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2003

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Brückenschläge zwischen "Spiritualität und Management"

Kardinal DDr. Franz König beim Hintergrundgespräch ...

Kardinal König beim Hintergrundgespräch in dem nach ihm benannten Bildungshaus der Jesuiten: - Ignatianische Spiritualität gibt auch heutigen Führungskräften wertvolle Impulse - Katholische Sozialakademie und Kardinal König Haus verknüpfen Glaube und Wirtschaft - IV-Vertreter Macher: Jene Manager reüssieren, "die mit sich selbst im Einklang sind" ...mehr

"Von welchem Geist lasse ich mich leiten, wenn ich andere leite?": Diese Frage des Ignatius von Loyola, des Gründers des Jesuitenordens, aus dem 16. Jahrhundert müsste nach Ansicht von Kardinal Franz König auch für Führungskräfte und Manager in der modernen Wirtschaft maßgeblich sein. In der heutigen Zeit mit noch nie da gewesenen individuellen Freiheiten und auch technischen Zugriffsmöglichkeiten auf die Welt müsse das "Prinzip Verantwortung" im Sinne des deutschen Philosophen und Ethikers Hans Jonas eingemahnt werden, betonte König am Donnerstag bei einem Hintergrundgespräch zum Thema "Spiritualität und Management" im Kardinal König Haus in Wien-Hietzing. In Abgrenzung zu den Positionen eines extremen Kollektivismus, der im Kommunismus in einer historischen Sackgasse gelandet sei, und eines heute beobachtbaren extremen Individualismus plädierte der Kardinal für einen "Weg der Mitte, der das Ich und das Wir gleichermaßen berücksichtigt". Dieser Weg entspreche auch dem christlichen Welt- und Menschenbild, das Europa bis heute präge.

Neben Kardinal König nahmen auch der Leiter der Katholischen Sozialakademie Österreichs, P. Dr. Alois Riedlsperger SJ, der Generaldirektor der "Kühne & Nagel AG", Friedrich Macher, als Vertreter der Industriellenvereinigung sowie Leena Stachl von der Kardinal König Akademie an dem Hintergrundgespräch für Wirtschaftsjournalisten teil.

Gastgeber P. Richard Plaickner SJ, der Direktor des Kardinal König Hauses, nannte als Anlass für das Gespräch eine aktuelle Seminarreihe zum Thema "Spiritualität, Humanes Management, Sozialmanagement", mit der Führungskräften in Wirtschaft, Politik und Kultur vom Glauben getragene "leadership" kennen lernen. Plaikner erinnerte sich an einen Rat, den ihm Kardinal König vor rund acht Jahren gab, als er das damalige Bildungs- und Exerzitienhaus der Jesuiten übernahm: "Vergessen Sie in Ihrem Programm nicht auf die Menschen, die in Wirtschaft, Politik und Kultur Verantwortung tragen." Die aktuelle Seminarreihe liege - wie auch andere Angebote des Hauses - ganz auf dieser Linie, die ihre wesentlichen Impulse aus der ignatianischen Spiritualität und Pädagogik beziehe. Laut Plaikner ist dafür eine breite Zielgruppe vom Top-Manager in der Privatwirtschaft über ORF-Verantwortliche bis hin zu Vertretern des sozialen Sektors ansprechbar.

Auch die Katholische Sozialakademie (ksoe) hat eine breite Angebotspalette für Führungskräfte, wies P. Riedlsperger hin. Die Verbindung von Management und Spiritualität sei aus der Perspektive der Grundoptionen des Jesuitenordens - Glaube, Gerechtigkeit, Kultur und Dialog - "unerlässlich für eine menschen- und gesellschaftsgerechte Gestaltung des Wirtschaftsgeschehens". Es sei nicht gleichgültig, welcher Geist in den Führungsetagen von Unternehmen wirkt, unterstrich Riedlsperger: "Verantwortliche müssen innehalten können." Sie bräuchten Wertschätzung für Menschen und Dinge, Beweglichkeit, um neue Wege einzuschlagen, und Bescheidenheit im Vertrauen auf eine "größere Wirklichkeit". Das versuche die ksoe in ihren Eigenveranstaltungen im Kardinal König Haus und auch bei Kooperationen mit Unternehmen und Organisationen zu vermitteln.

Sinnfragen werden in der Arbeitswelt wichtiger

Sich in der Arbeitswelt mit Sinnfragen auseinander zu setzen gewinne immer mehr an Bedeutung, sagte Friedrich Macher von der Industriellenvereinigung. Für Mitarbeiter sei es ein wesentlicher Motivationsfaktor, befriedigende Antworten auf Fragen wie "Wozu mache ich das? Was ist meine Rolle im Unternehmen?" zu bekommen. Werde das verabsäumt, droht laut Macher die "Falle innere Emigration". Die Mobilisierung des gemeinsamen Wollens nach dem Motto "work hard and have fun" ("arbeite hart und hab Spaß dabei") stelle erhöhte Anforderungen an die Qualifikation und das Persönlichkeitsprofil von Managern: Fachwissen müsse durch "soziale und emotionale Kompetenz" ergänzt werden. Der Lektor an der Wiener Wirtschaftsuniversität zeigte sich überzeugt, dass nur Führungskräfte, "die mit sich selbst im Einklang sind, die gesamte Palette dieser Herausforderungen bewältigen können". Das Kardinal König Haus leistet laut Macher einen wichtigen Beitrag, dem wachsenden Bedürfnis nach Auseinandersetzung mit Sinnfragen und ganzheitlicher Menschenbildung gerecht zu werden - jenseits von "erhobenen Zeigefingern" und "ex cathedra"-Mentalität. (KAP 9.5.2003)

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Veranstaltungsnachlese

Die Veranstaltungen der vergangenen Jahre zum Nachlesen.