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Nachrichten

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Für die Menschen in der Kirche

13.3.2019 | Impuls des Direktors

Der ehemalige Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio, wurde am 13. März 2013 von den Kardinälen zum 266. Papst der römisch‐katholischen Kirche gewählt: Der erste Lateinamerikaner, der erste Jesuit in diesem Amt – wahrscheinlich auch der letzte! – und der erste Papst mit den Namen „Franziskus“. Er wollte „die Armen nicht vergessen“, daran hat ihn Kardinal Cláudio Hummes beim Konklave erinnert. In sechs Jahren ist deutlich geworden, dass der Name wirklich Programm ist. Er ergreift ständig Partei für Arme und Ausgegrenzte weltweit. Was er immer wieder zum europäischen Flüchtlingsdrama gesagt hat, war ein klares Signal gegen eine sich ausbreitende „Globalisierung der Gleichgültigkeit“.

Der Papst wirbt seit sechs Jahren für eine missionarische Kirche, die sich an die Ränder wagt, die ganz konkret Kontakt aufnimmt mit Armen auf der Straße. Er hat Gescheiterte im Blick, er redet mit Andersdenkenden, Andersgläubigen oder Atheisten. Er hat Respekt vor ihnen und mag sie. Er möchte mit den Menschen ins Gespräch kommen, nicht nur mit den Frommen.

Papst Franziskus hat frischen Wind in die Kirche gebracht, eine neue Dynamik – in vielerlei Hinsicht. Es ist ein anderer Stil, ein anderer Ton, der vorherrscht. Papst Franziskus macht Mut zu Veränderungen und Neuaufbrüchen, wo er nur kann Er arbeitet in der Kirche an Reformen auf verschiedenen Ebenen. Sein eigenes Amt und andere Leitungsämter der Kirche sind davon nicht ausgenommen. Es geht Papst Franziskus in seinen Apostolischen Schreiben um wirkliche Veränderungen, Schritt für Schritt. Laudato si stellt brennende ökologische Fragen und Verantwortungen in den Mittelpunkt. Die bevorstehende Amazonas-Synode soll die weltweite Aufmerksamkeit auf dieses wichtige Welt-Thema richten.

Papst Franziskus nutzt die Autorität seines Amtes, um auch in der internationalen Politik zu intervenieren. Ob im Syrien‐Konflikt, im Einsatz für Frieden in der Ukraine, der Besuch in Saudi-Arabien, Abkommen mit China, Besuche in Süd- und Mittelamerika, in Afrika – er kennt die Brennpunkte der Welt, und er kümmert sich dabei nicht nur um katholische Anliegen. Er weiß, dass sich die Dinge nicht von heute auf morgen ändern lassen.

Papst Franziskus fordert zu mehr Barmherzigkeit auf. Das ist wie eine ständige Kennmelodie seines Pontifikats geworden. Nähe ist das Kennzeichen seiner Seelsorge, die den Menschen im Blick hat und nicht zuerst das Kirchenrecht. Sehr rasch sprach er davon, dass das Heilen von Wunden vorrangig ist. Der Papst berührt Menschen und er lässt sich berühren Die Aura der Unnahbarkeit ist weg. Er gibt Interviews. Er greift selbst zum Telefon und macht überraschende Besuche. Jugendliche waren bei vielen Treffen mit ihm begeistert. Man nimmt ihm ab, was er sagt, weil es echt ist: er bringt einfache und eingängige Bilder, nicht eine abstrakte theologische Sprache, die nur Insider verstehen. Klerikalismus und Karrierismus sind für ihn Reizworte.

Papst Franziskus hat in sechs Jahren atmosphärisch einiges verändert. Es herrscht weniger Angst in der Kirche, kritische Fragen und sogenannte „heiße Eisen“ anzusprechen. Der Papst lädt selbst dazu ein. Einige seiner Mitbrüder im Vatikan, aber nicht nur dort, scheinen sich damit schwerer zu tun als die Menschen, die bei Audienzen den Petersplatz füllen oder die Texte des Papstes lesen. Themen wie die pastoral drängende Frage des Umgangs mit geschiedenen Wiederverheirateten, die Beziehungen zur evangelischen Kirche, das Thema des Missbrauchs will er nicht einfach per Verordnung bearbeiten oder durch „Dubia“ und „Glaubensmanifeste“ von Kardinälen lösen lassen. In großer Spontaneität und Direktheit legt der 82-jährige Papst nach wie vor ein unerwartetes Tempo vor.

