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Nachrichten

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Wissenschaftliche Evaluation

16.1.2019 | Akademie für Sozialmanagement

Was Absolvent/innen ganz oft direkt rückmelden, wurde jetzt auch wissenschaftlich bestätigt: 94% würden sich wieder für einen Lehrgang an der ASOM entscheiden und 96% würden ihn an Ihre Mitarbeiter/innen weiterempfehlen.

Doris Nazarevic hat im Rahmen ihrer Masterarbeit “Evaluierung von Lehrgängen für Führungskräfte in der Sozialwirtschaft. Eine quantitative Analyse aus Sicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer” Rückmeldungen von über 100 Alumni der ASOM analysiert. Die Arbeit, die nicht von der ASOM beauftragt und auf Initiative von Doris Nazarevic durchgeführt wurde, ist 2018 am FH Campus Wien erschienen.

Nachlesen können Sie die Studie hier:

PDF-Datei: Masterarbeit_Doris Nazarevic

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"Meine Trauer wird dich finden."

9.1.2019 | Hospiz, Palliative Care und Demenz

Dipl.-Psych. Roland Kachler im Gespräch mit Christian Metz

Trauer & Mut: Was kann / könnte Menschen dazu ermutigen, sich mit ihrem Verlust-Erleben und Trauerschmerz auseinanderzusetzen?
Es ist die überraschende Erfahrung, dass wir in der Trauer unserem verstorbenen Menschen nahe sein können. Das verleiht uns den Mut, den intensiven Schmerz des Verlustes zuzulassen. Es ist auch das Wissen, dass die Trauer nichts anderes ist als die schmerzende Seite der Liebe.  Im Erleben der Trauer leben wir also unsere Liebe zu unserem Angehörigen, in der Trauer zeigen wir unsere Liebe, so schmerzlich sie im Verlust auch sein mag. Es macht Mut zu wissen, dass im Zulassen die Trauer abfließen kann und immer mehr die Liebe gelebt werden kann.

Was erscheint Ihnen für den Umgang mit Trauer / Trauergefühlen bedeutsam, damit dadurch (neues) Leben unterstützt und gefördert wird?
Zunächst geht es darum, den Verlustschmerz zuzulassen. Vor der Trauer kommt eigentlich der schreiende Schmerz. Deshalb unterstütze ich Trauernde, ihren Schmerz herauszuschreien. Dann leite ich Trauernde an, zum Beispiel am Grab oder an der Unfallstelle, die Trauer im Körper zu spüren, dann in die Trauer zu atmen und schließlich im Atmen das Weinen zuzulassen.

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Andere Trauernde, insbesondere wir Männer, spüren das Trauern mehr im aktiven Tun, wie zum Beispiel beim Joggen. Immer geht es darum, die Trauer ins Spüren, ins Fließen und in die Bewegung zu bringen. Fließende und bewegende Trauer führt in das Leben, zu dem dann eine innere Beziehung zum Verstorbenen gehören darf.

(Wie) kann die schmerzlich erlebte Abwesenheit bzw. der unwiederbringliche Verlust von etwas Liebgewonnenem durch Trauerbegleitung entsprechend gewürdigt und zugleich eine fortdauernde Bindung angeregt werden?
Trauernde sollten immer wieder ganz bewusst die Abwesenheit des verstorbenen Menschen spüren, zum Beispiel den leeren Platz am Esstisch wahrnehmen oder das Fehlen des verstorbenen Menschen bei einem Familienfest aussprechen. Beim Einlassen auf diese Abwesen­heit entstehen dann auch Erfahrungen der Anwesenheit und Nähe zum nahen Menschen. Ich spüre ihn in meinem Herzen, manchmal sehe ich ihn vor mir, ich rede mit ihm oder ich träume von ihm. Das sind ganz normale und wichtige Erfahrungen, in denen nun eine innere Verbundenheit entstehen kann. Trauernde können dies unterstützen, indem sie zum Beispiel alle Erinnerungen aufschreiben oder dem verstorbenen Menschen Briefe schreiben.

