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2007

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Auferstehung der Toten und Jüngstes Gericht - jüdisch, christlich, muslimisch

15. März 2007 Gedenkveranstaltung zum dritten Todestag von Kardinal Franz König

Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Klaus Bieberstein, Professor für Alttestamentliche Wissenschaften und Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bamberg ...mehr

Der Ort des Jüngsten Gerichts

Die Entstehung der eschatologischen Erinnerungslandschaft Jerusalems

„Auferstehung der Toten und Jüngstes Gericht – jüdisch, christlich, muslimisch“ war der Titel der Gedenkveranstaltung zum dritten Todestag von Franz Kardinal König im Kardinal König Haus, dem Bildungszentrum der Jesuiten und der Caritas.

Univ.-Prof. Dr. Klaus Bieberstein, Professor für Alttestamentliche Wissenschaft und Dekan der der Katholisch Theologischen Fakultät der Universität Bamberg, sprach zum Thema „Der Ort des Jüngsten Gerichts. Die Entstehung der eschatologischen Erinnerungslandschaft Jerusalems“. In seinem Vortrag zeigte er die Entwicklung der Vorstellung einer Auferstehung der Toten und eines Jüngsten Gerichts auf und wie sie sich nahtlos in den drei großen Monotheistischen Religionen Judentum Christentum und Islam ereignet und in Jerusalem als Ort manifestiert haben.

Die alttestamentlichen Vorstellungen einer Auferstehung der Toten und eines Jüngsten Gerichts sind nicht kontextlos vom Himmel gefallen, sondern wurden in Jerusalem über einen langen Zeitraum entwickelt und ausformuliert. Dabei spielten nicht nur Vorstellungen der kommenden Zeit, sondern auch räumliche Vorstellungen eine entscheidende Rolle. So entstand im Laufe der Zeit zwischen dem Tempel als Ort des Heils im Zentrum und den Gräberfeldern an der Peripherie der Stadt eine Erinnerungslandschaft des noch ausstehenden Jüngsten Gerichts, die nachbiblisch nahtlos von Judentum, Christentum und Islam weiterentwickelt wurde und im Felsendom ihre krönende Vollendung fand.

 

Prof. Dr. Klaus Bieberstein, der sich mit einer Studie zum Thema das Vortrags bereits 1999 in Freiburg/Schweiz habilitierte, ging in seinen Ausführungen von literarischen Belegen, archäologischen Funden aller drei großen monotheistischen Religionen und historischen Plänen der Stadt Jerusalems aus. Aus den vorliegenden Quellen wird deutlich, dass offenbar „in jüdischen, christlichen und muslimischen Traditionen ein schon lange erwartetes, aber noch immer ausstehendes Ereignis – das Jüngste Gericht - in einer bestimmten Region an der Peripherie der Stadt Jerusalem verortet und der Gedanke an das noch Ausstehende, aber stets Erwartete mit dieser Region verbunden wurde.“ – so Bieberstein.

 

Ausgehend von dem Faktum dieser Denkkonzeption leiten Bieberstein die Fragen: „Wie lässt sich diese eigentümliche Verbindung eines so universalen Ereignisses wie das Jüngste Gericht einerseits mit einem so konkreten Ort andererseits verbinden? Welche Logik liegt dieser Lokalisierung zu Grunde?“ Bieberstein rief dazu zunächst die zugrundeliegenden Symbol-Vorstellungssysteme der damaligen Zeit in Erinnerung: „Nach altorientalischen, alttestamentlichen und frühjüdischen  Traditionen war der Tempel nicht nur ein Ort von Opfern, sondern auch und vor allem jener zentrale Ort von dem alles Heil seinen Ausgang nahm und nimmt – visualisiert als ein paradiesischer Garten, in dem Quellen des Lebens entspringen.“ … „Die Symbolik der Schöpfung ist vor allem mit dem Zentrum, dem Tempel verbunden. Er gilt als Paradies als Schlussstein der Schöpfung, von dem alle Quellen ausgehen. An der Peripherie der Stadt hingegen liegen die Gräber, der Tod.“

Aufgrund seiner Studien zeigte Bieberstein, wie sich aus dem räumlichen und symbolischen Gegensatz von Tempel im Zentrum und den Gräberfeldern im Hinnomtal südwestlich der Stadt Jerusalems die Vorstellungswelt über die Auferstehung der Toten und das Jüngste Gericht in die Peripherie östlich der Stadt in das Kidrontal und zum Ölberg verlagert. Mit jüdischen, christlichen und muslimischen Zeugnisse belegt Bieberstein die nahtlose Tradierung einer konkreten Verortung eschatologischer Erwartungen.

