leben wird erfüllter und die konkrete Liebe deckt viele Sünden zu.

Warum eigentlich ist es nicht möglich, das Sakrament online zu spenden?

Eine spannende Frage! Zu jedem Sakrament gehört auch das äußere Zeichen, also nicht nur der innere Vollzug. Hier ist die Begegnung mit einem Du wichtig. Im Beichtsakrament ist dies der Priester. Vergeben kann ich mir nicht selber, das muss mir zugesagt werden. Auch ist der Priester – hoffentlich als Bruder und nicht als Richter – stellvertretend da für die ganze christliche Gemeinde. Versöhnung mit Gott ist zugleich Versöhnung mit anderen. All das wird zeichenhaft gelebt im Vollzug der Beichte. Sicher ist „Begegnung“ über elektronische Medien, also am Telefon oder virtuell, etwas anderes als im „realen Raum“. Aber ich wage zu fragen: Ist ein ehrliches und offenes Bekenntnis und Gespräch am Telefon oder über Skype weniger zeichenhaft als in einem dunklen Beichtstuhl, wo sich die beichtende Person und der Priester nicht einmal gut hören, geschweige denn sehen können?

Sicher braucht es auch den Schutz des Beichtgeheimnisses, der aber an manchen Orten (ich denke an Beichten in Italien oder Spanien) auch im Beichtstuhl oder Beichtzimmer kaum gegeben ist, wenn die nächste Person schon in der Nähe Platz genommen hat. Hier dürfen wir beweglich sein und der Gnade Gottes viele Türen öffnen. Wenn jemand anruft und es einen berechtigten Grund dafür gibt, würde nicht auch Jesus dieser Person die Vergebung zusagen? Wer bin ich, dass ich als Jünger Jesu diesen tiefen Wunsch nach Versöhnung verweigern sollte? Es muss Ausnahmen von der Regel geben dürfen und die gibt es auch. Aber nochmals: Versöhnung feiern kann ich besonders jetzt in dieser Krise auch auf eine andere Weise. Und wenn dann noch ein offenes Gespräch mit einem geistlichen Menschen geführt wird, über welche Kanäle auch immer, dann ist es eine wunderbare Vorbereitung auf das Osterfest!

P. Maureder ist Jesuit, Priester, Psychotherapeut und Leiter des Bereiches Spiritualität und Exerzitien im Kardinal König Haus. Dieses Interview führte Veronica Ilse vom Quo Vadis?, dem Zentrum der Ordensgemeinschaften für Begegnung und Berufung.

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Coronavirus (COVID-19):
Keine Veranstaltungen im Kardinal König Haus bis einschließlich 7. Juni!

4.5.2020, 8:30 Uhr

Als Bildungseinrichtung wollen wir einen verantwortungsvollen Beitrag leisten, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Daher werden im Kardinal König Haus von 13. März 2020 bis einschließlich 7. Juni 2020 keine Bildungsveranstaltungen stattfinden. Auch die Cafeteria ist nicht geöffnet.

Mit dieser Entscheidung tragen wir auch der Tatsache Rechnung, dass viele unserer Teilnehmenden mit vulnerablen Gruppen arbeiten. Sie werden nun in ihren Einrichtungen vermehrt gebraucht. Außerdem möchten wir Teilnehmende, die selbst  zu einer Risikogruppe gehören, schützen und von Entscheidungen über einen Kursbesuch entlasten.

Wo möglich, werden Veranstaltungen und Lehrgänge verschoben. Über Absagen und neue Termine werden angemeldete Personen umgehend von uns informiert. Es fallen keine Stornokosten für unsere Kurse an. Wir bitten um Geduld, wenn es hier gelegentlich zu Verzögerungen in der Abwicklung kommt.

Aktuelle Informationen finden Sie stets auf unserer Website

Bei Unklarheiten können Sie gerne bei uns nachfragen: rezeption@kardinal-koenig-haus.at
Wir danken für Ihr Verständnis und ersuchen Sie, auch Ihrerseits die Maßnahmen und Appelle unserer Regierung in Ihrem Alltag mitzutragen. 

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Mut zur Endlichkeit. Alter und Sterben in der Gesellschaft der Sieger

26.3.2020 | Hospiz, Palliative Care, Demenz

Fulbert Steffensky wäre im März als Referent für einige Veranstaltungen ins Kardinal König Haus gekommen – diese mussten aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Er hat uns aber dankenswerterweise seinen Vortrag zu "Mut zur Endlichkeit" zur Verfügung gestellt – ein umso aktuelleres Thema.
Den gesamten Text können Sie am Ende auch herunterladen.

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Die schwere Krankheit als Weltuntergang

Ein einfacher Sachverhalt: der Kranke liegt. Er ist auf einer anderen Ebene und teilt die Perspektive seiner Umwelt nicht mehr. Er schaut hoch, sie schauen herab. Er ist nicht mehr ebenbürtig. Dass er liegt und die anderen stehen, ist nicht nur eine unbedeutende Äußerlichkeit. Es gibt keine Äußerlichkeit, die nicht auch eine Inszenierung innerer Wichtigkeiten wäre.

Die Kranke ist Gegenstand der Sorge und der Besprechung. Sie wird für die Ärzte, sie wird vor allem für die Familie dauerndes Thema. Je gefährlicher die Krankheit ist, umso mehr wird sie eine Beredete. Unter der Beredung wird sie kleiner als sie ist: Kind. Sie wird älter als sie ist: Greisin. Die alten Intimitäten verschieben sich damit für die Kranke:  Freundschaften, Liebesbeziehungen, familiale Beziehungen verändern sich.

Die Geläufigkeiten sind zerbrochen. Sie steht nicht mehr um 7 auf, geht nicht mehr zur Arbeit, kauft sich an der Ecke keine Zeitung und sie trifft die Leute nicht mehr, die sie häufig getroffen hat. Der normale Alltag wird erträglich und sinnvoll durch ein absehbares Zeremoniell und einen einsichtigen Verlauf. Dieser Alltag ist für die Kranke zerbrochen. Sie ist vertrieben aus der formalen und normalen Welt, die sie versichert hat. Geläufigkeiten machen das Leben geläufig und einsichtig. Ungeläufigkeiten erzeugen Lebensängste. (Nur am Rande: der Zwang der Geläufigkeiten kann das Leben auch ersticken.)

Weil er krank ist, weil er anderen ein ständiges Thema ist und weil die Routine seines Lebens durchbrochen ist, wird er auf sich selbst geschleudert. Er kann nicht mehr von sich absehen und ist sich ständig gegenwärtig. Zum  Glück gehört die Fähigkeit, von sich selber abzusehen. Unglück bedeutet, sich selber jederzeit ein unerträglicher Gast zu sein. Die Welt entschwindet ihm: er kann sich nicht in ein Buch versenken. Er kann weniger Anteil nehmen am politischen Geschehen oder an den Vorgängen in seiner Familie. Er kann sich nicht in einen Gedanken verlieben. Er klebt ständig an sich selber und gerät in eine narzisstische Wahnwelt. Der Wahn, der darin besteht, in sich selber eingesperrt zu sein. Alle Gefahren scheinen größer als sie sind – oder kleiner. Alle Probleme scheinen größer als sie sind – oder kleiner. Er gerät in eine spukhafte Verlorenheit in sich selber. Er versteigt sich in zwanghafte Gedanken. Er steigert sich ins Nichts. Es gibt den Wahn auf Zeit: wenn einem Unrecht geschieht und man dem Hass nicht entkommt; wenn man unglücklich verliebt ist; wenn man schwer erkrankt, kann er ihn überfallen.

Zur Wahnsituation gehört der Deutungszwang. Man interpretiert alles: die Gesprächsfetzen, die man auffängt, die Mienen der Ärzte und der Angehörigen, den Besuch der Freunde. Alles hat einen geheimen Sinn, in alles liest sie Sinn hinein, in alles liest sie sich selbst hinein. Vor allem ist sie gezwungen, ihre Krankheit selbst zu lesen. Es muss doch eine Erklärung für sie geben, es muss doch einer schuld sein! Und leicht fällt man in die unglücklichste aller Erklärungen: Ich selbst bin schuld. Frauen fallen leichter als Männer in den Zwang der Selbstbeschuldigung.

Der Kranke hat – wie wir alle – es nur wenig gelernt, passiv zu sein. Der Kranke dieser Gesellschaft hat nur gelernt, der Welt im Aktionsmodus gegenüberzutreten, als Beherrscher, als Macher, als Bewältiger. War er früher für kurze Zeit krank, war die Krankheit die Feindin und Störerin. Man hatte Mittel gegen sie, und wenn diese nicht halfen, hat man schwerere Geschütze aufgefahren. Krankheit war Krieg. Im Krieg muss man siegen. Kann es glückende Niederlagen geben, wenn wir nur gelernt haben, der Welt als Macher, als Starker, als Sieger gegenüberzutreten? Niederlagen, Wunden und schließlich der Tod sind dann nur Orte dramatischer Sinnlosigkeit. Sie haben keine Nachricht für die Sieger. In Christa Wolfs „Kassandra“ weissagt die Seherin: „Wenn ihr aufhören könnt zu siegen, wird diese eure Stadt bestehen.“ Sie fährt fort: „Ich weiß von keinem Sieger, der es konnte.“ Und dann mit letzter Hoffnung: „So mag es, in der Zukunft, Menschen geben, die ihren Sieg in Leben umzuwandeln wissen.“ Wir haben die pathischen Tugenden verlernt – die Langsamkeit, die Geduld, das Warten und Ausharren, das Lassen, die Gelassenheit, die Ergebung, die Demut. Wer der Welt nur im Aktionsmodus gegenübertritt, dem kann keine Niederlage glücken.

Der Schwerkranke ist der Zukunft nicht mehr gewiss. Zur Lebensgewissheit gehört es, mit Zeit rechnen zu können, also ohne Panik das Morgen, das Übermorgen und das nächste Jahr denken zu können. Wo die Selbstverständlichkeiten des Lebens gestört sind, da kommen die Zeitbegriffe durcheinander. Wir kennen dies bei Menschen, die in materieller Unversorgtheit leben: sie können nur schwer mit der Zeit rechnen. Sie sind zur Heutigkeit verdammt, weil das Morgen ihnen schwarz und ungewiss erscheint. Zur Hoffnung des Menschen gehört die Fähigkeit ohne Angst Morgen und Übermorgen sagen zu können. Der Schwerkranke weiß oder phantasiert die äußerste Befristung des Lebens. Selbst in der Verdrängung der möglichen Nähe des Todes weiß seine Seele um die karge Lebensfrist.

Eine der Grundängste in der Krankheit: der Kranke fällt möglicherweise aus seiner materiellen Sicherung, er verarmt oder er hat Angst zu verarmen. Krankheit und Armut ist ein unerschöpfliches Thema.

Man könnte alle diese Momente des Untergangs der alten Welt des Kranken in einem Satz zusammenfassen: Der Kranke vereinsamt, er ist allein, auch wenn er noch so viele Besucher hat. Die Alten haben gesagt: Vae Soli! Wehe dem, der allein ist!

Die Krankheit als Chance

„Pathos – Mathos“ haben die Griechen gesagt – Leiden ist Lernen. Wenn es so leicht wäre! Was kann ich vom Leiden lernen? Sind nicht die Katastrophen die schlechtesten Lehrmeister? Dankbarkeit ist das erste, was ein Mensch lernen kann, der einer schweren Krankheit entronnen ist. Dankbarkeit ist eine Grundfähigkeit, die uns lehrt, das Leben zu lieben. Ich erzähle eine persönliche Geschichte. Etwa 10 Jahre vor ihrem Tod hatte meine Frau einen großen und dramatischen Zusammenbruch. Wir haben Wochen um ihr Leben gebangt. Dann erholte sie sich, langsam und vollständig. Sie und wir haben gelernt, dass das Leben Frist ist. Und dies gab unserem Leben eine neue Intensität. Wir lernten die Selbstverständlichkeiten des Lebens  als große Gaben zu schätzen. Dass ein neuer Morgen kam, war nicht mehr selbstverständlich, das Lachen unserer Enkel und dass wir zusammen weiter leben durften, war nicht mehr selbstverständlich. Der Alltag hatte einen neuen Glanz. Wir haben die Bäume anders gesehen, wir haben unsere Liebe intensiver erfahren, wir haben gelernt was Brot und was Zeit ist. Wir haben die Gaben des Lebens als uns ungeschuldete und als unverdienbare kennen gelernt. Die Dankbarkeit ist wie eine neue Schöpfung der Dinge. Und auch der nach 10 Jahren erfolgte Tod meiner Frau hat diese Dankbarkeit nicht durchstreichen können. Wer weiß, dass er sich verdankt, ist des Lebens fähig, vielleicht auch des Sterbens.