Papst Franziskus ist dabei ein geistlicher Mensch geblieben, der viele Situationen in der Welt und in der Kirche ganz pragmatisch und direkt anspricht, nicht als taktierender Politiker oder schöngeistiger Theologe. Dass er vor allem auf biblischer und jesuanischer Basis nach Träumen und Visionen von Kirche der Menschen fragt und selbst davon erzählt, ist für mich ein ermutigendes Zeichen, das aufrüttelt. Die Menschen stehen dabei immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Papst Franziskus.

Ich bin sehr dankbar für diesen Papst und ein wenig stolz, dass er im Herzen ein Jesuit geblieben ist!

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Eintauchen in die Stille

7.3.2019 | Spiritualität und Exerzitien

In jedem Menschen gibt es einen inneren Raum der Stille.
Mag auch der Weg dorthin nicht  sofort zu erkennen sein oder mag er zugewachsen sein wie in einem Dornröschenwald - es gibt ihn, diesen Weg zu unserem inneren Raum der Stille.

Bei den Kontemplationstagen im März wird es einen äußeren Rahmen der Stille geben, der dazu hilft, den Weg nach innen zu gehen.
Einfache Übungen helfen dabei.
Auf dem kontemplativen Weg üben wir uns in der Wahrnehmung.
In der Natur sein und wahrnehmen – einmal ganz im Augenblick da sein – im Schauen sein oder im Hören...

Wir üben und lernen, aufmerksam zu sein. Den Leistungsdruck loslassen und hin zum liebevollen Wahrnehmen dessen, was sich mir jetzt gerade zeigt. Die Wahrheit zulassen. In ein einfaches Dasein kommen.
Mir bewusst werden, dass Gott ein Gott der Gegenwart ist.
Gott ist der „Ich bin da“, so wie er sich dem Mose am brennenden Dornbusch offenbart hat.
Er spricht zu mir in Jesus Christus, der sagt: „Das Wasser, das ich dir geben werde, wird in dir zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ (Joh 4,4)

Das Angebot ist sowohl für Einsteiger/innen geeignet als auch für jene, die wieder neu anknüpfen oder den Weg vertiefen möchten.

Einführung in Kontemplation 15.-17.03.2019

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Wegsuche in der Stille

27.2.2019 | Spiritualität und Exerzitien

Es ist wohltuend, einmal für ein Wochenende auszusteigen und Ruhe zu finden. Es ist klärend, in der Stille die inneren Bewegungen wahrzunehmen. Es ist hilfreich, in einem Gespräch die persönliche Situation und die auftauchenden Fragen angehen zu können. In den Kurzexerzitien, die für junge Erwachsene gestaltet sind, wird das möglich.

Es kann sein, dass jemand einfach diese geschützte Auszeit braucht, um wieder zu sich zu kommen. Es kann sein, dass sie oder ihn eine Situation oder Frage beschäftigt, die man Gott hinlegen und auch mit jemanden besprechen möchte.

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Vielleicht aber steht auch eine Entscheidung an, für die man sich Zeit nehmen möchte. Im Schweigen und in persönlichen Gebetszeiten sowie im Begleitungsgespräch soll für all das Raum gegeben sein.

Im März gestalten wir wieder diese Exerzitien. Dieses Angebot ist bereits ausgebucht. Aber es wäre jetzt schon möglich, sich für solche Kurzexerzitien für junge Erwachsene im November (15.-17.11.) in unserem Haus zu melden. Nach diesen Tagen wirken alle irgendwie immer gesammelter, aufgeräumter, hoffnungsvoller. Ein neues Bewusstsein kann wachsen, dass Gott alle Wege mitgeht. Und es entstehen im Schweigen Brücken zueinander. Insgesamt haben in den letzten beiden Jahren bereits 40 junge Frauen und Männer an solchen Exerzitien teilgenommen.

Zweimal im Jahr bieten wir im Kardinal König Haus diese Exerzitien für junge Erwachsene an, einmal im Frühjahr, einmal im Herbst. Darüber hinaus gestalten wir Jesuiten gemeinsam mit Schwestern aus Ordensgemeinschaften noch weitere solche Exerzitien an anderen Orten. Diese Exerzitien-Tage wollen helfen, sich selber, Gott und dem Nächsten wieder einen Schritt näher zu kommen.