Den letzten Schritt baulicher Manifestation der Entwicklung dieser Erinnerungslandschaft stellt der Felsendom dar. „Es ist berechtigt, die Erstausstattung des Felsendomes als eine interpretatio islamica und Renaissance der Heilsmotive des biblischen Tempels zu interpretieren, die vom Tempel als Ort des Paradieses am Anfang bis zum Tempel als Ort des Paradieses am Ende der Geschichte reicht. Und so führt die eschatologische Konnotierung der Landschaft einer interpretatio islamica jüdischer Zionstraditionen wieder zur protologischen Konnotierung des Ortes zurück: Der Schlussstein der Schöpfung ist auch der Ort der Erlösung.“

Literaturempfehlung: Bieberstein, Klaus, Die Pforte der Gehenna. Die Entstehung der eschatologischen Erinnerungslandschaft Jerusalems, in: Janowski, Bernd / Ego, Beate (Hgg.), Das biblische Weltbild und seine altorientalischen Kontexte (FAT 32; Tübingen 2001) 503-539.

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Sterbende spirituell begleiten

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22. März 2007 Buchpräsentation mit dem Autor Klaus Schweiggl SJ

Sterben ist Leben am Übergang und im Übergang. Für den sterbenden Menschen ebenso wie für Angehörige, Freunde und Begleitende ist dies eine besondere spirituelle Herausforderung. ...mehr

Um in der Praxis, d.h. im Alltag der spirituellen Begleitung bestehen zu können, bedarf es immer wieder der Vergewisserung der eigenen Grundlagen, die Halt geben und Haltung ermöglichen.

P. Klaus Schweiggl SJ will in seinem neuen Buch ermutigen, in der eigenen Begleit- und Lebenspraxis immer wieder bewusst innezuhalten und über das Erlebte nachzudenken. Für ihn zählen Besonnenheit und Nach-denklichkeit zu den Grundtugenden in der spirituellen Begleitung.

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Fotos der Buchpräsentation




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Schreiben zwischen den Kulturen

23. März 2007 Lesung & Gespräch mit Dimitiré Dinev

Wie wird man als Bulgare ein deutschsprachiger Schriftsteller? Dimitré Dinev, 1968 in Bulgarien geboren und 1990 nach Österreich geflohen, ist dies gelungen. ...mehr

Mit seinem Roman Engelszungen landete er den durchschlagenden Erfolg. In seinem autobiographisch geprägten Schaffen thematisiert er immer wieder das Leben im untergehenden Kommunismus, die Erfahrung von Migration und die Sitution von Flüchtlingen in Österreich.

Veranstaltung in Kooperation mit Literarische Kurse

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Fotos der Lesung




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Zukunft Wohnen mit Demenz. Internationale Modelle und Perspektiven

13. April 2007 Fachtagung

An der Fachtagung „Zukunft Wohnen mit Demenz“ nahmen knapp 200 Betreiber, Forscher und Entscheidungsträger aus allen Bundesländern und aus dem benachbarten Ausland teil. In Vorträgen, Workshops und Vernetzungsrunden wurden Erfahrungen, Empfehlungen und Forschungsergebnisse aus Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentiert. ...mehr

Christian Metz (Leiter des Bereichs Hospiz und Palliative Care): „Demenz ist noch weitgehend ein Tabuthema, das in den Bereich von Pflege und Medizin verbannt wird und im Zusammenhang mit der Gestaltung unseres Gemeinwesens kaum diskutiert wird. Die Frage, wie Menschen mit Demenz gut wohnen wollen und können, gewinnt durch die immer größere Zahl sowohl von Betroffenen als auch von Anbietern alternativer Wohnformen in Österreich zunehmend an Brisanz.

Heime auf der Suche nach neuen Lösungen

Der immer höhere Anteil an Menschen mit Demenz in Alten- und Pflegeheimen führt in den Institutionen zu der Suche nach Lösungen, die die Lebensqualität der Betroffenen wie auch der Pflegenden erhöhen. Dazu zählen einerseits zahlreiche gestalterische Elemente. Eckhard Feddersen, Architekt aus Berlin, stellte auf der Tagung den Einsatz von Grundrissen, Farben, Formen, Mobiliar und Beleuchtung vor, die Menschen mit Demenz Orientierung und Sicherheit bringen. Dadurch können nach seinen Erfahrungen die Selbständigkeit der Bewohner erhöht und Krankheitssymptome wie Angst und Aggression verringert werden.

Auch strukturell suchen Pflegeheime nach neuen Betreuungsformen, die möglichst lange ein eigenständiges Leben der Menschen mit Demenz erhalten helfen. Der Zusammenschluss von Einzelzimmern zu Wohngruppen mit gemeinsamen Sozialräumen und unterstützender Betreuung ist eine solche Möglichkeit, die Michael Schmieder von der schweizerischen Sonnweid AG, einem Heim mit 150 BewohnerInnen, vorstellte. In seinem Heim wurden auch die viel diskutierten „Oasen“ entwickelt – Mehrbettzimmer für bereits stark demente Menschen. Schmieder betonte, dass man bei der Beurteilung aller Wohnformen nicht von den Wünschen gesunder, mobiler Menschen ausgehen sollte (Einbettzimmer mit Bad), sondern von den sehr speziellen Bedürfnissen der Betroffenen (Angst vor Einsamkeit, Bedarf an Anregung).