Ich frage weiter: Was kann uns eine Krankheit lehren; besser: Was kann man in der Krankheit lernen? Der Mensch könnte lernen, sich nicht mehr durch sich selber zu rechtfertigen. Der Schwerkranke ist hilflos, und er ist nicht mehr Souverän seines eigenen Lebens. Er hat seine Stärke verloren. Er kann sich nicht mehr in der eigenen Hand bergen, er muss sich aus der Hand geben. Er ist angewiesen und bedürftig geworden. Er braucht für die äußeren Verrichtungen und für seine innere Konstitution Menschen. Die bejahte Bedürftigkeit ist der Grundzug aller Humanität. Je geistiger ein Wesen ist, um so bedürftiger ist es; um so mehr weiß es, dass es sich nicht selbst gebären und vollenden kann. Es braucht Väter und Mütter, es braucht Kinder und Enkel. Es muss sich auf mehr berufen können als auf den eigenen Witz und die eigene Stärke. Schwer erkrankt sein, heißt verarmt sein: arm an eigener Kraft, arm an Bewegungsfähigkeit, arm an Zukunft. Die Krankheit ist Krise: man kann angesichts dieser Verarmung in Hoffnungslosigkeit und Verbitterung erstarren, und man kann sich ergeben. Sich ergeben ist ein veraltetes Wort, das ich mag. Es heißt, sich aus der Hand geben, sich anvertrauen, sich nicht mehr mit sich selber rechtfertigen; wissen, dass es zu wenig ist, nur bei sich selber aufgehoben zu sein. Die wundervolle Schauspielerin Hanna Schygula sagte in einem Interview: „Ich schaue in der letzten Zeit nicht mehr so gern in den Spiegel. Die Augen, die mich da anschauen, sind nicht die Augen, in denen man am besten aufgehoben ist.“ Vermutlich gelingt diese letzte Ergebung, die letzte Bedürftigkeit nur wenigen Menschen; aber vielleicht ein Anfang davon vielen.

Die erste Folge von Bedürftigkeit, die man sich eingestanden hat, wäre es, sich als Ganzer im Fragment zu erkennen. Gegen die Chaosängste alter Zeiten gab es immerhin den Glauben, dass Gott das Zerbrochene ansieht und sich dem Zersplitterten zuneigt. Man war also nicht völlig auf die eigene Ganzheit angewiesen. Die Ganzheitszwänge steigen da, wo der Glaube schwindet. Wer an Gott glaubt, braucht nicht Gott zu sein und Gott zu spielen. Er muss nicht der Gesündeste, der Stärkste, der Schönste, der Erfolgreichste sein. Er ist nicht gezwungen, völliger Souverän seines eigenen Lebens zu sein. Wo aber der Glaube zerbricht, da ist dem Menschen die nicht zu tragende Last der Verantwortung für die eigene Ganzheit auferlegt. Es wächst ein merkwürdiges neues Leiden, das durch überhöhte Erwartung an das Leben und der Subjekte an sich selber entsteht. Mein Körper soll fit sein bis ins hohe Alter, mein Aussehen schön. Mein Beruf soll mich erfüllen. Meine Ehe soll ungetrübt glücklich sein. Der Partner soll der beste Liebhaber sein und die Partnerin die beste Köchin. Die Erziehung der Kinder soll gelingen. Solche Totalitätserwartungen an eine Liebe programmieren ihr Scheitern. So ist das Leben nicht. Die meisten Ehen gelingen halb, und das ist viel. Meistens ist man nur ein halb guter Vater, eine halb gute Lehrerin, ein halb guter Therapeut. Und das ist viel. Gegen den Totalitätsterror möchte ich die gelungene Halbheit loben. Die Süße und die Schönheit des Lebens liegt nicht am Ende, im vollkommenen Gelingen und in der Ganzheit. Das Leben ist endlich, nicht nur weil wir sterben müssen. Die Endlichkeit liegt im Leben selber, im begrenzten Glück, im begrenzten Gelingen, in der begrenzten Ausgefülltheit, in der begrenzten Vitalität und Gesundheit. Hier ist uns nicht versprochen, alles zu sein. Souverän wäre es, die jetzt schon mögliche Güte des Lebens anzunehmen und zu genießen; das Halbe also nicht zu verachten, nur weil das Ganze noch nicht möglich ist. Souverän wäre es, den Durst nach dem ganzen Leben nicht zu verlieren; um es religiös auszudrücken: das Land nicht zu vergessen, in dem auch der Blinde sieht, der Stumme seinen Gesang und der Lahme seinen Tanz gefunden hat. Wenn man in dieser Weise der Endlichkeit fähig wäre, dann bräuchte die eigene Bedürftigkeit, Schwäche, vielleicht sogar die Todesnähe nicht in Chaosängste zu stürzen. Wenn man der Endlichkeit fähig wäre, dann würde das beschädigte Leben von anderen nicht so maßlos irritieren. Wer nur Ganzheiten erträgt, gerät in Panik, wenn er die Lebensverletzungen wahrnimmt, bei sich selbst oder bei anderen.

Ich will die Krankheit nicht romantisieren. Aber vielleicht gibt es gelegentlich das Recht des Kranken auf seine Krankheit. Könnte der Gesundheitszwang des Kranken nicht ein Stück geheimer Gewalt gegen sich selber sein, sich  in der Krankheit nicht zu lassen. Könnte es nicht auch ein Stück geheimer Gewalt sein, dem Kranken seine Krankheit nicht zu lassen und sich als Gesunder nicht mit der Krankheit des anderen abzufinden. Ich sage dies übrigens auch als Vater einer epileptischen Tochter, die lange unter den Gesundheitserwartungen, dem Gesundheitsdiktat ihrer Familie, der Ärzte und der besten ihrer Betreuer gelitten hat. Sie wurde erst eine gesunde Kranke, als wir sie nicht mehr in das Gefängnis unserer Erwartungen eingekerkert hatten. Man muss aufhören können zu siegen. Man muss aufhören können, die Krankheit unter allen Umständen und mit allen Mittel zu bezwingen. Es gibt Krankheiten, die zu einem Menschen gehören. Aber es gibt keine Krankheit, die seine Würde als Mensch beeinträchtigt.

Eine weitere Folge einer gelungenen Niederlage oder der gelernten Bedürftigkeit ist die Minderung der Aggressivität und damit die Möglichkeit neuer gewaltfreier Intimitäten. Gerade habe ich den Fall eines Freundes erlebt. Er war ein starker Mann, seine Familie hat in der Hauptsache seine Stärke gespürt. Er war ein erfolgreicher Arbeiter, und in seinen Erfolgen wurde er zum quälenden Über-Ich seiner Kinder. Sie kamen nicht mit ihm zurecht und er nicht mit ihnen. Vor drei Monaten hatte er einen schweren Unfall. Seine Kinder erleben ihn zum ersten Mal als angewiesen und bedürftig, er selbst erlebt sich zum ersten Male so. Die Kinder sahen ihn zum ersten Mal weinen. Und er sagte mir: „Ich habe Gespräche mit meinem Sohn gehabt wie nie im Leben vorher.“ Die Niederlage hat ihm die Gewalt genommen. Die Bedürftigkeit, die die Krankheit ihn gelehrt hat, hat ihn annehmbar gemacht. Nur bedürftige Menschen sind geschwisterliche Menschen und können geschwisterlich mit dem Leben umgehen. Liebenswürdig hat ihn in den Augen seiner Kinder gerade seine Niederlage gemacht, nicht seine Souveränität.

Nur wer die Niederlagen des Lebens erfahren hat, kann wissen, was Niederlagen sind. Die Nur-Starken, die Nie-Zusammengebrochenen können Gebrochenheit und Schwäche nur schwer verstehen. Empathie, die Fähigkeit mitzufühlen mit den Schmerzen, den Wunden, dem Hunger, den Qualen von Menschen, setzt voraus, dass man sie am eigenen Leib erfahren hat. Man ist nicht mehr derselbe, wenn man aus einer Krankheit kommt und wenn die Niederlage gelungen ist. Nicht jede Niederlage gelingt, sie kann die Menschen auch hart und verbittert zurücklassen. Wenn sie aber angenommen ist, dann wird der Mensch der Annahme fähig: Er wird eine andere Mutter, ein anderer Vater seinen Kindern gegenüber sein; ein anderer Lehrer und eine andere Ärztin. Man weiß, was Leiden und Hoffnungslosigkeit und Hoffnung ist. Dieses Wissen ist die Voraussetzung einer anderen und neuen Zärtlichkeit dem Leben gegenüber. Die nur Starken, die nur Gesunden und Ungebrochenen haben es schwer mit einer menschlichen Grundhaltung, mit dem Mitleid, mit der Compassion. Vielleicht wird der, der einer großen Bedrohung entronnen ist, sich bei jedem Rettungswagen, der mit Blaulicht vorbeifährt, fragen: wer ist es? Was hat er, und wie wird es mit ihm ausgehen? Das heisst, er wird sich nicht nur technisch zu Welt und Menschen verhalten. Die Gleichgültigkeit der Schmerzen anderer gegenüber ist gebrochen oder zumindest vermindert. Pathos – Mathos, er hat Mitleid gelernt am eigenen Leiden. In einem der Stücke von Thornton Wilder spricht ein Engel: „Ohne deine Wunde, wo bliebe deine Kraft? … Die Engel selbst vermögen die elenden, irrenden Menschenkinder nicht zu überzeugen, wie ein einziger Mensch es vermag, den die Räder des Leben gebrochen haben. Im Dienst der Liebe sind nur die verwundeten Krieger tauglich.“

Ich vermute, dass man am Leiden und am Unglück nur lernen kann. Wenn man es bejaht und annimmt; wenn man das Leiden adoptiert. Das ist ein brandgefährlicher Satz, der in der Geschichte des Christentums manchen Schaden angerichtet hat. Ich rede keinem Masochismus das Wort. Vermeidbares Leiden soll vermieden werden. Aber ich frage bohrend, was an der alten Vermutung stimmt, dass die Fähigkeit, das Leiden und das Unglück anzunehmen, den Menschen über sich hinauswachsen lasse. Ich verdeutliche es an einem Beispiel. Ein belgischer Priester hat 23 Jahre in einer peruanischen Gemeine auf dem Hochland gearbeitet. Die Gemeinde ist öfter überfallen worden, und ihm war der Rücken so beschädigt, dass er ständig an fast unerträglichen Schmerzen litt. Wie kannst du damit leben, fragte ich ihn. Und er: „Ich opfere diese Schmerzen für das Wohl meiner Gemeinde auf.“ Dies ist keine quietistische Hinnahme des Schmerzes. Der Priester wird im Akt der Hinnahme des Schmerzes Subjekt seines Leidens. ER wird ein freier Mensch und Souverän der Situation, er ist nicht mehr nur Objekt seines Leidens. Er hat es adoptiert und es als zu ihm gehörig angenommen. Dieser Mensch ist in seiner Annahme in der Seele verändert.

Ganzheit im Fragment

Die Zustimmung dazu, Fragment zu sein gilt übrigens nicht nur für die Kranken, es gilt auch für die Pflegenden. Sie brauchen den Mut zu fragmentarischem Handeln. Auch sie sollen nicht unter Siegeszwängen stehen. Ich schaue mit Laienblick auf die Ärzte und Pfleger, die Ärztinnen und Pflegerinnen, die mit Kranken umgehen. Sind sie fähig, die unbeherrschbare Krankheit oder gar das Sterben eines Menschen nicht als eigene Niederlage zu betrachten? Es ist schwer, sich die eigene Ratlosigkeit einzugestehen.

Vielleicht ist es besonders schwer sich einzugestehen, dass man nichts mehr machen soll, wo man nichts mehr machen kann. Es besteht immer die Gefahr, nur um der eigenen Resignation und Hilflosigkeit zu entgehen, irgendetwas zu tun; irgendwelche Dinge zu treiben, an denen sich herumbasteln lässt. Das Sterben ist schwer. Schwer ist auch, jemanden sterben zu lassen, und dies nicht nur für Angehörige. Wahrscheinlich gehört zur Begleitung eines Sterbenden, ihn gehen zu lassen. Man hilft ihm gehen, indem man ihn gehen lässt. Man begleitet ihn ins Sterben, indem man ihn nicht mit allen Künsten und Tricks hält. Dazu allerdings gehört die schwere Anerkenntnis der eigenen Hilflosigkeit. Wir sind nicht die Macher des Lebens. Wir sind nicht die Herren über Leben und Tod. Ich habe Angst vor einer Welt, in der der Mensch vollkommener Macher seiner selbst wird und alles seinen Machenschaften unterwirft, den Anfang des Leben, die Tiere, die Bäume und die Flüsse, das Klima und schließlich auch seinen eigenen Tod. Aber zum Verzicht auf die eigenen Machenschaften gehört auch das Einverständnis mit dem Sterben und dem Tod. Ich wünsche mir für mein eigenes Sterben gewaltlose und mutige Menschen um mich. Ich wünsche mir nicht Menschen, die unter allen Umständen alles versuchen. Ich wünsche mir Menschen, die meine Schmerzen lindern, selbst wenn das Leben dadurch verkürzt wird. Ich wünsche mir mutige Menschen, die das Risiko eingehen, mich sterben zu lassen. Ich wünsche mir freie Menschen, die nicht in der Erinnerung an die Ideologie der Nazis in eine Anti-Ideologie verfallen, unter gar keinen Umständen mein Leben zu verkürzen. Mit der Möglichkeit der Reanimationsmedizin ist die Verantwortung der Ärzte gewachsen. Sie müssen heikle Entscheidungen treffen. Ich wünsche ihnen den Mut, sie zu treffen. Vielleicht wünsche ich ihnen sogar den Mut zum Irrtum.

Der Grundgedanke, der mich geleitet hat, ist in einem Satz zu sagen: Das geistige Leben, auf Dauer vielleicht sogar das biologische Leben ist nur zu retten, wenn wir fähig werden, den Siegeszwängen zu entsagen; wenn es uns gelingt – den Einzelnen und der Gesellschaft – unsere Omnipotenzphantasien zu bändigen und unserer eigenen Sterblichkeit zuzustimmen. Im Psalm 90 heisst es: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden!“ Lehre uns unser eigenes Menschenmaß, das wir verloren haben! Mir wird mehr und mehr ein altes Wort wichtig: Demut. Sie lehrt uns: Wir sind nicht alles, nicht die Meister, Besitzer und Beherrscher von allem. Wir sind nicht die Krone der Schöpfung. Wir sind ein Teil vom Ganzen, nicht mehr, aber das ist viel. Wir sind nicht für uns da, und nichts ist für uns allein da. Wir werden sterben und nicht mehr sein. Aber die Welt um uns und die Welt nach uns soll sein. Und Gott wird sein. Das genügt.