P. Josef Maureder SJ

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Die Kunst, mutig zu sein

14.2.2019 | Spiritualität und Exerzitien

Sr. Dr.in Melanie Wolfers SDS, Theologin, Seelsorgerin, Referentin und Bestsellerautorin, im Gespräch mit P. Josef Maureder SJ

Frau Wolfers, in Ihrem neuen Buch dreht sich alles rund ums Thema Mut. Was hat Sie dazu veranlasst?
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Ängste das persönliche und gesellschaftliche Leben zunehmend bestimmen. Die Angst, etwas falsch zu machen oder sich Schrammen zu holen, hindert Menschen daran, ihr Leben mit beiden Händen zu ergreifen und Neues zu wagen. Etwa: Da sagt jemand Ja, obwohl er Nein meint.

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Da dürstet jemand nach Nähe – aber zeigt es nicht aus Angst, erneut verletzt zu werden. Oder man fühlt sich mies und elend – und bleibt doch lieber im vertrauten Unglück hocken als Neues zu wagen. Zugleich haben es viele satt, immer nur vorsichtig, quasi unter Vorbehalt zu leben. Sie wollen mutig leben. Aus vollem und ganzem Herzen. In meinem Buch beschreibe ich, wie man die Zuversicht bewahrt, um Spielräume zu entdecken. Wie man seinen Lebensmut wiederfindet oder stärkt und Gestaltungsmöglichkeiten nutzt. Denn dies ist heute wichtiger denn je.

Was verstehen Sie unter Mut?
Mut ist die Kraft zum Trotzdem. Die verbreitete Annahme, dass Mut und Angst sich gegenseitig ausschließen, halte ich für falsch. Mut und Angst bilden eine innere Spannungseinheit. Und sie brauchen einander! Denn nur in ihrem Zusammenspiel können sie einen schützen einerseits vor Tollkühnheit und unverantwortlichem Leichtsinn. Und andererseits davor, sich von Angst sklavisch lähmen zu lassen. Auf den Punkt gebracht: Mut ist, wenn ich trotz und mit meiner Angst etwas wage, weil ich es als richtig erkannt habe. Mut ist, wenn anderes wichtiger wird als meine Angst.

Das klingt so, als ob Sie Mut mitten im Alltag des Menschen verorten…
Genau! Unter Mut wird häufig verstanden, sich in außergewöhnlichen Situationen heldenhaft zu verhalten. Doch sein eigentliches Revier ist der konkrete Alltag! Ich bin überzeugt: Jeder kennt das befriedigende Gefühl, mutig gewesen zu sein. Und jede und jeder will mutig sein. Denn Mut öffnet die Tür zum Leben.

Was war für sie die überraschendste Einsicht in Ihrer Beschäftigung mit dem Thema Mut?
Zunächst ist mir deutlich geworden: Mut beinhaltet immer auch Mut zur Verwundbarkeit. Und dann die überraschendste Einsicht, die auf mich gewartet hat: Verletzlichkeit steht auch am Ursprung jener Emotionen und Erfahrungen, nach denen Menschen sich sehnen. Denn ganz gleich, ob man jemanden über alles liebt, man sich zu sich selbst bekennt oder für eine Sache leidenschaftlich kämpft – in all diesen Situationen macht man sich berührbar, verwundbar.

Kapitelüberschriften Ihres Buches lauten: „Ichwärts. Oder: Vom Mut zum eigenen Leben“, „Duwärts: Das schöne Wagnis, jemandem zu vertrauen“, „Weltwärts“ oder „Vorwärts“. Welche Stolpersteine liegen einem beherzten Leben im Weg?
Ein erster Stolperstein liegt in einem allzu großen Sicherheitsstreben. Auf gesellschaftlicher Ebene führt der Megatrend Sicherheit in manche Sackgassen und kann unsere Freiheit und Demokratie gefährden. Auf der individuellen Ebene behindert er Wachstum und Entfaltung.
Ein zweiter Stolperstein ist die Annahme, Verwundbarkeit sei eine Schwäche. Doch sie zuzulassen hat vielmehr mit Mut zu tun! Ein weiteres Hindernis, das sich einem Leben aus „erster Hand“ entgegenstellt, ist eine allzu starke Anpassung und Außenorientierung. Denn eine solche Haltung entfremdet von sich selbst und vom anderen. Und eine schwer zu nehmende Hürde: die Scham. Scham ist ein fürchterliches Gefühl. Wenn Scham nach einem greift, fühlt man sich wertlos, zu klein geraten oder irgendwie ‚daneben‘. Auf diese Weise hält Scham einen davon ab, auf der Bildfläche des Lebens zu erscheinen und entschlossen zu leben.