Neue Wohnformen zwischen Mode und Ernüchterung

In Deutschland seit längerem verbreitete alternativen Wohnformen für Senioren wie Wohngemeinschaften und Betreutes Wohnen (selbständige Lebensführung mit Betreuungsdienst in eigenen Wohneinheiten) finden auch in Österreich immer mehr Anhänger und Umsetzer. Diese Wohnform bietet für Menschen mit Demenz nur bei optimaler Gestaltung längerfristig eine gute Lebenssituation, wie die Soziologin Angela Eberhard von der Universität Augsburg auf Basis einer umfassenden deutschen Querschnittstudie zeigte. Vor allem die Gestaltung des Alltags und die Moderation der Hausgemeinschaft sind entscheidende Faktoren zur Integration von Menschen mit Demenz in diese Struktur.

Berufsbilder und Institutionen im Umbruch

Menschen mit Demenz, so wurde bei der Tagung deutlich, brauchen vor allem in frühern Krankheitsstadien nicht primär Pflege sondern vielmehr Betreuung und Unterstützung beim Ausgleich von Defiziten in der Alltagsgestaltung. Wie Prof. Thomas Klie von der Evangelischen Fachhochschule Freiburg darstellte, passen herkömmliche Berufsbilder und Aufgabenbeschreibungen, die auf Pflege ausgerichtet sind, nur bedingt zur Betreuuung dementer Menschen. Heime, Wohnträger, Pflegedienste und auch der Gesetzgeber müssen daher ihre Rollen und Vorgaben überdenken. Die zunehmende Zahl dementer Menschen könnte danach zu neuen Berufsbildern (etwa Alltagsmanagerinnen im betreuten Wohnen) und Rollenaufteilung (Betreuung statt klassischer Pflegehandlungen) führen.

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind in Hinblick auf Wohnen mit Demenz zu flexibilisieren, so Klie. So machen zum Beispiel bestehende Vorgaben in Bezug auf bauliche Gestaltung (Gehrampen, Brandschutz) oder Hygiene (Mundpflege) die Umsetzung demenzgerechter Wohnumgebungen oft schwierig oder gar unmöglich. Die Kernaufgabe für demenzgerechtes Wohnen ist laut Klie, eine Balance zu finden zwischen dem Erhalt medizinisch-pflegerischer Errungenschaften sowie etablierter Standards und dem Eingehen auf die höchst individuellen Bedürfnisse der betroffenen Menschen.

Demenz als Herausforderung der Gesellschaft

Lebensqualität für Menschen mit Demenz erfordert eine Symmetrie von Sicherheit, wohnlicher Geborgenheit und pflegerischer-medizinischer Versorgung. Letztlich führt die Frage nach lebenswertem Wohnen mit Demenz immer wieder zur Antwort, dass dies „nicht nur eine Frage nach Räumen und Quadratmetern ist, sondern nach einer stabilen sozialen Struktur, in der auch die Betroffenen am gesellschaftlichen Prozess teil haben“ (Th. Klie) statt ausgegrenzt zu werden. Das modern und anspruchsvoll gestaltete Seniorenheim ist also nur ein Teil der Lösung, der Weg muss, so Christian Metz, hinführen zur „demenzfreundlichen Kommune schlechthin“. Schließlich wird so gut wie jede/r Österreicher/in früher oder später selbst oder über Angehörige vom Thema Demenz betroffen sein.

Eine Dokumentation der Tagung mit Fotodownload, Videos und Präsentationen finden Sie auf www.pov.at/demenz

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Die Tagung wurde entwickelt vom Forum Palliative Praxis Geriatrie (FPPG), ein Arbeitskreis im Kardinal König Haus, welcher das Ziel verfolgt, die Umsetzung und Weiterentwicklung von Palliative Care (lindernde Pflege) nachhaltig zu fördern - insbesondere für Hochbetagte, die an den Folgen fortgeschrittener Mulitmorbidität und Demenz leiden. Neben Aus- und Weiterbildung widmet sich das Forum Forschungs- und Umsetzungsprojekten.

Die Fachtagung am Kardinal König Haus wurde vom Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz sowie von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung finanziell unterstützt. Durchführungspartner waren die Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF) der Alpe-Adria Universität Klagenfurt, Standort Wien und das Zentrum für Alternsforschung, Gesundheits- und Sozialpolitikforschung an der Niederösterreichischen Landesakademie.

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Fotos der Fachtagung




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