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2011

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Wenn das ICH in der Handtasche steckt

Freitag, 18. Februar 2011
Ein Abend mit Information und Theater rund um die Kommunikation mit demenzkranken Menschen

Vor ausverkauftem Saal führten das SOG.THEATER und Validationslehrerin Michaela Schwind am 18.2.2011 in die Gefühlswelt und das Kommunikationsverhalten von Menschen mit Demenz ein. ...mehr

Altwerden, so Schwind, sei „nichts für Feiglinge“, denn die vielfachen Verluste und Einschränkungen stellen für die psychische Verfassung eine harte Probe dar. Auf einfühlsame Weise demonstrierte Schwind, wie die beginnende und fortschreitende Demenz Unsicherheit und Angst auslöst, wie Kontakte abbrechen, Gewohnheiten verloren gehen und ein Rückzug als einziger Ausweg scheint. Dass Angehörige, Betreuende und Pflegende mittels Empathie und der Validationsmethode nach Naomi Feil dennoch den Kontakt mit den Demenzkranken halten können und sie dadurch auch entlasten können, erläuterte sie an einigen Beispielen aus ihrer Praxis.

Das SOG.THEATER holte aus dem Publikum Eindrücke und Geschichten zum Leben und Arbeiten mit Demenzkranken, Angehörigen und Klienten. In Form von Playback-Theater wurden die Erzählungen zurückgespielt: Die sicht- und hörbaren Interpretationen führen zu einer Verfremdung, die ihrerseits wiederum neue Blicke auf die Situation möglich macht. So können Betroffene lachen, aufatmen, vielleicht auch ihre unterdrückte Wut annehmen. Im „Playback“ wurde spürbar, wie nah im Leben mit Demenzkranken Fürsorge und Hilflosigkeit, Lachen und Rührung beieinander liegen. Auf diesem schmalen Grad wandelten die vier SchauspielerInnen unter Spielleiter Sebastian Maierhofer sicher – und ihrerseits mit hoher Empathie für all jene im Publikum, die nicht nur als ZuschauerInnen gekommen waren, sondern in unterschiedlichster Weise auch als Betroffene. 

Der Abend wird am 27. Oktober wiederholt. Details und weitere Angebote unseres Hauses zum Thema Demenz, Validation und Palliative Care finden Sie hier.

Wir danken den Sponsoren für das Zustandekommen des Theaterabends: Bundesminsterium für Soziales, Arbeit und Konsumentenschutz; Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

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Kardinal-König-Symposion: „Was heißt heute christlich?“

18. und 19. März 2011

Am 18. und 19. März 2011 fand in Wien das Kardinal-König-Symposion 2011 unter dem Titel „Was heißt heute „christlich“?“ statt. ...mehr

Kardinal-König-Symposion in Wien stellte sich der Frage "Was heißt heute "christlich"?" - Verweis auf Glaubenszeugnis von Kardinal König und den Taize-Gründer Frere Roger 

Wien, 20.03.2011 (KAP) Was gelebtes Christentum heute bedeutet, kann man nicht in Büchern lernen, sondern muss man an konkreten Menschen sehen. Das hat Kardinal Christoph Schönborn am Samstagabend bei einer ökumenischen Vesper in der Konzilsgedächtniskirche in Wien-Lainz betont. Er verwies auf das Lebens- und Glaubenszeugnis von Kardinal Franz König (1905-2004) und den Taize-Gründer Frere Roger (1915-2005), die eine tiefe Freundschaft verbunden hatte und die für viele Menschen, jung wie alt, große Vorbilder seien. Die Vesper, die von Schönborn gemeinsam mit der evangelischen Oberkirchenrätin Hannelore Reiner geleitet wurde, bildete den Abschluss des diesjährigen Kardinal-König-Symposions sowie des Taize-Treffens "Pilgerweg des Glaubens", zu dem Hunderte Jugendliche nach Wien gekommen waren.

Prof. Heinz Nußbaumer, Vizepräsident der Kardinal-König-Stiftung, stellte zu Beginn des Symposions am Samstagvormittag einen tiefen Vertrauensverlust gegenüber der Kirche fest. Mehr Realitätssinn und Menschennähe von Seiten der Kirche seien das Gebot der Stunde, so Nußbaumer. Dabei dürfe es nicht darum gehen, "rechte oder linke Kirchenflügel" zu bedienen, sondern das Gespräch mit der Welt und Gott zu intensivieren. Das Symposion stand unter dem Motto "Was heißt heute "christlich"?".

Der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl unterstrich die Aufgabe der Christen, "Versöhnung vorzuleben und sich der Armen und Gescheiterten anzunehmen". Zu einem geglückten Leben können auch das Scheitern gehören, auf das ein von Gott geschenkter neuer Anfang folgt.