Worauf sollten (ehrenamtlich tätige) Trauerbegleiter/innen vor allem achten, um sich selbst nicht zu überfordern? Woran lässt sich ein erforderlicher Übergang bzw. eine notwendige Erweiterung von Trauerbegleitung hin zu professioneller Trauertherapie bemerken?
TrauerbegleiterInnen können es der Trauer und der Liebe überlassen, damit der Trauernde einen Weg durch die Trauer und in der Liebe zum verstorbenen Menschen findet. Sie selbst müssen nicht trösten oder etwas leichter machen, aber wenn sie die Trauernden unterstützen, eine innere Beziehung zum Verstorbenen zu finden, dann wirkt das tröstlich. Wir brauchen Trauerbegleitung, damit dieser Trauer- und Beziehungsprozess nicht zu einem Stillstand kommt, sondern im Fließen und in der Bewegung bleibt. Sollte das Fließen der Trauer und der Liebe zum Stillstand zum Beispiel in einer Depression kommen, dann ist professionelle Trauertherapie nötig.

Welchen Beitrag leistet im Besonderen der hypnosystemische Ansatz in der Trauerarbeit?
Dieser von mir aus dem eigenen Verlusterleben entwickelte Ansatz ist ein beziehungs- und bindungsorientierter Ansatz. Deshalb ist der Trauer­prozess immer auch ein Beziehungs­prozess, in dem die Trauernden zum Beispiel einen sicheren Ort für den Verstorbenen finden, damit sie nun dorthin die innere Beziehung zu ihm leben können. Oft gibt es in der inneren Beziehung zum Verstorbenen auch noch etwas Offenes oder einen Konflikt zu klären. Dies erfordert Klärungs- und Konfliktarbeit in der inneren Beziehung zum Verstorbenen. Ziel ist es, dass eine innere und zugleich freie Beziehung entsteht, die dann Teil eines weitergehenden Lebens nach einem schweren Verlust sein darf. Im hypnosystemischen Ansatz gibt es viele Methoden und Wege den Trauer- und Beziehungsprozess zu fördern. Deshalb ist dieser Ansatz gerade auch bei schweren Verlusten wie zum Beispiel durch den Suizid eines Angehörigen sehr hilfreich.

Ich danke Ihnen für das Gespräch!

Publikationen von Roland Kachler:
Meine Trauer wird dich finden. Ein neuer Ansatz in der Trauerarbeit.
Hypnosystemische Trauerbegleitung. Ein Leitfaden für die Praxis.
Sei dein eigenes Wunschkind. Lerne dein inneres Kind zu lieben.
Nachholende Trauerarbeit Hypnosystemische Beratung und Psychotherapie bei frühen Verlusten.

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Mehr durch Reduktion

3.1.2019 | Impuls und Information des Direktors

Reduktion bedeutet nicht immer sofort Verlust und Trauer, ein Weniger im quantitativen Sinn, eine Verringerung an Bedeutung, an Einfluss, an Macht. Reduktion bedeutet, zum Wesentlichen zu kommen. Reduktion kann dabei helfen, in unserem Denken, Reden und Tun einfacher, direkter und ehrlicher zu werden. Reduzieren setzt voraus, bestimmte Vorstellungen, Vorurteile und fixe Konzepte loslassen zu können, wenn sie nicht mehr zielgerecht sind. Das Ziel ist mehr Freiheit, Mut zu Neuem und Zufriedenheit – ein qualitatives „Mehr“. Dieses besondere „Mehr“ ist paradoxerweise eher durch eine bewusste Reduktion in persönlichen Lebensbereichen wie auch in Organisationsstrukturen zu erreichen.

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Dadurch entsteht oft ein neuer Spielraum für andere, offene Betrachtungsweisen des Lebens und anstehender Fragen. Dieses Neu-Betrachten bringt Qualitäten wie Einsicht und Verständnis für eine Gesamtsituation oder auch Klarheit, was zu tun ist, mit sich. Es ermutigt zu Veränderungen, sich auf neue Themen, die aktuell wichtig sind, einzulassen.