Ihre Bücher drehen sich um sehr menschliche Themen. Dabei sind Sie doch Theologin! Da könnte man doch erwarten, dass Sie über Gott und Glauben, Gnade und Gebet schreiben?!
Spreche ich erst dann über Gott, wenn ich über fromme Themen schreibe oder kirchliches Vokabular verwende - übrigens ein Vokabular, das die meisten ohnehin nicht mehr verstehen?
Zur Mitte des christlichen Glaubens gehört die Überzeugung: Wo Menschen in einen wahren Dialog treten – mit sich, mit anderen, mit der Natur, der Kunst, dem Leben – da ereignet sich Gott. Mitten im Menschlichen ereignet sich Göttliches. Oder wie Martin Buber sagt: Alles wahre Leben ist Begegnung. Durch meine Bücher und Veranstaltungen möchte ich einen „Raum der Nachdenklichkeit“ schaffen, in dem Menschen mit sich und dem Leben in Dialog treten. In dem sie auf wesentliche Fragen stoßen und ihre Antworten geben. Und immer wieder deute ich Grunderfahrungen im Licht der biblischen Spiritualität. Denn deren große Erzählungen haben uns auch heute viel zu sagen!

Sie haben eingangs gesagt, dass Ängste zunehmend auch das öffentliche Leben bestimmen. Behandeln Sie in Ihrem Buch die gesellschaftliche Dimension von Mut und Zivilcourage?
Ja! Ich frage etwa, wie wir in Erziehung und Bildung jungen Menschen Rückenwind geben können, so dass sie ihr Leben mit beiden Händen ergreifen. Und gerade angesichts einer Gesellschaft, in der sich das sogenannte „Recht des Stärkeren“ schleichend durchsetzt, zeige ich auf: Wir müssen den Menschen als verletzliches und zerbrechliches Wesen in den Mittelpunkt unseres Nachdenkens stellen. Denn nur dann werden wir eine Kultur der Solidarität und Gerechtigkeit entwickeln können.

Sie sind Ordensfrau. Hilft Ihnen der christliche Glauben, couragiert zu leben?
Ich erfahre meinen Glauben als einen Resonanzraum, in dem meine Angst zur Sprache kommen kann. Und manchmal stellt sich im Beten das leise Ahnen ein, dass ich mit meiner Angst nicht allein bin. Als ob ich von innen her liebend angeschaut würde. Das weckt Vertrauen. Und stärkt den Mut, mich in die Waagschale zu werfen. Mit Corrie ten Boom, einer Widerstandskämpferin im Dritten Reich, gesagt: „Mut ist Angst, die gebetet hat.“

Ich danke Ihnen für das Gespräch!

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Fasten, um Wesentliches des Lebens deutlicher zu sehen

9.2.2019 | Impuls des Direktors

Seit Jahrtausenden beobachten Menschen Fastenzeiten, sowohl was die Nahrung betrifft, als auch durch andere Formen des Verzichts. Begrenzte Zeiten ohne feste Nahrung, oder bewusst mit Wenigem zu leben, hat eine lange Tradition. Viele Religionen kennen Fastenzeiten. Christen fasten traditionell vor Ostern, aber auch in der Adventszeit, oder an bestimmten Wochentagen. Im islamischen Fastenmonat Ramadan wird tagsüber gefastet. Im Judentum gibt es mehrere Zeiten des Fastens, und in asiatischen Religionen spielen im Zusammenhang mit der Enthaltsamkeit Fastenrituale eine große Rolle. Alle Weltreligionen nutzen das Fasten, damit Menschen seelisch und geistig neue Kräfte sammeln können.

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Bewusste Fastenübungen können Menschen helfen, ihre Bedürfnisse besser zu erkennen. Wenn wir bewusst auf den gewohnten Komfort verzichten, auf einen gefüllten Teller mit Speisen, oder auf den einen oder anderen Aspekt unserer täglichen Gewohnheiten, werden wir aufmerksamer auf unsere Grundbedürfnisse und unsere oftmals verborgene Sehnsucht nach Gott.