Der Wiener Mediziner und Theologe Prof. Matthias Beck stellte die Bedeutungslosigkeit des Christentums für weite Teile der Gesellschaft fest. Viele Menschen wüssten etwa nicht mehr, dass es sich bei den Menschenrechten oder dem Begriff der Menschenwürde um zentrale christliche Werte handle. Hier habe die Kirche eine Bringschuld und müsse darum ringen, als Gesprächspartner wieder ernst genommen zu werden, so Beck.

Auch Kurt Scholz, Mitglied der Unabhängigen Klasnic-Opferschutzkommission, nahm in seinem Vortrag die katholische Kirche in die Pflicht. Nach einer Vergangenheit, die von Wegschauen und Vertuschen geprägt war, müsse nun die konsequente Aufarbeitung folgen. Die Kirche befinde sich dabei auf einem guten Weg. Und immerhin sei die katholische Kirche die einzige große Organisation, "die tatsächlich etwas tut", so Scholz mit einem kritischen Seitenhieb in Richtung Regierung. Als Ursache für die Häufung der Missbrauchsfälle in der Kirche nannte Scholz die hermetische Abgeschlossenheit und den hierarchischen Aufbau.

Zum geplanten Volksbegehren, wonach Österreich in einen laizistischen Staat mit klarer Trennung zwischen Kirche und Staat umgewandelt werden soll, meinte Scholz, "dass unsere Gesellschaft dadurch sicher nicht besser sondern ärmer werden würde".

Dass der Einsatz gegen eine entsolidarisierte, demokratie- und fremdenfeindliche Gesellschaft zu den zentralen kirchlichen Herausforderungen der Zukunft gehört, war eine der Kernaussagen des Symposions. Die Pastoraltheologin Prof. Regina Polak skizzierte anhand der jüngsten Wertestudie zunehmende Tendenzen in Richtung Fremdenfeindlichkeit und Demokratieverdrossenheit. Zwar gebe es auch zahlreiche engagierte zivilgesellschaftliche Projekte - innerhalb wie außerhalb der Kirche -, die diesen Tendenzen gegensteuern würden, diese würden von der breiten Öffentlichkeit aber kaum wahrgenommen. Polak sah hier auch die Medien gefordert, diese Initiativen bekannter zu machen.

Die Journalistin Magdalena Rauscher-Weber räumte ein, dass Medien die Welt in erster Linie als Katastrophe wahrnehmen würden, zeigte zugleich aber doch auf Bemühungen auf, gesellschaftliche Vorkommnisse sachlich darzustellen.

Diakoniedirektor Michael Chalupka stellte fest, dass die Österreicher immer mehr Lebensbereiche einfach ausblenden wollten, weil diese unangenehm seien. Das sei etwa bei den aktuellen Bettelverboten der Fall oder auch bei den verschärften Schubhaft-Regelungen. Chalupka: "Wir wollen diese Menschen einfach nicht mehr sehen und schicken oder sperren sie weg." Hier sei es Aufgabe der Christen, vehement dagegen aufzutreten, so Chalupka.

Cecil Corti, die Leiterin der Obdachloseneinrichtung "Vinzi-Rast" in Wien, meinte über ihr Engagement, dass es ihr einfach darum gehe, menschlich zu handeln. Die Arbeit mit und für die Obdachlosen verlange totalen Einsatz, schenke zugleich aber auch tiefe Freude.

Auf den Aspekt, dass glaubwürdige Christen vor allem auch Freude ausstrahlen müssen, wiesen u.a. Taize-Prior Frere Alois und der Salzburger Theologe Prof. Clemens Sedmak hin. Die größte Armseeligkeit eines Menschen bestehe in der Unfähigkeit zur Freude, in Abgestumpftheit und Resignation, so Sedmak. Und der Taize-Prior fügte hinzu: "Gott will nicht, dass wir zum Leid auf der Welt auch noch unsere Trauer hinzugeben sondern unsere Liebe."

Das Symposion in Lainz wurde von der Kardinal-König-Stiftung, dem Kardinal-König-Haus und der Stiftung "Pro Oriente" organisiert. Aufgabe der jährlichen Kardinal-König-Symposien ist es, das Vermächtnis Franz Königs (1905-2004) wachzuhalten und sein Denken und Wirken für die Fragen von heute fruchtbar zu machen, "intellektuell, geistlich und in der konkreten Tat".

religion.ORF.at bietet die Vorträge als Video-on-Demand an.  

 

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...und 4 weitere Fotos.


