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Impuls des Direktors

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Verkosten der Dinge von innen

Ignatius von Loyola hat am Beginn von Geistlichen Übungen darauf hingewiesen, dass „nicht das Vielwissen die Seele sättigt, sondern das Spüren und Verkosten der Dinge von innen“. Es ist gut, in Zeiten der Erholung und Stille die „inneren“ Dimensionen unseres Lebens besser kennenzulernen.

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Es tut immer gut darauf zu achten, was unserer „Seele Genüge“ gibt – unserem Innersten Genugtuung und Frieden bringt. Es ist gut auf das eigene „Bauchgefühl“ zu achten und zu vertrauen sowie den eigenen inneren Entscheidungen treu zu bleiben.
In diesen Fragen geht es mir mehr um einen Blick auf die eigenen Haltungen, auf Grundhaltungen im Leben. Wir sind oft in der Gefahr, nur Strategien und Techniken anzuwenden, um unser Leben einfacher zu gestalten – „to simplify our lives“. Dabei bleiben wir meist mehr im „Äußeren“ und sind enttäuscht, wenn der Erfolg von Strategien und Techniken in unserem „Inneren“ nur kurzlebig ist.

Ein offener Blick auf Grundhaltungen, Herzenshaltungen meines Lebens bzw. die oft mühsame Pflege solcher inneren Haltungen ist meist hilfreicher. Strategien und Techniken sind meist gut messbar, kontrollierbar, objektiv, vertraut durch Erfahrung – das „Äußere“. Der Blick auf innere Haltungen, Herzensangelegenheiten ist oft unsicher, zaghaft, subjektiv – es ist nicht immer leicht, diesem „Inneren“ ganz zu trauen und zu vertrauen.

Im Blick auf Einfachheit in meinem Leben habe ich die Erfahrung gemacht, dass es gut ist, mehr auf diese „innerste Dimension“ im eigenen Leben zu schauen. „Was wir im Auge haben, das prägt uns, dahin werden wir verwandelt, und wir kommen, wohin wir schauen.“ Dieses Wort von Heinrich Spaemann begleitet mich schon lange und hilft mir immer wieder in meinen Orientierungen nach einem einfacheren Leben – es geht um mich, was ich im Auge habe.

Was mir als Jesuit im Alltag auch hilft ist ein „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“, ein täglicher Tagesrückblick in der Haltung der Dankbarkeit für mein Leben. Was hat sich heute ereignet, was war schön, was hat meinen inneren Frieden gestört? Es ist ein tägliches Hinschauen auf mein Leben mit einer liebenden Aufmerksamkeit, um die Zeichen der Zeit erkennen und gute Entscheidungen treffen zu können.
Für Ignatius von Loyola war das die wichtigste Viertelstunde des Tages. Eine solche ehrliche Achtsamkeit auf die Wirklichkeiten meines Alltags erspart mir vielleicht eine Supervision, eine Psychotherapie oder ein teures Coaching. Diese Übung der Aufmerksamkeit trägt zum Wachsen und zur Stärkung von guten Beziehungen bei – zu mir selbst, zu meinen Nächsten und auch zu Gott. Es geht nicht um Selbstanalyse von Fehlern und Schwächen, um Beurteilung und Verurteilung meines Tuns und meist eher von anderen. Es geht nicht um eine Analyse der Vergangenheit, in der wir bei manchen schwierigen oder schmerzhaften Erinnerungen oft zu lange steckenbleiben.

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Es ist nicht sinnvoll, auf eine bessere Vergangenheit zu hoffen. Das Jetzt, die Gegenwart ist wichtig – mit einem Blick nach vorne. Es geht um ein dankbares Wahrnehmen meiner guten Seiten und einen ehrlichen Blick auf meine Eigenwilligkeiten, meine Eigenmächtigen und Lieblosigkeiten, um zu versuchen, etwas zum Besseren zu verändern.
Ich empfinde es auch als Teil einer „Kultur des Innehaltens“ im Alltag. Im regelmäßigen Stillwerden, wenn ich zur Ruhe komme, entwickelt sich diese Kultur. Der Rat von Ignatius hilft dabei: „Nicht das Vielwissen sättigt die Seele, sondern das Spüren und Verkosten der Dinge von innen“.

P. Friedrich Prassl SJ