Obwohl religiöse Regeln von vielen Menschen nicht mehr so wichtig genommen werden, hat das Fasten nichts von seiner Faszination verloren. Es ist heute längst nicht mehr ein bloßes kirchliches Gebot zu bestimmten geprägten Zeiten des Kirchenjahres. Auf der anderen Seite sieht darin kaum jemand eine rein asketische Übung mit dem alleinigen Ziel abzunehmen. Vielen geht es dabei heute um zentrale Lebenseinstellungen, die nicht nur Essen und Trinken betreffen, sondern Grundhaltungen in den wesentlichen Lebensgewohnheiten. Immer öfter steht eine tiefere, spirituelle Bedeutung des Fastens im Mittelpunkt. Durch Fasten wollen Menschen das Wesentliche hinter den Dingen deutlicher sehen lernen. Fastende wollen, auch durch diesen Ausdruck des Glaubens, ihr Leben wieder intensiver spüren und darin offener, innerlich freier und aufmerksamer werden.
Die bevorstehende Fastenzeit, aber auch andere geprägte Zeiten im Jahr, laden immer wieder als besondere Gelegenheit zu einem kreativen, persönlichen Aufbruch ein. Es ist eine Chance, sich im alltäglichen Leben um einen weiteren Horizont zu bemühen, um größere Zusammenhänge zu erkennen, um die eigene Lebenswirklichkeit neu zu entdecken. Es ist eine Einladung, vieles mit anderen Augen zu sehen: die Welt, den anderen Menschen, sich selbst. Die Fastenzeit ermutigt uns, unseren Blick zu weiten, bequeme Verhaltensmuster und Selbstverständlichkeiten zu überprüfen, störende Einflüsse, Druck von außen und falsche Zwänge zu durchschauen und abzuwehren.

Fasten kann eine wertvolle Gelegenheit sein, das eigene Leben zu überdenken und achtsamer auf einzelne Lebensphasen zu blicken. Im Fasten können sich Menschen mehr mit sich selbst beschäftigen, sie haben Zeit, sich mit größeren und kleineren eigenen Unstimmigkeiten auseinanderzusetzen und zur Ruhe zu kommen. Fasten kann dazu beitragen, wieder mehr in die eigene Mitte zu kommen. Viele Fastende gewinnen so neue Einsichten und Impulse für ihr Leben. Wenn Menschen fasten, stellen sie manchmal erstaunt fest, welche Kräfte in ihnen stecken. Dadurch entwickelt sich oft ein neues Körperbewusstsein und ein gesteigertes Selbstwertgefühl. Fasten ermutigt viele Menschen, ihre Ernährungs- und Lebensgewohnheiten zu ändern und das damit verbundene gute Lebensgefühl auch nach der Fastenzeit beizubehalten.

Aus dem ursprünglich religiös motivierten Fasten wurde im vorigen Jahrhundert ein fast ausschließlich gesundheitlicher Trend, der jedoch heute wieder stärker beide Aspekte miteinander verbindet. Das Fasten hat so etwas mit umfassender Selbsterfahrung zu tun, sich auf das Innerste einzulassen. Durch das Fasten wird ein Weg nach innen geöffnet, auf dem durch das Spüren und Wahrnehmen des eigenen Körpers mit allen Sinnen wieder eine intensivere Beziehung zum Ganzen meines Daseins entsteht. Fasten ist in diesem Sinn als ein ganzheitlicher Prozess zu sehen, bei dem Menschen das Wichtige und Halt Gebende im Leben wiederfinden können. Es ist ein umfassendes Nacht-innen-Gehen, um deutlicher zu sehen, was einen zuinnerst bewegt oder auch belastet. Innere Veränderungen beim Fasten bewirken oft auch äußere. Wenn innen Ruhe und Ausgeglichenheit einkehren, dann wird der ganze Körper heil. Belastungen und Unruhe nehmen ab und das Wesentliche des Lebens kann deutlicher sichtbar werden. Diese wenigen Beobachtungen, sowie die Vielfalt und die reiche Tradition des Fastens, wollen einladen und ermutigen, Fasten auch als einen besonderen Ausdruck des Glaubens und als eine Weise des Betens mit Leib und Seele neu zu verstehen. Heilfasten-Wochen verbunden mit Exerzitien erfreuen sich heute steigender Beliebtheit.