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"Das Menschenbild der Leistungsgesellschaft und die Irritation Demenz"

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22. September 2011 Vortrag mit Prof. Dr. Ulrich Körtner

Prof. Dr. Ulrich Körtner eröffnete die Reihe „Heißer Herbst: Demenz und Ethik“ mit dem Vortrag „Das Menschenbild der Leistungsgesellschaft und die Irritation Demenz.“ ...mehr

In einer sich selbst so definierenden „Wissensgesellschaft“, so Körtner, wird der Mensch, der das kognitive Leistungsvermögen verliert, nicht nur wert-, sondern auch würdelos. Demenz fordere uns daher heraus, „uns ganz grundsätzlich mit dem vorherrschenden Menschenbild unser Leistungsgesellschaft, aber auch mit unserer persönlichen Sichtweise des Menschseins auseinanderzusetzen. Mehr noch: Die Begegnung mit einem demenzkranken Menschen stellt einen vor die Aufgabe der Auseinandersetzung mit sich selbst, mit den möglichen Begrenzungen des eigenen Lebens.“ Mit dem Gerontologen Andreas Kruse fragt Körtner, „inwieweit die Gesellschaft in der Lage ist, die Grenzen, die Menschen im hohen und sehr hohen Lebensalter erfahren, bewusst anzunehmen und in einen kulturellen Entwurf des Menschseins zu integrieren. Ziel einer solchen Auseinandersetzung muss es sein, uns alle vermehrt für die Verletzlichkeit des Menschen und für dessen Angewiesensein auf Hilfe zu sensibilisieren.“

Das Programm zum Heißen Herbst finden Sie hier.

Den Text des gesamten Vortrags finden Sie hier:

PDF-Datei: Vortrag Prof. Dr. Ulrich Körtner (122 KB)

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"Demenz und Gewalt"

11. Oktober 2011 Vortrag mit DDr. Monique Weissenberger-Leduc

Im Rahmen der Reihe „Heißer Herbst: Demenz und Ethik“ sprach die Pflegewissenschafterin M. Weissenberger-Leduc über Formen und Ursachen von Gewalt an Menschen mit Demenz. ...mehr

„Was heißt es, wenn eine Einrichtung behauptet: Bei uns gibt es keine Gewalt?“ fragt sie. „Sind dann Bewohner, die über Gewalt sprechen, automatisch unglaubwürdig? Müssen dann Mitarbeitende, die Gewalt sehen, wegschauen?“ Weissenberger-Leduc plädiert dafür, Ursachen für Gewalt auch in den Strukturen zu suchen und zu beheben. „Oft sind die Täter eigentlich auch Opfer. Sie fühlen sich ohnmächtig. Doch Strukturen sind veränderbar, wir müssen nicht resignieren.“ Schwieriger sei es allerdings, kulturelle Einstellungen zu verändern. Zahlreiche Vorurteile erschweren Menschen mit Demenz die Teilhabe an der Gesellschaft und zwingen sie in die soziale Isolation, und mit ihnen ihre Familien.

 Das Programm zum Heißen Herbst finden Sie hier:

 

 

PDF-Datei: Heißer Herbst Gesamtprogramm (1 MB)

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Der Vortrag Demenz und Gewalt zum Download

PDF-Datei: Demenz und Gewalt (2 MB)

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"Vorsorgen und Verfügen - Entscheidungen am Lebensende"

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7. November 2011 Vortrag von Dr. Markus Gosch

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sind relativ neue Instrumente, um den Patientenwillen für Situationen zu dokumentieren, in denen man nicht mehr selbst entscheiden kann. Was bedeuten diese Willensäußerungen für den Arzt? Und was sagt die Rechtssprechung? ...mehr

Aus der Praxis und rechtlich untermauert berichtet Dr. Gosch davon, welche Entscheidungswege im ärztlichen Alltag geschehen. Wie interpretieren Ärzte die Willensäußerungen im Sinne des Patienten? Wie binden sie die Meinungen der Angehörigen ein? Und wie gehen sie mit Situationen um, in denen es schwarz/weiß nicht gibt, sondern der ethische Spielraum des Graubereichs sich auftut?

Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit der ÖPIA durchgeführt.

PDF-Datei: Vortragsfolien Dr. Gosch (521 KB)

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"Zwischen Ethik und Monetik"

14. November 2011 Vortrag von Dr. Arne Manzeschke

PDF-Datei: Vortrag Dr. Arne Manzeschke (280 KB)

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"Aushalten oder widerstehen - Resilienz in der Sterbe- und Trauerbegleitung"

28. November 2013 Vortrag von Monika Müller

PDF-Datei: Vortragsfolien Monika Müller (3 MB)

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"Was macht Sinn?" - Entscheidungsfindung in der letzten Lebensphase von Menschen mit Demenz

Kurzsymposium am 28. November 2011

PDF-Datei: Vortragsfolien Dr. Frühwald (730 KB)

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PDF-Datei: Vortragsfolien Dr. Liebisch (5 MB)

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PDF-Datei: Vortragsfolien Dr. Grafinger (808 KB)

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Demenz berührt. Wie Demenz die tiefsten Fragen unseres Menschseins anspricht

13. Dezember 2011 Vortrag mit DDr. Marina Kojer

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Vortrag von Dr. Kojer zum Nachhören


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