Endzeiten

Ich bin 86 Jahre alt und werde in sehr absehbarer Zeit sterben. Nicht dass ich im Augenblick eine akute Krankheit hätte. Aber mit 86 bleibt, was noch an Zeit kommt, eine lächerliche Frist. Nicht die blanke Zahl 86 lehrt mich die Nähe des Todes, vielmehr noch lehren es all die Menschen, die kaum älter waren als ich, die aber schon tot sind: meine verstorbene Frau, der enge Freund, der im letzten Jahr gestorben ist, viele andere Freundinnen und Weggefährten. Es lehren mich die Nähe des Todes auch die jungen Menschen, mit denen ich umgehe, meine Enkel und meine Kinder. Sie lehren es mich durch ihre pure Jugend. Alle, die vor mir gegangen sind, sind meine Sterbelehrer. Indem sie gestorben sind, lehren sie mich, dass man sterben kann; dass es offensichtlich eine schwere Aufgabe ist, aber keine unmögliche. Sie haben es gekonnt, so werde ich es auch können, in sehr absehbarer Zeit.

Ehrlich gesagt, ich kümmere mich nicht besonders um meinen Tod. Ein Vers aus dem 63. Psalm ist mein ständiger Begleiter: „Deine Gnade ist mehr als Leben, meine Lippen preisen dich.“ Das ist genug an Sterbevorbereitung. Ich werde nicht an meiner Beerdigungsliturgie basteln, mich nicht um meinen Nachlass kümmern, außer dem Notwendigsten: das Testament und  eine Vorsorgeverfügung. Die Menschen, die ich liebe, sollen nach meinem Tod keine unnötigen Unsicherheiten haben. Es ist mir gleichgültig, ob ich verbrannt oder begraben werde. Es ist mir nur insofern nicht gleichgültig, als es nicht gleichgültig für die Menschen ist, die ich hinterlasse. Ich bin eher skeptisch der intensiven Bekümmerung um Sterben und Tod gegenüber. Ich meide die Selbstpflege, die sich noch bis ins Sterben und den Tod erstrecken kann. Um eines habe ich doch gebeten: Dass man mir bei meinem Sterben Paul Gerhardts „Wenn ich einmal sollt scheiden“ singt. Ich habe es meiner Frau an ihrem Sterbebett gesungen; sie hat es ihrer Mutter beim Sterben gesungen. Das ist eine tröstliche Kette, in der ich gerne ein Glied bin.

Habe ich Angst vor dem Tod und dem Sterben? Ich neige dazu, nein zu sagen. Aber keiner weiß, ob die Ängste einen nicht doch überfallen, wenn es wirklich ans bittere Ende geht. Wir sind weniger Herren über uns selbst, als wir annehmen. Sollte die späte Angst kommen, so muss auch diese durchstanden werden. Andere haben sie durchstanden. Was sie gekonnt haben, wird mir auch gelingen – mehr oder weniger gut, wer weiss es? Nicht einmal das Sterben muss mir gelingen. Ja, natürlich habe ich Wünsche für mein Sterben: dass es nicht zu qualvoll ist; dass ich den Menschen, die ich liebe, nicht zu lange eine unerträgliche Last bin. Ich möchte sterben, bevor sie meinen Tod herbeisehnen. Aber all das ist nicht in meiner Hand. Dass es nicht in meiner Hand liegen muss, ist eine meiner Freiheiten.

Drei Dinge möchte ich noch intensiver lernen in meiner letzten Lebenszeit: den Dank, die Reue und die Resignation.

Der Dank: Im späten Alter lerne ich noch eindringlicher, dass ich nicht nur ich war und bin. In mein Leben ist hineingewoben die Zuneigung von vielen Menschen; die Liebe meiner Frau, die schon gestorben ist, die Liebe der Frau, die mich vermutlich überleben wird; die Liebe meiner Kinder und Enkel, der vielen Freunde und Freundinnen. Ich lerne die Wahrheit des kleinen Gedichts von Armin Jure:

Ich habe die Faser nicht gesponnen,
die Stoffe nicht gewebt, die ich am Leibe trage.
Ich habe nicht gelernt,
zu schlachten, zu pflügen und zu säen,
und bin doch nicht verhungert.
Ich kann nicht Trauben keltern
Und trinke doch den Wein.
Wer mich ansieht, sieht viele andere nicht,
die mich ernährt, gelehrt, gekleidet,
die mich geliebt, gepflegt, gefördert haben.
Mit jedem Schritt gehen viele Schritte mit.
Mit jedem Dank gehen viel‘ Gedanken mit.

So sagt es auch der kleine Text von Kurt Marti:

Ich bin, was ich bin, durch andere;
Ich glaube, was ich glaube dank anderen.
Und so,
mit jedem Atemzug:
Leben aus geselliger Gnade.

Ich war nie gezwungen nur ich selbst zu sein; nie gezwungen, an meiner eigenen Kümmerlichkeit zu verhungern. Welch ein Glück!

Dankbarkeit möchte ich lernen für all das, was meine Augen gesehen, meine Ohren gehört und meine Beine erwandert haben. Dankbarkeit ist für die Alten nicht selbstverständlich, die oft über ihre Verlustängste nicht hinauskommen. Sie bleiben in ihrer Altersbitterkeit stecken. Die Frage, die viele stellen: War dieses Stückwerk Leben alles? Hat sich das Leben gelohnt? Ich habe über längere Zeit einen alten Mann besucht, der nicht über seine Bitterkeit hinwegkam. Er ging mir mit seinen Klagen auf die Nerven und ich habe gesagt: Ich werde Dich nur noch besuchen, wenn Du mir am Anfang eines jeden Besuches 5 Minuten erzählst, was schön und gelungen in Deinem Leben war, zumindest halb gelungen. Gegen seine routinierte Bitterkeit begann er zögernd aufzuzählen, welche Stadt schön war, die er gesehen hat; über welchen Menschen er froh war und was ihm an seiner Arbeit gefallen hat. Man muss auch ungeduldig sein können mit uns Alten, die nur noch ihre Verluste beklagen. Der Atem wird freier, wenn man mit Dank sieht, was uns gelungen ist und was uns geschenkt wurde.

Ich frage mich, welche Liebe, welche Arbeit mir ganz gelungen sind und welcher Lebenstraum sich ganz erfüllt hat. Ich verwerfe diese Frage. Das Leben ist endlich, und Ganzheiten sind uns hier nicht versprochen. Ich ehre das halbe Gelingen und lasse mich von Ganzheitsillusionen nicht beeindrucken. Die Süsse des Lebens liegt nicht im ganzen Gelingen Wir sind Fragment. Wir kommen unsere Lebenstreppen nur halb hinauf. Es gibt ein englisches Kinderlied, das uns gut beschreibt:

    Auf halber Treppe sitzen wir,
    es ist nicht oben, nicht unten.
    Auf halber Treppe sitzen wir.

Dankbarkeit also für die Hälfte der Treppe, die wir erstiegen sind. Es ist nicht nichts und es ist nicht alles. Gott ist ganz, und das genügt.

Und doch gibt es einen Schmerz, den ich nicht verlernen will und der mich nicht bannen soll. Es ist der Schmerz darüber, was man im Leben verraten hat und was man dem Leben schuldig geblieben ist. So will ich die Reue nicht verlernen über alle Verletzungen, die ich Menschen, Gott und mir selbst zugefügt habe. Mein Stolz verlangt es, mich aus der Geschichte meiner eigenen Verrate nicht herauszuschleichen. Ich war Subjekt in meinem eigenen Leben, Subjekt meiner Taten und meiner Untaten, das ist meine Würde. Davon lasse ich mich nicht trennen, aber ich lasse mir davon auch nicht den Atem nehmen. Als Christa Wolf mit ihrer frühen und kurzen Mitarbeit bei der Stasi, die sie verdrängt hatte, konfrontiert wurde und darunter verzweifelt litt, hat sie in einem Brief an Friedrich Schorlemer einen wundervollen Satz über Vergebung geschrieben, ohne das Wort zu nennen: „Aber ich habe inzwischen auch gefunden, dass Sünden (!) – oder, weltlich gesprochen, Schuldbewusstsein … den wirklichen Einsichten über uns selbst und unsere Mitmenschen eher im Wege (steht), und es kommt mir heute menschlicher und auch weiterführend  vor, wenn man sich ruhig ansehen kann, so wie man ist, und daran nicht verzweifelt, nichts Unmögliches von sich fordert, sondern sich annimmt, den Schmerz nicht vermeidet, der damit verbunden ist, nicht ausweicht.“ Reinheit ist nicht Makellosigkeit, es ist die Fähigkeit, den eigenen Makel zu betrachten und vor den eigenen Abgründen nicht zu fliehen. Sich nicht ausweichen, sich ruhig ansehen, ohne zu verzweifeln, und sich annehmen mit dem eigenen Verrat – das wäre Lebensgröße vor dem Sterben. Aber in schmerzlicher Heiterkeit gesagt: Auch das wird uns nur halb gelingen. Wir sind Fragment.

Am Ende frage ich mich: Hast Du gelebt oder wurdest Du gelebt?
Ich weiß nicht, welche meiner Lebensschritte ich wirklich ganz verstehe. Es gibt Grundsituationen der eigenen Existenz, in die man nur eine beschränkte Einsicht hat und  an denen uns das Urteil über uns selbst verweigert ist. Warum bin ich ins Kloster eingetreten? Wie haben sich langsam eine Idee und eine Verpflichtung entwickelt? Ich spüre, wie ich oft wenig Herr im eigenen Haus war. Einige Gründe für meine Entscheidungen kann ich nennen. Sind es die eigentlichen Gründe? Je älter man wird, desto mehr ist man sich selbst ein Rätsel und muss man mit der eigenen Rätselhaftigkeit leben. „Wir sind nicht die Bildhauer unserer Gesichtszüge und nicht Regisseure unseres Ernstes, unseres Lachens und Weinens.“ (Pascal Mercier) Richtiges und Falsches, Kenntlichkeit und Unkenntlichkeit waren unlösbar miteinander verflochten. Mir bleibt nichts anderes übrig als der Humor meinen eigenen Lebensentscheidungen gegenüber. Mein theologisches Resümee: Man muss sich nicht durchschauen, weil Gott uns kennt. Darum ist Psalm 139 einer meiner liebsten Texte: „Gott, du erforschst mich und kennst mich.“ Das ist doch wohl genug.

Eine unerlässliche Aufgabe im Alter: resignieren zu lernen. Resignation meine ich nicht als bittere Aussichtslosigkeit. Resignieren heißt im Wortsinn, die Zeichen der Macht niederzulegen und sich ergeben. Resignation ist die Kunst abzudanken und sich und die eigene Weltauffassung nicht für unentbehrlich zu halten. Wer sich ergibt, lässt die anderen anders sein. Das Alter ist die Zeit, in der wir die Endlichkeit lernen, nicht nur weil unsere Zeit befristet ist. Wir Alten müssen auch lernen, dass unser Lebenskonzept, unsere Lebensweise, sogar die Weise unseres Glaubens endlich sind. Sie müssen nicht die Konzepte und Weisen unserer Kinder und Enkel sein. Wir müssen unsere Nachkommen gehen lassen. Abdanken ist ein schönes altes Wort. Es heißt, sich mit Dank verabschieden; sich selber und die eigene Weise den anderen nicht als Diktat hinterlassen; nicht erwarten, dass sie uns ähnlich sind. Abdanken heißt, mit Schmerz und in Heiterkeit zugeben, dass unsere Kinder und Kindeskinder ihre eigenen Wege gehen, so wie wir sie früher gegangen sind. Unsere  Kinder sind nicht dazu da, uns selber fortzusetzen. Sich ergeben können, ist eine Form der Gewaltlosigkeit, die uns Alten schöner macht und die bewirkt, dass unsere Nachkommen mit Güte und Zärtlichkeit an uns denken können. 

Wird man im Alter frömmer? Es mag einigen gelingen, alle Lebenszweifel auszuräumen und den Namen Gottes in Einfachheit und ohne Zwiespalt zu nennen. Aber dies Glück ist nicht allen beschieden. Ein alter Priester schrieb mir von seinem gebrochenen Glauben:

Ich fliehe oft in eine kleine Kirche, über Tag, wenn sie fast leer ist. Ganz leer ist sie nie. Da ist die dicke Frau mit dem dummen Gesicht; die Alte, die nicht aufhört, sich zu bekreuzigen; der Alte am Stock, der unter Ächzen eine Kniebeuge andeutet. Ich schlüpfe heimlich in ihre Gebete. Ich bete nicht mit eigenem Mund und aus eigenem Herzen, sondern mit dem Glauben der Dicken und des Krummen. Ich zahle mit gestohlener Münze.

Ich verstehe den Glaubensschmerz dieses Priesters und liebe seinen klugen Ausweg: Mit gestohlener Münze zahlen. Er verfängt sich nicht in seinen eigenen Zweifeln. Er flieht in den Glauben der anderen, des Alten am Stock und der dicken Frau. Er schlüpft in ihre Gebete. Unsere Tradition – die Psalmen, das Vaterunser, die Evangelien – sie sind die Schlupflöcher des eigenen Glaubens, der seine alte Selbstverständlichkeit verloren hat. Der Gottesdienst ist das andere Schlupfloch. Dort lese ich meinen Geschwistern den Glauben von den Lippen. Ich bin nicht dazu verdammt, der Souverän meines eigenen Glaubens zu sein. Ich habe Geschwister, lebende und tote, die mich im Haus ihres Glaubens Gast sein lassen. Man teilt den Glauben, wie man Brot teilt in kargen Zeiten. Welche Entlastung! Nichts gelingt uns ganz, nicht einmal unser Glaube. Er muss auch nicht gelingen, es ist uns erlaubt, Fragment zu sein.