P. Friedrich Prassl SJ

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Wissenschaftliche Evaluation

16.1.2019 | Akademie für Sozialmanagement

Was Absolvent/innen ganz oft direkt rückmelden, wurde jetzt auch wissenschaftlich bestätigt: 94% würden sich wieder für einen Lehrgang an der ASOM entscheiden und 96% würden ihn an ihre Mitarbeiter/innen weiterempfehlen.

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Doris Nazarevic hat im Rahmen ihrer Masterarbeit “Evaluierung von Lehrgängen für Führungskräfte in der Sozialwirtschaft. Eine quantitative Analyse aus Sicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer” Rückmeldungen von über 100 Alumni der ASOM analysiert. Die Arbeit, die nicht von der ASOM beauftragt und auf Initiative von Doris Nazarevic durchgeführt wurde, ist 2018 am FH Campus Wien erschienen.

Nachlesen können Sie die Studie hier:

PDF-Datei: Masterarbeit_Doris Nazarevic

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"Meine Trauer wird dich finden."

9.1.2019 | Hospiz, Palliative Care und Demenz

Dipl.-Psych. Roland Kachler im Gespräch mit Christian Metz

Trauer & Mut: Was kann / könnte Menschen dazu ermutigen, sich mit ihrem Verlust-Erleben und Trauerschmerz auseinanderzusetzen?
Es ist die überraschende Erfahrung, dass wir in der Trauer unserem verstorbenen Menschen nahe sein können. Das verleiht uns den Mut, den intensiven Schmerz des Verlustes zuzulassen. Es ist auch das Wissen, dass die Trauer nichts anderes ist als die schmerzende Seite der Liebe. 

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Im Erleben der Trauer leben wir also unsere Liebe zu unserem Angehörigen, in der Trauer zeigen wir unsere Liebe, so schmerzlich sie im Verlust auch sein mag. Es macht Mut zu wissen, dass im Zulassen die Trauer abfließen kann und immer mehr die Liebe gelebt werden kann.

Was erscheint Ihnen für den Umgang mit Trauer / Trauergefühlen bedeutsam, damit dadurch (neues) Leben unterstützt und gefördert wird?
Zunächst geht es darum, den Verlustschmerz zuzulassen. Vor der Trauer kommt eigentlich der schreiende Schmerz. Deshalb unterstütze ich Trauernde, ihren Schmerz herauszuschreien. Dann leite ich Trauernde an, zum Beispiel am Grab oder an der Unfallstelle, die Trauer im Körper zu spüren, dann in die Trauer zu atmen und schließlich im Atmen das Weinen zuzulassen. Andere Trauernde, insbesondere wir Männer, spüren das Trauern mehr im aktiven Tun, wie zum Beispiel beim Joggen. Immer geht es darum, die Trauer ins Spüren, ins Fließen und in die Bewegung zu bringen. Fließende und bewegende Trauer führt in das Leben, zu dem dann eine innere Beziehung zum Verstorbenen gehören darf.

(Wie) kann die schmerzlich erlebte Abwesenheit bzw. der unwiederbringliche Verlust von etwas Liebgewonnenem durch Trauerbegleitung entsprechend gewürdigt und zugleich eine fortdauernde Bindung angeregt werden?
Trauernde sollten immer wieder ganz bewusst die Abwesenheit des verstorbenen Menschen spüren, zum Beispiel den leeren Platz am Esstisch wahrnehmen oder das Fehlen des verstorbenen Menschen bei einem Familienfest aussprechen. Beim Einlassen auf diese Abwesen­heit entstehen dann auch Erfahrungen der Anwesenheit und Nähe zum nahen Menschen. Ich spüre ihn in meinem Herzen, manchmal sehe ich ihn vor mir, ich rede mit ihm oder ich träume von ihm. Das sind ganz normale und wichtige Erfahrungen, in denen nun eine innere Verbundenheit entstehen kann. Trauernde können dies unterstützen, indem sie zum Beispiel alle Erinnerungen aufschreiben oder dem verstorbenen Menschen Briefe schreiben.