In den vergangenen Monaten hat es im Team der Bereichsleiter/innen, im Aufsichtsrat und mit den Eigentümervertretern einen intensiven Prozess über die inhaltliche und strukturelle Weiterführung der Bildungsbereiche des Kardinal König Hauses gegeben. Insbesondere waren davon die beiden Bereiche „Flucht, Migration und gesellschaftlicher Zusammenhalt“ und „Gesellschaftsfragen“ berührt. Das Ergebnis der mehrmonatigen internen Beratungen ist die Neukonzeption von zwei Bildungsbereichen, nämlich Gesellschaft im Dialog und „Christlich inspirierte Führung und Organisationskultur“. Die konkrete Ausgestaltung dieser beiden Bildungsbereiche wird seit November 2018 durchgeführt. Die Themen der bisherigen Bereiche „Gesellschaftsfragen“ und „Flucht, Migration und gesellschaftlicher Zusammenhalt“ werden wir in den beiden neuen Bereichen erweitern und vertiefen.
Ich freue mich, mit Frau Dr.in Katharina Novy eine sehr erfahrene Leiterin für den neuen Bildungsbereich „Gesellschaft im Dialog“ des Kardinal König Hauses gewonnen zu haben. Zu ihren persönlichen Schwerpunkten zählen politische und gesellschaftliche Fragestellungen, zuletzt etwa Politik mit der Angst, Gefährdungen der Demokratie oder interkulturelle Themenfelder. Die Entwicklung, Organisation und Durchführung von Bildungsveranstaltungen zu Themen mit gesellschaftlicher Relevanz werden den neuen Bereich prägen. Dazu zählen Themen wie z.B. gesellschaftlicher Zusammenhalt, soziale Gerechtigkeit, Migration und Flucht, freiwilliges Engagement sowie Ökumene und interreligiöser Dialog.

Georg Nuhsbaumer wird im zweiten neu konzipierten Bildungsbereich Christlich inspirierte Führung und Organisationskultur weiterhin als Bereichsleiter tätig sein. Er konzentriert sich in diesem Rahmen verstärkt auf Training, Vernetzung und Beratung von Personen und Organisationen sowie auf die Konzeption von Lehrgängen und Seminaren für Führungskräfte.
Wir sind überzeugt, dass die thematische Ergänzung beider Bereiche und die Zusammenarbeit mit den anderen Bildungsbereichen eine qualitative, inhaltliche Weiterentwicklung unseres Bildungszentrums bewirken wird.

P. Friedrich Prassl SJ

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Kann man die defekte Demokratie reparieren?

Ingolfur Blühdorn im Gespräch mit Ursula Baatz

Wie sehen Sie den Zustand der Demokratien in Europa?

Die vielfältigen Formen der Demokratie in Europa und die ebenso vielfältigen politischen Kulturen erlauben kaum verallgemeinernde Aussagen. Von meinen Studierenden an der WU Wien höre ich oft, dass Demokratie etwas mühsam und ineffizient sei, aber insgesamt doch recht gut funktioniere.

Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive ist klar, dass die liberale, repräsentative Demokratie derzeit im Umbruch ist. Lange schon hatten wir ihre Krise konstatiert;

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etwas jünger ist die Rede von der Postdemokratie; aktuell spricht man meist von Formwandel.Dies alles weicht aber der zentralen Frage aus, was die Auslöser, Treiber und Richtung dieses Prozesses sind.

Was sind die größten Hindernisse zurzeit für Demokratie in Europa?

Ein gängiges Argument ist, dass vor allem Neoliberalismus und Rechtspopulisten die liberale Demokratie bedrohen. Beides ist richtig, doch das Problem liegt tiefer: moderne Gesellschaften haben sich strukturell und kulturell von vielem gelöst, was für die liberale Demokratie konstitutiv ist. Die Demokratie wird daher dysfunktional. Es entfaltet sich eine Legitimitätskrise der Demokratie, die zum Wandel ihres normativen Kerns führt.

In welche Richtung sollte sich die Demokratie weiter entwickeln?

Wahrscheinlich hält sich „die Demokratie“ nicht an Empfehlungen für ihre zukünftige Entwicklung. Solche Empfehlungen dienen vor allem der persönlichen Darstellung derer, die sie aussprechen. Sie verschleiern, dass wesentliche Teile der Gesellschaft sich von  demokratischen Prinzipien und aus der demokratischen Mündigkeit verabschiedet haben, um sich so mehr persönliche Freiheit und ein besseres Leben zu sichern. Die Vorstellung, man könne mit ein paar handwerklichen Kunstgriffen und etwas politischem Ingenieurswissen die defekte Demokratie reparieren, während die Digitalisierung, als gesellschaftliches Großprojekt, ihren innersten Kern, den mündigen Bürger, in abstrakte Datasets auflöst, hat etwas verzweifelt Groteskes.


Univ.-Prof. Dr. Ingolfur Blühdorn
ist Leiter des Instituts für Gesellschaftswandel und Nachhaltigkeit an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Die Fragen stellte Dr.in Ursula Baatz, Kuratorin des Symposions Dürnstein. Alle Informationen zum Symposion finden Sie unter www.symposionduernstein.at.