Was wird nach meinem Tod sein? Ich weiss es nicht, und ich muss es nicht wissen. Aber wenn Gott lebt, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass unsere Tränen umsonst geweint wurden und dass die Opfer ungetröstet bleiben. Es gibt billige religiöse Tröster, die die Wichtigkeit unseres hiesigen Lebens wegerklären mit dem Versprechen der ewigen Seligkeit. Es gibt aber auch eine Kaltschnäuzigkeit, die unseren Hunger nach der endgültigen Bergung des geschundenen Lebens diskreditiert und als kindisch betrachtet. Es gibt religiöse billige Jakobs und es gibt nicht-religiöse billige Jakobs. Letztere sagen, dass der Tod nicht so fürchterlich sei; dass alles seine Zeit habe; dass es zwar kein persönliches Fortleben gäbe, aber dass alles Leben einginge in den allgemeinen Kreislauf der Natur und dass man da ganz gut aufgehoben sei. Über sie kann ich nur mit Gottfried Keller spotten: „Seinen (des liberalen Pfarrers) Schilderungen konnte dann die unvermählt gebliebene Greisin entnehmen, dass wir in unseren Kindern und Enkeln fortleben; der Arme im Geist getröstet sich der unsterblichen Fortwirkung seiner Gedanken und Werke.“ Die Antwort der puren und leidenschaftsfreien Aufklärer ist mir einfach zu bescheiden, und so wiederhole ich das Versprechen, dass Gott einmal alles in allem sein wird und wir in ihm. Auch alle Aussagen über unseren Tod stehen unter dem Gericht des Bilderverbots. Trotzdem hört der Glaube nicht auf, Bilder zu entwerfen. Diese Bilder sind Flüge der Hoffnung, keine Fotografien. Sie sind der Realität eher unähnlich als ähnlich. Nicht dass diese Bilder zu viel behaupten. Sie sagen zu wenig. Denn wir werden nie erfassen und entschlüsseln, was es heißt, im Schoße Gottes geborgen zu sein.

Fulbert Steffensky, geboren 1933, war Professor für Religionspädagogik am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Hamburg; studierte katholischen und evangelischen Theologie, war 13 Jahre Benediktinermönch. Seine Arbeiten finden sich im Grenzgebiet von Pädagogik und Theologie.1968 war er mit Dorothee Sölle ein Mitbegründer des Politischen Nachtgebets, einer Liturgie, die von 1968 bis 1972 regelmäßig in der Antoniterkirche in Köln gefeiert wurde.

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PDF-Datei: Fulbert Steffensky: Mut zur Endlichkeit (2020)

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Prof. Dr. Fulbert Steffensky (Luzern CH) Preisträger „Lebenswerk"

Fulbert Steffenksy können Sie in diesem Video auch "live" erleben:

Video Prof. Dr. Fulbert Steffensky (Luzern CH) Preisträger „Lebenswerk" auf YouTube aufrufen

PDF-Datei: Fulbert Steffensky: Mut zur Endlichkeit (2020)

Prof. Dr. Fulbert Steffensky (Luzern CH) Preisträger „Lebenswerk"

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Achtsam durch die Krise

26.3.2020 | Gesellschaft im Dialog

Die Ökonomie der Aufmerksamkeit ist ein Motor der Industriegesellschaft. Aber in Krisensituationen erweist sich Aufmerksamkeit als zusätzlicher Stressfaktor. Achtsamkeit kann hier helfen.

Plötzlich ist alles anders. Die Gewissheiten des Lebens in einer wohlhabenden Gesellschaft, in der das allermeiste ziemlich gut funktioniert und Probleme in Kürze behoben sind, werden durch einen Unsichtbaren in Frage gestellt – durch einen Mutanten, den Virus COVID-19. Eine unsichtbare Gefahr, deren Ausmaße statistisch hochgerechnet und deren Toten in absoluten Zahlen beziffert werden

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. Das Unsichtbare erzeugt Unsicherheit, eine Angst, die durch Berichte und die drastischen Maßnahmen der Regierungen genährt wird. Lebensbedrohlich ist es – jedenfalls statistisch gesehen, und da die Statistik nichts darüber sagt, wen es trifft, verstärkt das die Angst-Reaktionen. In Gang kommt ein sehr umfassendes und unspezifisches Aktivierungsprogramm, das körperlich, emotional und kognitiv den Menschen hoch aktiviert – eine evolutionäre Errungenschaft, die Menschen mit Säugetieren teilen und die hilft, in einer Gefahrensituation flexibel bestehen zu können. Die COVID-19 Krise hat es in sich. Denn wenn die Diskrepanz zwischen der wahrgenommenen Gefahr und den eigenen Handlungsmöglichkeiten zu groß erscheint, machen sich z.B. Angst, Wut, Ärger, Hilflosigkeit, Dauersorgen und -grübeln, Nervosität, Schlafstörungen, aggressives Verhalten breit – Gedanken und Gefühle, die an einem angemessenen Handeln hindern und sich gegenseitig verstärken. Aber was ist angemessen in so einer Situation? Was ist hilfreich?
Eine Antwort ist Achtsamkeit.

Achtsamkeit versus Aufmerksamkeit

Seit Ende des 20. Jahrhunderts wird Achtsamkeit immer populärer – je mehr der allgemeine Stress der Gesellschaft wächst. Wesentlich daran beteiligt war der US-amerikanische Verhaltensmediziner Jon Kabat Zinn. Seit den 1970er Jahren entwickelte er seine Methode „Mindfulness Based Stress Reduction“ - eine Kombination von Meditation, einfachen Yoga-Übungen, Psychoedukation und themenzentrierter Interaktion. Was zunächst austherapierten Schmerzpatienten helfen konnte, ist heute klinisch evaluiert als Hilfe bei allen Formen von Stress. Heute gilt Achtsamkeit als Megatrend – doch viele, die davon sprechen, verwechseln Achtsamkeit mit Aufmerksamkeit.

Diesen Unterschied zu verstehen, ist wichtig.
Aufmerksamkeit ist ein wichtiger Motor der Industriegesellschaft. Jedes Überqueren einer Straße, jede Fahrt mit dem Auto, jede Arbeit am PC erfordert, sich aufmerksam auf die äußere Situation zu orientieren. Aber auch jede Werbung, jeder Film, jede Benützung sozialer Medien fordert Aufmerksamkeit. Dazu kommt, dass Medien gelernt haben, die Aufmerksamkeit der Medienkonsumenten in ihren Bann zu schlagen, indem sie Emotionen und Wünsche ansprechen und wachrufen. Man spricht sogar von „Ökonomie der Aufmerksamkeit“ (Georg Franck). In einer Krisensituation wie derzeit erweist sich dies als zusätzlicher Stressfaktor – man sieht oder liest nach medialen Kriterien gut gemachte Berichte über die Situation und gerät auf diese Weise allmählich in Panik. Angst, Sorgen, Aggression usw. steigen auf, die ihre eigene Dynamik entfalten, sodass man agiert wie ein Hamster im Laufrad – man rennt und kommt in immer heftigeren Stress. Die Fixierung der Aufmerksamkeit auf das „Außen“ verhindert, rechtzeitig die Stress-Spirale zu unterbrechen. Dabei kann Achtsamkeit helfen.

Achtsamkeit ist u.a. umfassende Aufmerksamkeit – wer achtsam ist, spürt den eigenen Körper, die eigene Atmung, merkt wie Gedanken und Gefühle kommen und gehen, und kann auf dem „Meer des Lebens“ dadurch besser manövrieren. Achtsam zu sein, bedeutet zudem, alles, was gerade da ist – also Sinneswahrnehmungen, Körperwahrnehmungen, Gedanken, Gefühle – zunächst unvoreingenommen und freundlich aufzunehmen, - soweit möglich selbst bei schwierigen Ereignissen. Dann kann eine Entscheidung getroffen werden, wie wir mit uns selbst, mit diesem „Ereignis-Komplex“, jetzt am besten umgehen können. Achtsamkeit heißt nicht wie ein Waschlappen alles zu akzeptieren, sondern aktiv auf Situationen angemessen antworten zu können.

Das wichtigste ist, sich selbst zu unterbrechen – also einfach zu sich selbst „Pause“ sagen, innehalten, sich selbst spüren. Damit wird es leichter, aus dem Krisenmodus der Wahrnehmung umzuschalten auf die üblichen Lebensgewohnheiten und Tagesroutinen. Oder feststellen, was jetzt in dieser Situation Freude machen kann, welche Bedürfnisse grade da sind, und wie sie unter diesen Umständen erfüllt werden können.

Ein paar Tipps zum Ausprobieren:

Entspannen statt Anspannen. Tief ausatmen hilft – also: Innehalten und ein paarmal tief ausatmen – das Einatmen kommt von selbst. Das geht überall, z.B. wenn man warten muss. Das lässt sich auch eigens üben: sich einen ruhigen Ort suchen, bequem und aufrecht hinsetzen, den Handy-Wecker auf fünf oder zehn Minuten stellen, und sich in dieser Zeit der Bewegung des Körpers beim Atmen widmen.

Grübeln verhindern. Vorsorgen ist vernünftig. Doch Grübeln macht erschöpft und ängstlich. Wenn trübe oder ängstliche oder wütende Gedanken auftauchen, die Gedanken wahrnehmen wie Gäste, und sich von ihnen verabschieden. Umschalten auf angenehme Gedanken.

Angst benennen und unterbrechen. Angst kann man nicht einfach vertreiben. Wenn sie auftritt, sie benennen: „ah, da ist Angst“, „ich fürchte mich vor…“. Die Veränderungen im Körper wahrnehmen. Vielleicht gibt es einen Bewegungsimpuls – die Beine bewegen, die Hände – und dann wieder pausieren, ausatmen, einatmen. Wahrnehmen, wie der Lebensstrom des Atems trotz allem immer trägt.

Gute Erfahrungen sammeln. Unser Sinnes- und Nervensystem ist durch Evolution entstanden -weswegen wir eher Gefahren bemerken als Angenehmes. Das Gute im Leben zu sehen muss gelernt werden. Dazu gibt es viele Möglichkeiten. Etwa kann man ein paar Bohnen oder kleine Nüsse in die Jackentasche stecken, und sie bei einer angenehmen, hilfreichen Erfahrung in die andere Jackentasche tun. Oder man kann abends vor dem Schlafengehen drei angenehme, hilfreiche, schöne Situationen des Tages ins Tagebuch der guten Erfahrungen notieren.

Achtsamkeit zu üben kann man immer beginnen. Es kann nur besser gelingen.

Ursula Baatz ist Achtsamkeitslehrerin und im Vorstand der MBSR-MBCT-Vereinigung Österreich. Im Kardinal König Haus hält sie seit Jahren Achtsamkeitskurse ab, zuletzt auch zu Achtsamkeit in interpersonalen Beziehungen. Alle Veranstaltungen von Ursula Baatz im Kardinal König Haus finden Sie hier.
Der Artikel erschien in Die Furche, 18.3.2020

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Veränderungsprozesse begleiten

23.3.2020 | Christlich inspirierte Führung und Organisationskultur

Probieren Sie es aus! Welche unterschiedliche Gefühle löst es bei Ihnen aus, wenn Sie sich vorstellen, dass jemand zu Ihnen sagt: „Du hast dich angepasst.“, „Du hast dich verändert.“ oder „Du hast dich entwickelt.“? So wie vermutlich bei Ihnen durch diese Begriffe unterschiedliche Ebenen angesprochen werden, so geht es auch Organisationen, wenn man diese als lebendige soziale Systeme versteht. Im Begleiten von Prozessen in Organisationen begegnet man allen drei Dimensionen.

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Anpassung meint dabei die Fähigkeit auf Anforderungen von außen entsprechend zu reagieren. Der Impuls dazu geht also primär nicht von der Organisation selbst aus. Solche Anpassungsleistungen sind in Organisationen immer wieder notwendig. Um dazu fähig zu sein, bedarf es eines guten Kontaktes zu relevanten Umwelten der Organisation.
Veränderung im Kontext von Prozessen in Organisationen haben eher die Dimension des Machens und sind auf ein bestimmtes Ziel hin orientiert. Mit einer bestimmten Absicht wird auf Strukturen, Prozesse und Ressourcen so Einfluss genommen, dass das intendierte Ergebnis möglich wird. So verstanden ist Veränderung aber nur in den unmittelbar plan- und realisierbare Bereichen der Organisation möglich. Die Fähigkeit dazu ist ein wesentliches Zeichen von Lebendigkeit einer Organisation.

Charakteristische Dynamiken von Veränderungsprozessen sind dadurch bedingt, dass in einer Organisation nie alle Betroffenen die gleiche Perspektive auf das mögliche Ziel-Bild von Veränderung haben. Das ist in einer arbeitsteiligen Organisation durch den notwendigen Fokus auf den je eigenen Bereich und dem damit einhergehenden unterschiedlichen Blick auf die Gesamtorganisation bedingt. Mit der nicht gegebenen Gesamtsicht auf das Ziel der Veränderung, fehlt aber auch die Motivation für Veränderung. Geleichzeitig bedeutet jede Veränderung auch Abschied und Verlust von Dingen und Vorgehensweisen, die sich über einen gewissen Zeitraum bewährt haben und wertvoll waren. Umso weniger diese beiden Aspekte berücksichtigt werden, umso größer ist oft der Widerstand gegen Veränderung.