Worauf sollten (ehrenamtlich tätige) Trauerbegleiter/innen vor allem achten, um sich selbst nicht zu überfordern? Woran lässt sich ein erforderlicher Übergang bzw. eine notwendige Erweiterung von Trauerbegleitung hin zu professioneller Trauertherapie bemerken?
TrauerbegleiterInnen können es der Trauer und der Liebe überlassen, damit der Trauernde einen Weg durch die Trauer und in der Liebe zum verstorbenen Menschen findet. Sie selbst müssen nicht trösten oder etwas leichter machen, aber wenn sie die Trauernden unterstützen, eine innere Beziehung zum Verstorbenen zu finden, dann wirkt das tröstlich. Wir brauchen Trauerbegleitung, damit dieser Trauer- und Beziehungsprozess nicht zu einem Stillstand kommt, sondern im Fließen und in der Bewegung bleibt. Sollte das Fließen der Trauer und der Liebe zum Stillstand zum Beispiel in einer Depression kommen, dann ist professionelle Trauertherapie nötig.

Welchen Beitrag leistet im Besonderen der hypnosystemische Ansatz in der Trauerarbeit?
Dieser von mir aus dem eigenen Verlusterleben entwickelte Ansatz ist ein beziehungs- und bindungsorientierter Ansatz. Deshalb ist der Trauer­prozess immer auch ein Beziehungs­prozess, in dem die Trauernden zum Beispiel einen sicheren Ort für den Verstorbenen finden, damit sie nun dorthin die innere Beziehung zu ihm leben können. Oft gibt es in der inneren Beziehung zum Verstorbenen auch noch etwas Offenes oder einen Konflikt zu klären. Dies erfordert Klärungs- und Konfliktarbeit in der inneren Beziehung zum Verstorbenen. Ziel ist es, dass eine innere und zugleich freie Beziehung entsteht, die dann Teil eines weitergehenden Lebens nach einem schweren Verlust sein darf. Im hypnosystemischen Ansatz gibt es viele Methoden und Wege den Trauer- und Beziehungsprozess zu fördern. Deshalb ist dieser Ansatz gerade auch bei schweren Verlusten wie zum Beispiel durch den Suizid eines Angehörigen sehr hilfreich.

Ich danke Ihnen für das Gespräch!

Publikationen von Roland Kachler:
Meine Trauer wird dich finden. Ein neuer Ansatz in der Trauerarbeit.
Hypnosystemische Trauerbegleitung. Ein Leitfaden für die Praxis.
Sei dein eigenes Wunschkind. Lerne dein inneres Kind zu lieben.
Nachholende Trauerarbeit Hypnosystemische Beratung und Psychotherapie bei frühen Verlusten.

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Mehr durch Reduktion

3.1.2019 | Impuls und Information des Direktors

Reduktion bedeutet nicht immer sofort Verlust und Trauer, ein Weniger im quantitativen Sinn, eine Verringerung an Bedeutung, an Einfluss, an Macht. Reduktion bedeutet, zum Wesentlichen zu kommen. Reduktion kann dabei helfen, in unserem Denken, Reden und Tun einfacher, direkter und ehrlicher zu werden. Reduzieren setzt voraus, bestimmte Vorstellungen, Vorurteile und fixe Konzepte loslassen zu können, wenn sie nicht mehr zielgerecht sind. Das Ziel ist mehr Freiheit, Mut zu Neuem und Zufriedenheit – ein qualitatives „Mehr“. Dieses besondere „Mehr“ ist paradoxerweise eher durch eine bewusste Reduktion in persönlichen Lebensbereichen wie auch in Organisationsstrukturen zu erreichen.

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Dadurch entsteht oft ein neuer Spielraum für andere, offene Betrachtungsweisen des Lebens und anstehender Fragen. Dieses Neu-Betrachten bringt Qualitäten wie Einsicht und Verständnis für eine Gesamtsituation oder auch Klarheit, was zu tun ist, mit sich. Es ermutigt zu Veränderungen, sich auf neue Themen, die aktuell wichtig sind, einzulassen.