Entwicklung eines lebendigen sozialen Systems drückt noch eine andere Dimension aus. Um Identität oder Kultur einer Organisation weiterzuentwickeln, braucht es andere Prozesse und auch ein anderes Tempo als bei Umstrukturierungen. Wie Menschen in einem Unternehmen mit einander umgehen, wie sie den Grundauftrag mittragen und sich am dem Gesamten der Organisation beteiligt fühlen, kann man nicht unmittelbar „machen“. Entwickeln bedeutet außerdem, das Bestehende und Vorhandene einzubeziehen, aber das darüber hinausgehende Potential wahrzunehmen und etwas „werden“ zu lassen.

Grundlage für dieses Verständnis von Entwicklung in Organisationen, ist ein Menschenbild, das davon ausgeht, dass Menschen fähig sind zu reflektieren, selbst Lösungen zu entwickeln und diese umzusetzen. Entwicklungen gehen immer von Subjekten aus. Es geht dabei also um ein Vertrauen auf die Entwicklungsfähigkeit von Menschen und darum, diese als entscheidende Ressource der Organisation wahrzunehmen. Entwicklung ist zwar nicht nur ein reibungsloses Wachstum, sondern auch mit Hürden verbunden, dennoch ist sie gleichzeitig geprägt von der Lust auf Neues.

Im Begleiten von Prozessen von Organisationen ist es hilfreich diese drei Dimensionen – Anpassung, Veränderung, Entwicklung - zu differenzieren, alle drei zu berücksichtigen und um ihre gegenseitige Wechselwirkung zu wissen. Strukturveränderungen wirken nämlich immer auch auf die Menschen, die Kultur und die Identität einer Organisation. Die Weiterentwicklung des Grundauftrages hat immer auch strukturelle Konsequenzen. Im Gesamtkontext einer Organisation ergänzen Anpassung, Veränderung und Entwicklung einander, wenn sie von einer entwicklungsorientierten Grundhaltung getragen werden und somit Menschen in der Organisation die Möglichkeit gegeben wird, selbst an der Transformation der Organisation beteiligt zu sein und gestalterisch mitzuwirken.

Georg Nuhsbaumer

Fußnote:
Vgl. Walter Häfele (Hg.), OE-Prozesse initiieren und gestalten, Bern 2007

Der Artikel ist in der Zeitschrift der Jesuiten Österreich (März 2020) erschienen, die unter dem Thema "Veränderung" stand. Alle Informationen zu der Zeitschrift und dem kostenlosten Abonnement finden Sie hier: www.jesuiten.at/zeitschrift

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Kollegiale Weiterbildung zur Begleitung von Ordenskapiteln

17.3.2020 | Ordensentwicklung

18.2. – 20.2.2020, Kardinal König Haus, Wien
Leitung: P. Lutz Müller SJ, Sr. Ruth Pucher MC
Bericht von Claudia Kummer

Vorbemerkung der Verfasserin: Ich durfte als jüngste Teilnehmerin und Neuling im Bereich der Ordensentwicklung dank Empfehlung einer guten Freundin zu diesem Treffen kommen, da mich ihre Arbeit mit Ordensgemeinschaften neugierig gemacht hat: „Vielleicht ist das was für mich?“ Die Moderator*innen ermunterten mich, in diesem Bericht das Erlebte durch meine persönliche Brille „von außen“ zu reflektieren.

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Hintergrund und Zielsetzung
Diese Weiterbildungsveranstaltung war die vierte in einer Reihe von Treffen von Ordensbegleiter*innen, Supervisor*innen und Berater*innen, um einen Erfahrungsaustausch und die persönliche Kompetenzentwicklung insbesondere für die Begleitung von Kapiteln zu fördern. Schon bei der Themensammlung zu Beginn wurde mir aus den Erfahrungsberichten und Anliegen der anderen klar, dass die Ordenswelt im Umbruch ist und zahlreiche Orden sich wegen mangelnden Nachwuchses aus Mitteleuropa mit internen Umstrukturierungen und gar Schließungen beschäftigen müssen. Die 14 Teilnehmer*innen kamen aus Deutschland und Österreich und brachten verschiedene Perspektiven aus ihren Herkunftsberufen ein, wie zum Beispiel Kirchenrecht, Wirtschafts- und Rechtsberatung, Coaching und Supervision, Prozessbegleitung, und auch die Innensicht des Ordenslebens. In diesem transdisziplinären Netzwerk wurde an vier Halbtagen gearbeitet.

Arbeitsprogramm

1. Halbtag – Orientierung und Begriffsklärung
Beim ersten Kennenlernen konnte ich mir dank einer soziometrischen Aufstellung rasch einen Überblick verschaffen über die regionale Zugehörigkeit meiner Kolleg*innen, ihren fachlichen Zugang, und wann sie erstmals zu den Treffen dazugestoßen sind. Dann kam bereits die erste Übung. Vier Begriffe wollten geklärt werden: Beratung, Prozessbegleitung, Moderation und (engl.) Facilitation. Nach einem ersten Brainstorming nahmen sich Kleingruppen einer exakteren Definition der Begriffe an und präsentierten die Ergebnisse im Plenum. Für die gemeinsame Weiterarbeit war dieser Schritt sehr wertvoll, da man miteinander inhaltlich ins Gespräch kommen konnte und dabei ein einheitliches Begriffsverständnis verhandelte. Mir waren die Begriffe alle nicht fremd gewesen, trotzdem war durch verschiedene Abgrenzungsdimensionen viel Neues für mich dabei, und ich vertiefte mein Verständnis. In der Abendeinheit weckte Sr. Ruth Pucher MC unsere kreativen Energien beim Flipchart-Schreiben. Mit ihren Tipps zur Handhaltung beim Schreiben und zum Einsatz von Farbkreiden zeigte sie, wie man mit einfachen visuellen Mitteln lebendige und einprägsame Charts erstellt. Einige entdeckten beim Üben mit Schmierpapier den inneren Künstler und freuen sich bestimmt schon auf die nächste Gelegenheit zur visuellen Moderation.

2. Halbtag – Kapitelgestaltung
Am Morgen des zweiten Tages ging es an das eigentliche Kernthema, die Kapitelgestaltung. Zu den einzelnen Phasen der Kapitel inklusive ihrer Vorbereitung gab es fachliche Inputs von erfahrenen Teilnehmer*innen, die ich im Folgenden zusammenfassen möchte.

  • Zur Phase „Klärung der Rahmenbedingungen“ teilte Sr. Laetitia Röckemann OP ihren Erfahrungsschatz mit Fokus darauf, was man vom Eingehen einer Anfrage zur Kapitelbegleitung bis zur Entscheidung über die Zusammenarbeit beachten sollte. Für mich war dieser strukturierte Überblick besonders wertvoll, da ich mir anhand der Checkliste für das Erstgespräch bereits den gesamten Ablauf des Kapitels einigermaßen vorstellen konnte. Für mich wurde deutlich, wie wichtig atmosphärische Eindrücke von der Arbeitskultur, aber auch demographische „Kennzahlen“ der Ordensgemeinschaft sind, um sich gut vorbereiten zu können.
  • Zur „Berichterstattung“ gab P. Lutz Müller SJ auf Basis der Unterlagen von Manuela Schaffran Hinweise, wie die Berichtsphase optimal vorbereitet werden kann. Methodische Ideen reichen von schriftlichen Templates und Lesehilfen in der Vorbereitungsphase bis zum Ansprechen aller Sinne bei der Präsentation. Aufhorchen ließen mich die Erfahrungsberichte der Kolleg*innen, wonach die Berichtsphase stark von interkulturellen Verschiedenheiten in den Provinzen geprägt sei.
  • Die Phase „Wahl“ wurde von Hildegard Grünenthal unter kirchenrechtlichen Aspekten beleuchtet. Als Essenz konnte ich mitnehmen, dass das Eigenrecht der Orden oftmals bereits Lösungsaspekte beinhaltet, wobei dafür jedoch aufgrund gewisser Betriebsblindheit eine Bewusstmachung nötig ist. Kapitelbegleiter*innen können aus den jeweiligen Konstitutionen die bestehenden Vorgaben und Handlungsspielräume ablesen und das Generalat zur konkreten Umsetzung in der Wahl beraten. Bei überalterten Ordensgemeinschaften kommen oft kaum mehr Mitglieder für die nächste Leitungsperiode infrage. Dann sei das Gebot der Stunde, die Gemeinschaft auf den Weg zur inneren Zustimmung zu führen – für die einzig verbleibende wählbare Leitungsperson.
  • Eine bedeutende Rolle im Kapitel spielt der Umgang mit „Eingaben“. Dazu stellte Anne Elisabeth Höfler einen Leitfaden zur Verfügung, wie man die Eingaben in der Vorbereitung strukturiert und sortiert. Interessant fand ich auch ihren Ansatz, wie man durch die Beauftragung von Arbeitsgruppen während des Kapitels Anträge schriftlich entwickeln lässt, die nach mehreren Überarbeitungsschleifen zur Mehrheitsfähigkeit reifen. Durch Clustern und parallele Gruppenarbeitsphasen können auch große Mengen von Eingaben in begrenzter Zeit bewältigt werden.
  • Zur Phase „Sachthemen“ kam ein Input von Christian Wlaschütz, der die Gruppe auf den Wert der Wiederholung aufmerksam machte: Demnach ist es wertvoller, bei der Moderation den Redner*innen mehrere Wiederholungsschleifen zuzugestehen, als Kürze einzumahnen. Wiederholung drückt die Anerkennung der Vorredner*innen aus und wirkt beziehungsstiftend. Für mich war die Erkenntnis wichtig, dass das „ownership“ eines Themas hinterfragt werden sollte, und ob die Betroffenen einer Entscheidung im Prozess beteiligt sind bzw. waren.

3. Halbtag – Geistliche Impulse, Stammvermögen und kollegiale Beratung
Dass der Raum für geistlichen Prozess im Kapitel bewusst geplant werden muss, bestätigten viele Teilnehmer*innen aus eigener Erfahrung – denn andernfalls kann die geistliche Ebene aus dem Blick geraten. Eine Art des geistlichen Impulses ist der Bibliolog, der am Nachmittag von P. Lutz Müller SJ erfahrbar gemacht wurde. Bei dieser Methode wird eine Bibelstelle ausgewählt und Stück für Stück sozusagen dramaturgisch inszeniert. Wir wurden als Teilnehmer*innen eingeladen, uns wechselweise in die Rollen der Protagonist*innen in der Szene „Brief des Paulus an Philemon“ einzufühlen. Unsere Äußerungen wurden vom Bibliologleiter aufgenommen und wie ein Echo in den Raum wiedergegeben. Aus den vielfältigen Gefühlen und Eindrücken entstand ein dichtes Bild, das mir Stoff zum Weiterdenken gab.

Später brachte Andreas Machnik einen Kurzvortrag zu den neuen Leitlinien bezüglich Deklaration von Stammvermögen. Die Gruppe versuchte anhand von verschiedenen Fallbeispielen die Anwendung der Leitlinien und die Auswirkung bestimmter Auslegungsvarianten zu analysieren. Am übergeordneten Thema „Wirtschaften“ wurden auch einige interkulturelle Konfliktpotenziale sichtbar, die sich aus dem unterschiedlichen Gebrauch von Ressourcen und unterschiedlicher Grundhaltung zu Buchhaltung ergeben.

Den Abschluss des Abends bildete eine kollegiale Beratungsrunde. Die Teilnehmer*innen teilten sich in zwei Gruppen auf und behandelten parallel zwei Anliegen von verschiedenen Fallgeber*innen. Für mich als Beraterin war dabei erstaunlich, wie herausfordernd die Formulierung der eigentlichen, treffenden Frage für den Fallgeber in meiner Gruppe war. Bei der Resonanzrunde eröffnete die Vielfalt der Perspektiven ein buntes Spektrum an Handlungsalternativen. Als Resümee kann ich sagen, dass es eine mutige, aber lohnende Entscheidung ist, einen eigenen Fall der Gruppe anzuvertrauen, und dass ich selbst und auch die anderen BeraterInnen viele eigene Erkenntnisse mitnehmen konnten.

4. Halbtag – Der Synodale Weg, Macht in Ordensgemeinschaften
Maria Boxberg stellte ihre Arbeit mit dem Synodalen Weg in Deutschland vor, die ich kurz wiedergeben möchte. Mit einem Co-Moderator gestaltet sie die geistlichen Impulse während der Forentreffen zu den vier Themen:

  • Macht und Gewaltenteilung;
  • priesterliche Existenz heute;
  • Frauen in Diensten und Ämtern;
  • Leben in gelingenden Beziehungen (Sexualität und Partnerschaft).

Sie berichtete von partizipativen Interventionen und den Aufgaben der Moderations- und Steuerungsgruppe, sowie von einigen Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit, um die größtmögliche Transparenz des Prozesses zu gewährleisten. Die Gruppe konnte anhand des Beispiels aktuelle Erfahrungen austauschen zum Rollenverständnis von Moderationsteams, und zur Zusammenarbeit von Kirche und Staat bei der Verfolgung von Sexualdelikten.

Auf vielfachen Wunsch der Teilnehmer*innen wurde das Thema Macht in sozialen Gefügen am Beispiel von Ordensgemeinschaften diskutiert. Der Input von Christian Wlaschütz schärfte unser Bewusstsein dafür, dass Macht ein integrales Element sozialer Systeme ist – ob formal oder informell, wobei sie nicht immer explizit gemacht wird. Implizite Macht kann sich den geschulten Beobachter*innen aber zeigen durch Verfügungsmacht, Ressourcenallokation, Kommunikationsmacht oder Prozessmacht. Wenn Macht nicht ausgeübt wird, schwächt das nicht nur die Person, sondern auf Dauer auch das Amt, das sie bekleidet. Dasselbe gilt für Entscheidungen im Generalkapitel, die nicht umgesetzt werden: Dieses würde als Institution auf Dauer nicht mehr ernst genommen werden. Die Aufgabe für Kapitelbegleiter*innen ist, die möglicherweise vorhandenen impliziten Machtgefüge dann anzusprechen, wenn Blockaden den Prozess im Sinne des Auftrags zu gefährden drohen.

Rahmenprogramm
In der einladenden Atmosphäre des Kardinal König Hauses konnten wir in den Kaffeepausen sowie beim gemeinsamen Mittag- und Abendessen die individuellen Gespräche vertiefen und mehr Einblick in die persönlichen Erfahrungen unserer Kolleg*innen gewinnen. Am zweiten Abend wurde die Gruppe von Generalsekretär Peter Bohynik in den Räumlichkeiten der neu strukturierten Ordenskonferenz „Ordensgemeinschaften Österreich“ empfangen. Wir wurden über den Aufbau der Organisation informiert, und die Rolle und Ziele der Ordenskonferenz wurden mir klarer. Es war für mich bestärkend zu hören, dass diese Institution sich als Anlaufstelle für Fragen zur Ordensentwicklung versteht und dementsprechende Unterstützung anbietet. Der Abend führte auf kurzem Fußweg durch die Innenstadt in das Lokal „Glacis Beisl“, wo wir bei Schmankerln von der typischen Wiener Speisekarte den Tag ausklingen ließen.

Ausblick und Reflexion
In der Abschlussrunde der Weiterbildung waren die Rückmeldungen der Teilnehmer*innen einhellig sehr positiv. Alle Wortmeldungen brachten den Wunsch zum Ausdruck, dass es weitere Treffen dieser Art geben soll. Der besondere Wert der Treffen liegt für viele darin, dass sie in einem absichtslosen Raum Themen austauschen können, innovative Ideen durchdenken, und ihr eigenes professionelles Handeln reflektieren können – als eine Art Qualitätssicherung. Ein großer Dank ging an das Moderatorenteam und die Impulsgeber*innen.

Für mich persönlich war die besondere Qualität der Weiterbildung der „Zauber des Anfangs“. Dank meiner hauptberuflichen Tätigkeit kann ich das Gehörte an meine Erfahrung als Gruppenmoderatorin und Seminarleiterin andocken. Es gibt aber auch viele neue Dimensionen, die sich durch den geistlichen Prozess, die Arbeits- und Lebensgemeinschaft der Ordensleute, und die bevorstehende rapide Veränderung mancher Gemeinschaften eröffnen. Nach drei Tagen intensiven Eintauchens verlasse ich dankbar das Seminar und möchte im nächsten Schritt gern bei einem Kapitel hospitieren. Aus den Gesprächen mit langjährigen Expert*innen unserer Runde weiß ich zu schätzen, dass es dieses Austauschangebot für mich jetzt gibt – ein idealer Anknüpfungspunkt, der den Anwärter*innen für Kapitelbegleitung erst seit kurzem in dieser organisierten Form offensteht.

Verfasserin: Claudia Kummer, Jahrgang 1982, aus Wien. Hochschullehrerin für Internationale Wirtschaft (Projektmanagement, KonsumentInnenforschung) an der FH Burgenland. Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin. Weiterbildung in Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung.

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Vielfältige Möglichkeiten durch unser neues digitales Flipchart

9.3.2020 | Seminarzentrum

Ab sofort im Einsatz – unser neues digitales Flipchart. Präsentation direkt vom USB-Stick, Zeichnen auf dem Screen, Abspeichern der Änderungen auf einem USB Stick und vieles mehr. Außerdem umweltfreundlich – es fällt kein Papiermüll an. Gerne zeigen wir Ihnen die vielfältigen Möglichkeiten!

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Neue Formen der Zugehörigkeit – Nachbarschaft leben

6.3.2020 | Ordensentwicklung

Am 22. Februar fand in Vöcklabruck ein Wochenende für Frauen von +/- 60 Jahren statt, die bereits Erfahrungen mit Ordensleben gesammelt haben und nach einer für sie passenden Form der Zugehörigkeit zu einer Ordensgemeinschaft suchen. Supervisorisch begleitet wurden die Suchbewegungen von Sr. Ruth Pucher MC, Leiterin des Bereichs Ordensentwicklung. Unter anderem entstand die Idee einer christlichen Wohngemeinschaft in Nachbarschaft mit einem Kloster.

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Die Teilnehmerinnen verband, dass sie…
… eine gewisse Tagesstruktur als hilfreich erleben.
… sich gemeinsame Gebetszeiten und gute Gespräche wünschen.
… Weggemeinschaft im Glauben suchen.
… nicht länger alleine leben wollen.
… viel Lebenserfahrung haben und sich gerne mit ihren Fähigkeiten einbringen.
… noch Energie und Esprit haben.  
… neugierig sind, wohin Gott sie jetzt führen möchte.

Das Kennenlernen untereinander und die Reflexion der eigenen Suchgeschichte waren die Ziele des Vormittags. Dazu lieferte eine Passage aus dem ersten Kapitel des Johannesevangeliums weiterführende Fragen: Wer bist du? Was sucht ihr? Wo wohnst du?

Am Nachmittag wurden in Kleingruppen Ideen konkretisiert: Welche Bedingungen bräuchte es für eine christliche Wohngemeinschaft? Welche Vereinbarungen wären wünschenswert? Was bedeutet es, geistig, bzw. geistlich zu leben?

Am Abend stellte Sr. Teresa Hametner von den Franziskanerinnen von Vöcklabruck den Prozess ihrer Gemeinschaft auf der Suche nach alternativen Zugehörigkeitsformen vor.

Die Gruppe will sich im Herbst 2020 erneut treffen, um an der Umsetzung der verschiedenen Ideen weiterzuarbeiten, bzw. einander teilhaben zu lassen an den weiteren Such- und Findewegen. Auch Neue sind willkommen!
Interessierte können sich bei Sr. Ruth Pucher MC melden: pucher@kardinal-koenig-haus.at 

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Sozialmanagement 2 - Organisationen mitgestalten und leiten

4.3.2020 | Akademie für Sozialmanagement

Mitte Februar „trafen“ sich zwei Gruppen des Sozialmanagement 2-Lehrgangs. Innerhalb einer Woche gab es sowohl den Abschluss der Gruppe, die 2018 gestartet ist, als auch das erste Seminar für die neue Gruppe.

Das wichtigste Thema beim Abschlusstag war Reflexion über die (Persönlichkeits-)Entwicklung der letzten drei Semester, während in der ersten Phase einer Ausbildung der Blick in die Zukunft und die Ziele nicht fehlen dürfen.

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Ein wichtiger Teil der Qualitätssicherung an der ASOM ist auch regelmäßiges Feedback in den Seminaren und die Evaluation der Lehrgänge jeweils gegen Ende des Lehrgangs. Besonders bei diesem Lehrgang, der zum ersten Mal in der überarbeiteten Version durchgeführt wurde, war dieser Aspekt sehr wichtig. Die kritischen Anmerkungen der Absolvent*innen unterstützen die Weiterentwicklung des Lehrgangs und das kommt gleich der nächsten Lehrgangsgruppe zugute. Gleichzeitig freuen wir uns über die sehr guten Rückmeldungen zur Betreuung und den Lerninhalten insgesamt.
Herzliche Gratulation an alle Absolvent*innen, die jetzt verdienterweise "Diplomierte*r Sozialmanager*in" sind!

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Was sind eigentlich Exerzitien?

2.3.2020 | Spiritualität und Exerzitien

Exerzitien sind eine Weise, Gott im eigenen Leben wirken zu lassen. Sie sind ein geistlicher Übungsweg, der Menschen unterstützt auf der Suche nach Gott, nach der Erfüllung des eigenen Lebens und auf dem Weg, ein liebender Mensch zu werden.

Exerzitien lehren zu beten, d.h. mit Gott in Dialog zu kommen und zu sein. Und sie helfen, Gottes Willen mehr und mehr im Leben zu suchen und zu entdecken. Die Weise, wie dieser Dialog zwischen Gott und der*dem Übenden unterstützt wird, unterscheidet sich je nach Exerzitienform.

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Und welche mehr hilft, hängt auch von der je eigenen gegenwärtigen Lebensphase ab. Mal kann mehr das eine, mal mehr das andere hilfreich sein.

Wesentliche Elemente sind Meditationen (Betrachtungen) von Texten der Hl. Schrift und über das eigene Leben, mehrere feste Gebetszeiten am Tag, Gespräche mit dem Begleiter oder der Begleiterin und das durchgehende Stillschweigen.

In „Ignatianischen“ Exerzitien, die sich am Exerzitienbuch des hl. Ignatius von Loyola orientieren und die sechs bis zehn volle Tage dauern, betet der*die Übende mehrere Stunden am Tag meist mit Hilfe von Texten der Bibel. Im täglichen Begleitgespräch werden diese Impulse von dem*der Begleiter*in für das Gebet mitgegeben, je nachdem, welche Bibelstelle gerade zur jeweiligen Situation und inneren Dynamik passt. Manchmal ist es aber auch ein Bild, ein Gebet oder eine Lebenssituation, die betrachtet werden. Der Exerzitant kommt dann mit Hilfe dieses „Inhalts“ mit Gott über sein Leben und über seine Beziehung zu ihm ins Gespräch, wobei das Gebet immer wieder auch sehr einfach und schlicht sein wird, stilles Dasein vor Gott. In der Ursprungsform, den sogenannten Großen Exerzitien, die 30 Tage dauern, werden  neben „Schlüsselmeditationen“, die Ignatius vorgibt, vor allem die Geheimnisse des Lebens Jesu Christi von seiner Geburt über Leiden und Sterben bis zu seiner Auferstehung betrachtet. Der*die Exerzitant*in sucht so, Jesus Christus mehr kennen und lieben zu lernen und zu erspüren, wie er*sie ihm konkret nachfolgen kann.

Neben diesen klassischen Ignatianischen Exerzitien haben sich weitere Exerzitienformen etabliert, die alle das Ziel gemeinsam haben: das Leben von Gott her zu ordnen. Es gibt Exerzitien mit einem oder zwei „Vorträgen“ am Tag in der Gruppe, Wanderexerzitien, Straßenexerzitien, Schreibexerzitien, Filmexerzitien, Exerzitien mit Bibliodrama und Kurzexerzitien für junge Erwachsene. Mit je unterschiedlichen Medien wird der Dialog zwischen Beter*in und Gott durch Impulse gefördert.

Auch kontemplative sechs- bis zehntägige Exerzitien führen in eine Kommunikation mit Gott, bei der aber nicht gesprochen wird, sondern die in einem stillen Verweilen in seiner Gegenwart besteht. So wie gute Freunde tief miteinander verbunden sein können, ohne dass sie viel miteinander reden. Im christlichen Kontext ist diese Weise des Betens aus dem Herzensgebet der ersten Wüstenväter erwachsen. Mit Hilfe eines Psalmverses oder Gebetswortes, das ständig innerlich wiederholt wird, versucht der*die Exerzitant*in in der Gegenwart Gottes zu verweilen. Dies geschieht in der Weise des Jesusgebetes, wenn nicht nur ein inneres Wort wiederholt wird, sondern mit dem Namen „Jesus Christus“ gebetet wird. Auch hier gibt es verschiedene methodische Zugänge. Die Wegschritte von Franz Jalics SJ bieten als Sammlungshilfen neben dem Namen „Jesus Christus“ auch den eigenen Atem und die Wahrnehmung der Hände an.

Für welche Form und Dauer von Exerzitien man sich auch entscheidet, in jeder kann sich Gott der betenden Person mitteilen, sofern sie sich dafür öffnet. Nicht die Form ist letztlich dafür entscheidend, sondern die Haltung, in der man sich auf diese Begegnung mit Gott einlässt. Probieren Sie es doch einfach mal aus. Unsere Angebote und Termine finden Sie auf www.kardinal-koenig-haus.at und www.stille-in-wien.at

Sr. Christa Huber CJ, Sr. Johanna Schulenburg CJ
P. Anton Aigner SJ, P. Josef Maureder SJ

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Mag.a Carina de Spernbour-Näpflin

* 02.09.1952 + 20.02.2020

Carina de Spernbour-Näpflin verdankt das Kardinal König Haus sehr viel: zahlreiche Initiativen mit langer Wirkungsgeschichte, die Vernetzung und Verknüpfung von unterschiedlichen Personen, Ideen und Organisationskontexten. So war Carina nach ihrer Ankunft in Wien 1996 an den Semesterkursen „Einführung in die Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung“ als Referentin beteiligt. Die Leitungskompetenz in den Orden und deren Werken zu fördern war ihr zeitlebens ein großes Anliegen. Sie hat mit einem Team um Sr. Hildegard Teuschl CS den „LLO“ (Leiter*innen-Lehrgang für Ordensober*innen) auf den Weg gebracht,

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der viele Ordensoberinnen und -obere befähigt hat, ihre Leitungsverantwortung wirksamer und mutiger zu gestalten. Carina war von 1997 bis 2005 Gruppenverantwortliche für den LLO und Lehrerin beim Stadtschulrat (als Privatlehrerin des Caritas-Ausbildungszentrums unter der Direktion von Hannes Meyer). Sie hat das LLO-Team über die Jahre mit Herz und Verstand geführt, immer offen für Neues und Verbesserung, orientiert an den Anliegen und Bedürfnissen der Teilnehmenden.