In den vergangenen Monaten hat es im Team der Bereichsleiter/innen, im Aufsichtsrat und mit den Eigentümervertretern einen intensiven Prozess über die inhaltliche und strukturelle Weiterführung der Bildungsbereiche des Kardinal König Hauses gegeben. Insbesondere waren davon die beiden Bereiche „Flucht, Migration und gesellschaftlicher Zusammenhalt“ und „Gesellschaftsfragen“ berührt. Das Ergebnis der mehrmonatigen internen Beratungen ist die Neukonzeption von zwei Bildungsbereichen, nämlich Gesellschaft im Dialog und „Christlich inspirierte Führung und Organisationskultur“. Die konkrete Ausgestaltung dieser beiden Bildungsbereiche wird seit November 2018 durchgeführt. Die Themen der bisherigen Bereiche „Gesellschaftsfragen“ und „Flucht, Migration und gesellschaftlicher Zusammenhalt“ werden wir in den beiden neuen Bereichen erweitern und vertiefen.
Ich freue mich, mit Frau Dr.in Katharina Novy eine sehr erfahrene Leiterin für den neuen Bildungsbereich „Gesellschaft im Dialog“ des Kardinal König Hauses gewonnen zu haben. Zu ihren persönlichen Schwerpunkten zählen politische und gesellschaftliche Fragestellungen, zuletzt etwa Politik mit der Angst, Gefährdungen der Demokratie oder interkulturelle Themenfelder. Die Entwicklung, Organisation und Durchführung von Bildungsveranstaltungen zu Themen mit gesellschaftlicher Relevanz werden den neuen Bereich prägen. Dazu zählen Themen wie z.B. gesellschaftlicher Zusammenhalt, soziale Gerechtigkeit, Migration und Flucht, freiwilliges Engagement sowie Ökumene und interreligiöser Dialog.

Georg Nuhsbaumer wird im zweiten neu konzipierten Bildungsbereich Christlich inspirierte Führung und Organisationskultur weiterhin als Bereichsleiter tätig sein. Er konzentriert sich in diesem Rahmen verstärkt auf Training, Vernetzung und Beratung von Personen und Organisationen sowie auf die Konzeption von Lehrgängen und Seminaren für Führungskräfte.
Wir sind überzeugt, dass die thematische Ergänzung beider Bereiche und die Zusammenarbeit mit den anderen Bildungsbereichen eine qualitative, inhaltliche Weiterentwicklung unseres Bildungszentrums bewirken wird.

P. Friedrich Prassl SJ

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Kann man die defekte Demokratie reparieren?

Ingolfur Blühdorn im Gespräch mit Ursula Baatz

Wie sehen Sie den Zustand der Demokratien in Europa?

Die vielfältigen Formen der Demokratie in Europa und die ebenso vielfältigen politischen Kulturen erlauben kaum verallgemeinernde Aussagen. Von meinen Studierenden an der WU Wien höre ich oft, dass Demokratie etwas mühsam und ineffizient sei, aber insgesamt doch recht gut funktioniere.

Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive ist klar, dass die liberale, repräsentative Demokratie derzeit im Umbruch ist. Lange schon hatten wir ihre Krise konstatiert;

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etwas jünger ist die Rede von der Postdemokratie; aktuell spricht man meist von Formwandel.Dies alles weicht aber der zentralen Frage aus, was die Auslöser, Treiber und Richtung dieses Prozesses sind.

Was sind die größten Hindernisse zurzeit für Demokratie in Europa?

Ein gängiges Argument ist, dass vor allem Neoliberalismus und Rechtspopulisten die liberale Demokratie bedrohen. Beides ist richtig, doch das Problem liegt tiefer: moderne Gesellschaften haben sich strukturell und kulturell von vielem gelöst, was für die liberale Demokratie konstitutiv ist. Die Demokratie wird daher dysfunktional. Es entfaltet sich eine Legitimitätskrise der Demokratie, die zum Wandel ihres normativen Kerns führt.

In welche Richtung sollte sich die Demokratie weiter entwickeln?

Wahrscheinlich hält sich „die Demokratie“ nicht an Empfehlungen für ihre zukünftige Entwicklung. Solche Empfehlungen dienen vor allem der persönlichen Darstellung derer, die sie aussprechen. Sie verschleiern, dass wesentliche Teile der Gesellschaft sich von  demokratischen Prinzipien und aus der demokratischen Mündigkeit verabschiedet haben, um sich so mehr persönliche Freiheit und ein besseres Leben zu sichern. Die Vorstellung, man könne mit ein paar handwerklichen Kunstgriffen und etwas politischem Ingenieurswissen die defekte Demokratie reparieren, während die Digitalisierung, als gesellschaftliches Großprojekt, ihren innersten Kern, den mündigen Bürger, in abstrakte Datasets auflöst, hat etwas verzweifelt Groteskes.


Univ.-Prof. Dr. Ingolfur Blühdorn
ist Leiter des Instituts für Gesellschaftswandel und Nachhaltigkeit an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Die Fragen stellte Dr.in Ursula Baatz, Kuratorin des Symposions Dürnstein. Alle Informationen zum Symposion finden Sie unter www.symposionduernstein.at.