Carina hat den vorausschauenden Blick auch auf ein würdevolles Leben und Altern in den Ordensgemeinschaften gelenkt und dazu gemeinsam mit Reingard Lange einen ermutigenden Lehrgang („Simeon und Hannah“) entwickelt, der über viele Jahre zahlreiche Orden im In- und Ausland inspiriert hat. Noch bevor das Thema Demenz in die breite Öffentlichkeit gelangt war, hat sie einen Kurs für die Begleitung von hochaltrigen Menschen entwickelt, der heute als Demenzbegleiter*innen-Kurs im Kardinal König Haus fortgeführt wird. 

Auch mit ihren Enneagramm-Seminaren im KKH hat Carina viele Menschen erreicht und in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gefördert.

Die Begegnungen mit Carina – bisweilen „zwischen Tür und Angel“ bei ihren diversen Kursen und Seminaren im KKH – waren immer herzerfrischend und belebend. Dabei sprühten neue Ideen und Methoden, gab es Momente des bereitwilligen Teilens von gelungenen Lehr- und Lernerfahrungen, welche stets Carinas Begeisterung und Kreativität spüren ließen, die ansteckend gewirkt haben.

Carina hat als Psychotherapeutin, Pädagogin und Theologin eine Kombination von Kompetenzen verkörpert und eingebracht, die das Kardinal König Haus in unterschiedlichen Weisen befruchtet und bereichert haben.

In kollegialen Intervisionsgruppen – etwa aus dem gemeinsamen Weiterbildungsgang zur Organisationsentwicklung – sowie im persönlichen Coaching war Carina eine wunderbare Beraterin: Hörend, begleitend, inspirierend. Ihr Interesse hat die verschiedenen Programmbereiche im Kardinal König Haus immer wieder in Verbindung gebracht und auf das ausgerichtet, worauf es bei aller Fort- und Weiterbildung wesentlich ankommt: Dass der Geist in Freiheit wirksam werden kann. Sie fehlt uns – und wir bleiben ihr herzlich verbunden!

Christian Metz

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Fastenzeit ist mehr als nur Verzicht

26.2.2020 | Impuls des Direktors

Ich möchte ermutigen, Fasten nicht nur als Verzicht zu sehen, sondern als eine Einladung, alles mit anderen Augen zu sehen: die Welt, den anderen Menschen, sich selbst. Fasten ist Einladung und Chance zu einem kreativen Aufbruch, sich um einen weiteren Horizont zu bemühen, um größere Zusammenhänge zu erkennen. Es ist eine bewusste Herausforderung, die letztlich einem selbst gut tut. Wenn ich eine Fastenzeit nur als eine Zeit der Kur sehe, um überflüssiges Gewicht loszuwerden, dann kann ich sie zu jedem beliebigen Zeitpunkt im Jahr machen. Wenn ich im Blick auf Ostern faste, dann ist das nicht nur eine gesundheitliche oder kosmetische Maßnahme. Ein solches Fasten kann ein innerer Reinigungsprozess werden, der hilft den Geist frei zu machen, um meinen innersten Bedürfnissen, anderen Menschen und auch Gott bei mir mehr Raum zu schenken.

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Mit dem Aschermittwoch beginnt wieder so eine besondere Vorbereitungszeit auf das Osterfest. Insgesamt 46 Tage dauert sie, weil die sechs Fastensonntage nicht dazugezählt werden. Diese sind wie kurze Erholungszeiten, die dem Durchhalten dienen und auf das Wesentliche des Fastens hinweisen. Es ist mehr als ein zeitweiliger Verzicht auf Nahrungsmittel dazwischen. Es geht vielmehr um ein Überdenken der eigenen Haltungen, um eine Zeit der Umkehr und des Neubeginns. In dieser geprägten Zeit sind wir eingeladen mit liebevoller Aufmerksamkeit und voll Dankbarkeit auf unser gelungenes Leben zu blicken, aber auch Schwächen und Fehler, falsche Gewohnheiten und Abhängigkeiten ehrlich zu erkennen. Es geht nicht darum, all das in Folge nur so gut es geht zu meiden, auf manche Dinge nur oberflächlich zu verzichten. Es geht mehr darum umzudenken und im bewussten Verzicht auf eingeschliffene Verhaltensmuster und Selbstverständlichkeiten negative Einflüsse, Druck von außen und falsche Zwänge zu durchschauen, sie abzuwehren und so neue Lebensmöglichkeiten zu erproben.

Dabei ist ein offener Blick auf unsere notwendigen Bedürfnisse und unsere innersten Sehnsüchte wichtig. Bewusstes Verzichten ist eine Möglichkeit, verdrängte Sehnsüchte nach Gemeinschaft, Geborgenheit, Anerkennung und Liebe neu zu entdecken und Wege zu suchen, diese zu leben. Im alltäglichen guten Umgang mit den Menschen, im Teilen, im solidarischen Leben, im Mit-Leiden, im Dienst am Nächsten wird diese Lebenshaltung zeugnishaft sichtbar. Neben den wahren Bedürfnissen und tiefen Sehnsüchten bezüglich unserer alltäglichen Lebensgestaltung und einer achtsamen Beziehung zu den Mitmenschen kann hier auch die Sehnsucht nach einer neuen und tieferen Gottesbeziehung deutlicher werden. Beides fördert in uns Ausgeglichenheit und Selbstvertrauen und dient unserer seelischen Gesundheit. Wir werden so immer aufmerksamer für die Fallen unserer Abhängigkeiten, für unsere Umwelt sowie die Sinnhaftigkeit unseres Lebens. Dazu wünsche ich uns allen einen guten Start in die heurige Fastenzeit und viele kreative Aufbrüche im alltäglichen Leben.

P. Friedrich Prassl SJ

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Jesuitische Ausbildung für Leitungsaufgaben in Zentral- und Osteuropa

19.2.2020 | Christlich inspirierte Führung und Organisationskultur

Von April 2019 bis Februar 2020 nahmen wir am Kurs „Leadership in Jesuit Institutions in Central-Eastern Europe“ teil. Der Kurs war in vier einwöchige Module gegliedert. Die vierzehn Teilnehmer*innen des Kurses, darunter vier Jesuiten, kamen aus acht Nationen, mehr als 50% aus Osteuropa. Geleitet wurde die Ausbildung von Georg Nuhsbaumer, Leiter des Bereichs Christlich inspirierte Führung und Organisationskultur im Kardinal König Haus, und je nach Modul drei anderen Trainer*innen der Akademie für Sozialmanagement (ASOM).

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Drei der auf englisch abgehaltenen Module fanden im KKH statt, eines in der Republik Moldau. Wir setzten uns mit klassischen Themen von Leadership auseinander: Leadership-Modelle, Selbstmanagement, Kommunikation und Konflikte, Entscheidungsfindung, Organisationsentwicklung, Innovation, usw. Wegen der Verschiedenheit der Personen und der Unterschiedlichkeit der Organisationen der Teilnehmenden war das Interesse für die einzelnen Themen nicht immer gleich. Insgesamt haben wir aber von der Verschiedenheit profitiert und untereinander ein „Wir-Gefühl“ entwickelt, was im Blick auf unsere neue Provinz und darüber hinaus von Vorteil sein wird.

Katrin Morales und Markus Inama

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Eintauchen in die Stille

17.2.2020 | Spiritualität und Exerzitien

Es kann ganz verschiedene Gründe geben, warum sich jemand Ruhe und Stille wünscht. Abstand gewinnen von einem arbeitsreichen Alltag, Klarheit finden in einer persönlichen Frage, wieder zurückfinden zu dem, was mir in meinem Leben wirklich wichtig ist. Zugang finden zur inneren Quelle, zum Gott meines Lebens … In jedem Menschen gibt es einen inneren Raum der Stille. Mag auch der Weg dorthin nicht  sofort zu erkennen sein oder mag er zugewachsen sein wie in einem Dornröschenwald – es gibt ihn, diesen Weg zu unserem inneren Raum der Stille.

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Bei den Kontemplationstagen im Frühling wird es einen äußeren Rahmen der Stille geben, der dabei hilft, den Weg nach innen zu gehen. Einfache Übungen helfen dabei. Auf dem kontemplativen Weg üben wir uns in der Wahrnehmung. In der Natur sein und wahrnehmen – einmal ganz im Augenblick da sein – im Schauen sein oder im Hören... Wir üben und lernen aufmerksam zu sein. Den Leistungsdruck loslassen und hin zum liebevollen Wahrnehmen dessen, was sich mir jetzt gerade zeigt. Die Wahrheit zulassen. In ein einfaches Dasein kommen. Mir bewusst werden, dass Gott ein Gott der Gegenwart ist. Gott ist der „Ich bin da“, so wie er sich dem Mose am brennenden Dornbusch offenbart hat. Er spricht zu mir in Jesus Christus, der sagt: „Das Wasser, das ich dir geben werde, wird in dir zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt“ (Joh 4,4).

Das Angebot ist sowohl für Einsteiger*innen geeignet als auch für jene, die wieder neu anknüpfen oder den Weg vertiefen möchten.
Alle Informationen und Anmeldung finden Sie hier: www.kardinal-koenig-haus.at?va=28134

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Kritische Achtsamkeit in Organisationen fördern

6.2.2020 | Hospiz, Palliative Care, Demenz

Distanziert habe ich mich lange Zeit zu den Begriffen Selbstmitgefühl und Selbstachtsamkeit verhalten. Zu selbstbezogen sind mir diese Konzepte erschienen. Und ein wesentliches Element der Praxis von „Mindfulness“, einer Achtsamkeitspraxis, die derzeit vielerorts und in verschiedenen Kontexten angewandt wird, ist der Verzicht auf Bewertungen. Wie soll das gehen: In einer Leitungsposition nicht zu werten? Wo doch unsere Fähigkeit zu gestalten, zu interagieren, eine Wahl zu treffen immerfort Werturteile erfordert?

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Am Konzept der Achtsamkeit spricht mich gleichwohl vieles an: ich weiß um die nährende Kraft des Innehaltens und Innewerdens, der Unterbrechung, der Abkehr von der Eile. Nicht nur in der Betreuung ist mir die Stille kostbar geworden. Seit ich in der Leitung bin, brauche ich diese Zeiten noch mehr als früher. Übungen, die in die Präsenz, ins Gewahrsein des Augenblicks führen, sind für viele Menschen in der Hospiz- und Palliativarbeit unersetzliches Werkzeug.
Meine Erfahrung ist, dass es oft zunächst der Pause, der Unterbrechung, des Verzichts auf die rasche Antwort bedarf, wenn die Zeit nicht reif ist. Die Beziehungen, in denen wir stehen, sind meistens keine einfachen und eindeutigen, sondern vielschichtig und vielfältig, ambivalent und asymmetrisch, verletzlich oder gebrochen.

Zutaten für die Praxis von Achtsamkeit in der Organisation
In Organisationen braucht es dafür Räume und Zeiten, die gut im Alltag Platz finden können: in Eingangsrunden, in denen dem Ausdruck von Stimmungen, der Verbindung von privatem und beruflichem Leben Raum gegeben wird; in regelmäßiger Reflexion über die Ziele der Organisation, über die Inhalte des Leitbilds, der Orientierung unseres alltäglichen Handelns an unserem Auftrag. Irritationen geben dafür den Anlass und sind wichtige Hinweise. Da dürfen Leitungspersonen kreativ sein. Auch eine Pflege der Feedbackkultur gehört dazu. Nach einer Krise in unserer Organisation haben wir uns darauf verständigt, dass wir einander nicht nur positive Rückmeldung geben, sondern auch schwierige Erfahrungen in Offenheit und Transparenz miteinander teilen. Oft sagt die Irritation auch etwas über die Gesamtorganisation aus, ist diagnostisch fürs größere Ganze, eine Entwicklungschance für den Einzelnen und die Gesamtorganisation.
Achtsamkeit in der Organisation zu fördern heißt, den Alltagserfahrungen Beachtung zu schenken und sie daraufhin zu prüfen, was sie uns zu sagen haben. Die Maßnahmen dienen der Selbstsorge und dem Mitgefühl. Sie entlasten Supervision und beugen Krisen vor. Menschen, die dazu nicht bereit oder fähig sind, verlieren sich in einer Organisation, die mit schwer kranken und sterbenden Menschen zu tun hat. Die Organisation verliert sie. Dieser Verlust hat viele Gesichter: Kündigung, Bruch, innere Emigration, Erschöpfung.

Verletzlichkeit und Gastfreundschaft
In der ursprünglichen spirituellen Orientierung der Achtsamkeitspraxis liegt eine Handlungsmotivation, die stets über das eigene Wohlergehen hinausgeht, dieses transzendiert. Das ist der eine Strang, der zu beleben ist, für den der Gegenwartsbezug herzustellen ist: Wo ist diese Transzendenz erfahrbar? Wie kann in unserer pluralen Welt der Transzendenzbezug überhaupt zu gemeinsam erlebter Erfahrung werden, die für die Arbeit fruchtbar ist? Sodass unser Gestalten nützlich und heilsam ist? Wie gehen wir mit der Erfahrung von Leiden, Begrenztheit, Ungenügen um in unserer aufgeklärten Welt, die sich weithin dem Glück, der Grenzenlosigkeit und der Perfektion verschrieben hat?
Die Antwort von Henri J.M. Nouwen in seinem Essay über den verwundeten Heiler ist schlicht: Zunächst, indem wir die eigene Verletzlichkeit wahrnehmen, uns als Verwundbare begegnen. Dabei geht es in diesem Zusammenhang gar nicht um die großen existenziellen Erfahrungen: Es sind auch die ganz alltäglichen Grenzen – die Grenzen des Verständnisses, die Grenzen der Fähigkeiten, die Grenzen der Kraft – die weh tun.
Dann führt Henri Nouwen, überraschend, Gastfreundschaft an als die Atmosphäre, in der Verwundetes heilen kann. Die Elemente, die Gastfreundschaft möglich machen, so schreibt er, sind Konzentration und Gemeinschaft. Achtsamkeitspraxis als eine konzentrierte reflektierende und erfahrungsbezogene Auseinandersetzung mit der Welt stellt den Menschen selbst anders in die Welt. Sie führt zunächst hinein in die eigene Bedürftigkeit. Wo sie gelebt wird, stößt sie Diskurse an, in denen es um das Wesen der Dinge geht.
Wenn also Zeit für Konzentration und Raum für Gemeinschaft ist, können Irritation, Destabilisierung und schmerzhafte Erfahrungen fruchtbar für Entwicklung und Sinnstiftung werden. So ergibt sich als zentrale Aufgabe für Menschen in Leitungsfunktionen, heilsame gastfreundliche Räume von Konzentration und Gemeinschaft zu gestalten und zu pflegen.

Dr.in med. Elisabeth Medicus, langjährige ärztliche Leiterin der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft

Sie wollen sich näher der Bedeutung kritischer Achtsamkeit in Einrichtungen der Hospiz- und Palliativbetreuung auseinandersetzen? Am 29.5.2020 hält Elisabeth Medicus gemeinsam mit Patrick Schuchter dazu ein Seminar im Kardinal König Haus: www.kardinal-koenig-haus.at?va=28619

Literatur:
• Conradi E./Vosman F. (Hg.): Praxis der Achtsamkeit. Schlüsselbegriffe der Care-Ethik. Campus-Verlag 2016.
• Conradi E.: Take Care. Grundlagen einer Ethik der Achtsamkeit. Campus-Verlag 2001.
• Nouwen H.J.M.: The Wounded Healer. Doubleday & Company 1972.
• Kegan R./Laskow Lahey L.: An Everyone Culture. Becoming a Deliberately Developmental Organisation. Harvard Business Review Press 2016.
• Rösing I.: Der verwundete Heiler. Kritische Analyse einer Metapher. Asanger 2007.

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Was wird die Zukunft bringen?

16.1.2020 | Von unseren Gästen im Seminarzentrum

Das „Formation Gathering“ von 2. bis 5. Jänner 2020 im Kardinal König Haus war nicht nur ein Treffen junger Jesuiten aus den vier Provinzen GER (Deutschland, Schweden), HEL (Schweiz), LIT/LAT (Litauen und Lettland) und ASR (Österreich und Südtirol), welche ab 2021 zusammen die neue Provinz ECE (Europa Centralis) bilden werden. Alle vier (Noch-)Provinziäle, unser Ausbildungsdelegat sowie vier Gäste aus anderen Provinzen RAN (Ranji, Indien), RUS (russische Region), KHM (Kohima, Indien), MDU (Madurai, Indien) und EOF („Frankophones Westeuropa“) waren mit dabei.

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Insgesamt nahmen 37 Jesuiten am Treffen teil. Eine Frage stand dabei im Mittelpunkt: Was sind unter uns jungen Jesuiten im Blick auf die zukünftige Provinz ECE mit ihren Apostolatsfeldern und Strukturen unsere Erwartungen, Hoffnungen aber auch Bedenken und Sorgen?

Das „Formation Gathering“ war vonseiten der Provinziäle eine Gelegenheit, uns Scholastiker in die neue ECE-Struktur mit hineinzunehmen. Sie haben die Strukturen vorgestellt und unser Echo darauf gehört. Auch haben wir miteinander über die apostolischen Felder geredet. Das Treffen gab uns Raum für unsere Ideen, Visionen und Träume. Hilfreich dabei war die Moderation durch Mag. Georg Nuhsbaumer, den Leiter des Programmbereichs Christlich inspirierte Führung und Organisationskultur im Kardinal König-Haus sowie Moderator des „ECE-Prozesses“.

Als besonders gastfreundlich und herzlich erfuhren wir das Personal im Kardinal König Haus, angefangen vom freundlichen Empfang an der Rezeption über die ausgezeichnete Küche und Bewirtung bis hin zu den sauberen und schönen Zimmern. Gefreut haben wir uns auch über das Grußwort des Direktors P. Friedrich Prassl sowie über die Führungen von P. Gustav Schörghofer in der Jesuitenkirche und P. Michael Zacherl in der Stanislaus-Kostka-Kapelle. Ein herzliches Vergelt’s Gott dafür!

Einstimmig und dankbar können wir als „die Jungen“ feststellen, dass die Grundstimmung, die den ECE-Prozess trägt, hoffnungsvoll und positiv ist. Ein Scholastiker aus HEL sieht im Bild des Tanzens eine wünschenswerte Vision unserer zukünftigen Zusammenarbeit in der Provinz ECE: „Mein Traum ist, dass wir als Jesuiten tanzen lernen. Als Jesuiten tanzen wir zur Musik Gottes. Es ist wichtig, dabei die große Gruppe zu spüren.“ Das nächste Treffen wird in Vilnius (Litauen) stattfinden.

Sebastian Ortner SJ

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Wegsuche in der Stille – Kurzexerzitien für junge Erwachsene

15.1.2020 | Spiritualität und Exerzitien

Es ist wohltuend, einmal für ein Wochenende auszusteigen und Ruhe zu finden. Es ist klärend, in der Stille die inneren Bewegungen wahrzunehmen. Es ist hilfreich, in einem Gespräch die persönliche Situation und die auftauchenden Fragen angehen zu können. In den Kurzexerzitien, die für junge Erwachsene gestaltet sind, wird das möglich.

Es kann sein, dass jemand einfach diese geschützte Auszeit braucht, um wieder zu sich zu kommen. Es kann sein, dass sie oder ihn eine Situation oder Frage beschäftigt, die man Gott hinlegen und auch mit jemanden besprechen möchte.

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Vielleicht aber steht auch eine Entscheidung an, für die man sich Zeit nehmen möchte. Im Schweigen und in persönlichen Gebetszeiten sowie im Begleitungsgespräch soll für all das Raum gegeben sein.

Nach diesen Tagen wirken alle irgendwie immer gesammelter, aufgeräumter, hoffnungsvoller. Ein neues Bewusstsein kann wachsen, dass Gott alle Wege mitgeht. Und es entstehen im Schweigen Brücken zueinander.

Zweimal im Jahr bieten wir im Kardinal König Haus diese Exerzitien für junge Erwachsene an, einmal im Frühjahr, einmal im Herbst. Darüber hinaus gestalten wir Jesuiten gemeinsam mit Schwestern aus Ordensgemeinschaften noch weitere solche Exerzitien an anderen Orten. Diese Exerzitien-Tage wollen helfen, sich selber, Gott und dem Nächsten wieder einen Schritt näher zu kommen.

P. Josef Maureder SJ

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Die Qualität von Beziehungen im Fokus – Gabriele Hetzmannseder im Interview zum Wesentlichen des Sozialmanagements

13.1.2020 | Akademie für Sozialmanagement

Das ASOM Symposium 2020 trägt den Titel Das Wesentliche Managen. Was ist für Sie das Wesentliche im Sozialmanagement? Worauf kommt es an?
Das Feld der Sozialen Organisationen ist spezifisch: Die Dienstleistungsanforderungen sind aufgrund der individuellen Bedürfnisse der Menschen, die wir begleiten, täglich andere. Die Qualität ist nur bedingt messbar. Soziale Organisationen sind kleinteilig und disloziert, in multiprofessionellen Teams organisiert. Die Finanzierung erfolgt vorrangig über die öffentliche Verwaltung, die ihrerseits von politischen Schwerpunktsetzungen abhängig ist. Das sind höchst spannende Herausforderungen!

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Das Wesentliche im Sozialmanagement besteht für mich darin zu erkennen, dass der Wert und die Qualität der zu erbringenden Dienstleistung mit der Qualität der Begegnung von Menschen steht und fällt. Dies betrifft die Interaktionen der Mitarbeitenden mit den Kund¬*innen, die sie begleiten, und die Interaktionen aller Mitwirkenden in der Organisation. Die Haltung und Persönlichkeit jeder und jedes Einzelnen zählt.
Dafür braucht es hohe fachliche Kompetenz aller Beteiligten und motivierende Rahmenbedingungen: Das betrifft Strukturen und Qualitätsmanagement, Recruiting, Personalentwicklung und Führung der Mitarbeitenden. Dieser Rahmen soll es Mitarbeiter*innen ermöglichen, den komplexen Arbeitsauftrag bestmöglich umzusetzen und dies engagiert und gerne zu tun.

Hat sich das im Laufe Ihres Berufsleben verändert? Was ist schon seit Jahrzehnten wesentlich? Was ist neu?
Hohe Qualität der Interaktionen war immer schon wichtig. Über die beinahe 30 Jahre, die ich als Führungskraft tätig bin, kam es zu sehr positiven Entwicklungen wie z.B. zu Ausdifferenzierungen der Dienstleistungen, zu kleineren Organisationseinheiten im Sinne einer erhöhten Kund*innenorientierung, zu Standardisierung und Professionalisierung und Anwachsen von Managementkompetenz. Aber auch Überreglementierungen, Absicherungstendenzen und immer detailliertere Rechtfertigungsanforderungen gegenüber Kostenträgern sowie, damit verbunden, die Reduktion auf wirtschaftliche Effizienz waren Entwicklungen dieser Jahre.
Neu ist, und das sehe ich als wichtige Gegenbewegung, dass nun die Basis der Sozialen Arbeit, die Werte und die Qualität von Beziehungen wieder mehr Gewicht erhalten. Untermauert durch empirische Untersuchungen werden die menschlichen Anforderungen an die Soziale Arbeit wieder verstärkt in den Fokus gerückt. Das freut mich sehr!

Was würden Sie Ihrem 29-jährigen Ich, die gerade in die Führung gekommen ist, aus heutiger Sicht raten?
In der damaligen Situation gab es kaum definierte Rahmenbedingungen, keine definierten Kommunikationsstrukturen, keine standardisierten Einschulungen oder sonstige Standardisierungen in der Organisation, was ich schon damals sehr kritisch gesehen habe. So gesehen würde ich vielleicht aus heutiger Sicht noch rascher diese Themen ansprechen und weiterentwickeln.
Ich würde aber auch die Vernetzung mit anderen Organisationen verstärkt suchen: mit dem Ziel, die Leistung der sozialen Organisationen sichtbar zu machen und den Stellenwert der Sozialen Arbeit in Politik und Gesellschaft zu erhöhen. Denn die Anforderungen an das Sozialmanagement sind hochkomplex, und die vorhandenen Kompetenzen vor allem hinsichtlich Kommunikation und Führung werden oft unterschätzt – von außen, aber auch von uns selbst.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Was wird 2030 im Sozialmanagement wichtig sein?
Die beschleunigte Entwicklung der letzten Jahre wird weiter gehen – Stichwort Digitalisierung – und wird uns vor völlig neue Herausforderungen stellen. Wir werden noch flexibler und schneller sein müssen, was vielleicht die Chance auf verstärkte Wirkungsorientierung mit sich bringt. Für die Dienstleistungen rechne ich mit erhöhten Anforderungen der Kund*innen, d.h. das Angebot an Dienstleitungen wird noch durchlässiger und differenzierter.
Die Hauptherausforderung sehe ich aber im absehbaren Fachkräftemangel. Hier besteht die Gefahr, dass ein Wettbewerb zwischen den Organisationen entsteht, der die positiven Beziehungen zwischen den Organisationen belastet. Jene Organisationen, die Fachkräfte mit pflegerischen Qualifikationen brauchen, stehen bereits jetzt in massivem Wettbewerb mit den Gesundheitseinrichtungen und haben die schlechteren Gehaltskarten. Diese Herausforderung können wir auch mit bestem Sozialmanagement nicht bewältigen, hier brauchen wir Unterstützung durch Politik und Kostenträger.

35 Jahre ASOM: Die Wichtigkeit von Führungskräfteausbildungen ist unumstritten. Was macht die ASOM so besonders aus Ihrer Sicht?
Die Führungskräfte sind die Schlüsselpersonen. Speziell vor Ort haben sie großen Einfluss: Ihre Haltung gegenüber Kund*innen und Mitarbeitenden und ihre fachliche Kompetenz beeinflussen die Stimmung im Team, die Motivation der Mitarbeitenden und die fachliche Qualität – damit steuern sie die Qualität der Dienstleistung ganz wesentlich.
Das Besondere an den ASOM Führungskräfteausbildungen ist aus meiner Sicht die ideale Verbindung zwischen Theorie und Praxis. Coachingtage und Besuche der Teilnehmer*innen in den Organisationen etwa werden von den Führungskräften als sehr bereichernd erlebt.
Zudem weiß ich, dass die fachlichen Inhalte für Führungskräfte state of the art sind – die ASOM ist am Puls der Zeit. Und ich habe die Sicherheit, dass die Haltung, die den Führungskräften vermittelt wird, jene Haltung ist, die in sozialen Organisationen erforderlich ist: ein Menschenbild im Sinne von Wertschätzung und Begegnung auf Augenhöhe.
Schließlich unterstützt die ASOM den Dialog zwischen den sozialen Organisationen und Gesundheitsorganisationen – das ist bereichernd für alle!
35 Jahre ASOM – da kann ich nur ganz herzlich gratulieren und wünsche uns im Sozialmanagement noch weitere 35 Jahre mit diesem kompetenten Partner für Führungskräfteentwicklung!

Danke für die lieben Wünsche Fr. Hetzmannseder und herzlichen Dank für das Interview!

Mag.a Gabriele Hetzmannseder, MBA ist Geschäftsführerin von HABIT – Haus der Barmherzigkeit Integrationsteam GmbH. Sie ist eine der Keynote-Speaker*innen beim ASOM-Symposium am 14.1.2020. Das Interview führte Johannes Jurka.

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