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2004

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Karl Rahner in Wien - "Sie sind die Nummer eins" - Erzählcafé. Menschen erinnern sich an Karl Rahner ...

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19. bis 21. März 2004 Symposion zum 100. Geburtstag

"Sie sind die Nummer eins", sagte Karl Rahner am Telefon - zwei Tage nachdem sich Frau Elfriede Oeggl bei ihm als Sekretärin beworben hatte. Frau Oeggl saß mit Dr. Hermann Herder, Dr.Peter Pawlowsky, Wolfgang Riehs und P. Georg Sporshill SJ am Podium - beim Erzählcafé an diesem sonnigen Sonntagmorgen im "Karl Rahner Saal" des Kardinal König Hauses.   ...mehr

Dr. Hermann Herder erinnerte sich daran, dass Karl Rahner einer römischen "Vorzensur" unterzogen werden sollte, nicht nur der üblichen. Der damalige Erzbischof von Freiburg, Hermann Schäufele, hat sich dann vehement dafür eingesetzt, dass seine Publikationen mit dem Freiburger "Imprimatur" veröffentlicht werden konnten.

P. Georg Sporschill erzählte, Karl Rahner sei sein Freund und ein Freund der Wiener "Blindengasse" (Caritashaus) gewordern, weil er neugierig war. Was für ihn fremd war, hat ihn fasziniert. So hat er beispielsweise besonders genau die Tätowierungen der strafentlassenen Jugendlichen studiert. Eine davon hatte es ihm besonders angetan: "Glaube, Hoffnung und Liebe".

Wolfgang Riehs, ein ehemaliger Bewohner der "Blindengasse" nannte P. Karl Rahner einen "väterlichen Freund".

Besonders berührend waren die Erinnerungen von Frau Oeggl an die letzte Zeit Rahners: die Zeit der Vorbereitungen auf seinen 80. Geburtstag, die allzuanstrengenden Feiern und die Zeit danach, die geprägt war von Schwäche und Müdigkeit. Sie erzählte von seiner Zeit im Krankenhaus, von seine großen Unruhe, die sich dann langsam in eine große Ruhe verwandelt hat.

P. Sporschill SJ wies noch hin auf einen Ausspruch Karl Rahners: "Wenn man etwas zu sagen hat, dann ist das mit Schwierigkeiten verbunden." Persönliche Erinnerungen aus dem Publikum rundeten diesen spannenden, amüsanten und besinnlichen Vormittag ab.

Sonntag, 21. März 2004, 11:53

Die Kirche als lernende Organisation: "Streiflichter" des Tages ...

Mag. Christine Rod MC, Organisationsentwicklerin und Mitarbeiterin in der Kardinal König Akademie, und Univ.- Prof. Dr. Martin Jäggle (Religionspädagogik, Universität Wien) fassten den ermutigenden und spannenden Tag eindrucksvoll zusammen. Hier finden Sie davon ein paar Auszüge ...

„Leidens- und Liebesgeschiten“ von glaubenden, suchenden, fragenden und die Kirche liebenden Menschen wurden an diesem Tag berichtet, sagte Maga Christine Rod MC bei der Zusammenfassung der Workshops am Nachmittag zu den Themen „Theologische Bildung“ und „Strukturentwicklung von Kirche“. Mit ihr zusammen erzählte Univ.- Prof. Dr. Martin Jäggle seine Eindrücke von den Arbeitskreisen und begann mit einem Zitat von Friedrich Heer: „Bildung passiert, wenn ein Mensch in der Begegnung mit einem anderen Menschen sich bildet.“

Schon vor 60 Jahren hätte Rahner den zukunftweisenden Hinweis von der „Situation der Diaspora“ gegeben, so Jäggle, und fragte: Worin liegen die Herausforderungen der Diaspora?

Glaube ist nicht mehr vorgespurt, zitierte anschließend die Theologin und Organsationsentwicklerin Rod den vorausschauenden Rahner, sondern muss von jedem einzelnen neu erobert werden. Es sind die Fragen nach dem Selbstverständnis, nach Selbstvergewisserung, nach Identität. Die Zeit des Übergangs, die wir nach Rahner „mehr unter- als überschätzen“, sei auch als Chance zu begreifen ...

Die Thora in der jüdischen Tradition war ein Zaun – in der Diaspora –, keine Mauer, ergänzte Jäggle. Ein Zaun hat Tore. Das Tor, das wir suchen, ist eine Theologie im Dialog und eine Bildung, in der man in Dialog treten kann.

Auch mit dem, was wir tun, sollen wir in Dialog treten, betonte Rod. Wir dürfen nicht auf die Frage verzichten: Warum tun wir, was wir tun? Rede und Antwort zu geben über unsere Hoffnung, das muss neu gelernt werden, auch die Fähigkeit zu kommunizieren. Nicht zu früh aufhören mit dem Denken, mit Wahrnahmen und Aufmerksamsein! ...

Eine „Kultur des Auswertens“ forderte Rod. Bedarf auszuwerten ist da, weil die Kirche eine "lernende Organisation" ist. Rahner sprach vom Experiment. Es stellt sich für Rod die Frage, ob manche kirchliche Großevents etwas beitragen zum Strukturwandel. Es wird nicht ausgewertet ...

Die zwei Themen „Strukturentwiclung von Kirche“ und „Bildung“ gehören insofern zu sammen, als die Kirche eine lernende Organisation ist, so Rod abschießend.

Samstag, 20. März 2004, 21:44

Eine erschreckende Tatsache im Leben des Menschen ...

„Im Christentum, das heißt in Jesus Christus, hat der lebendige, persönliche Gott den Menschen angeredet. Damit ist eine erschreckende Tatsache in das Leben des Menschen getreten“, mit diesem Zitat beendete gestern Abend P. Andreas Batlogg SJ, München, seine "Einführung" zum Symposion. In einem spannenden Vortrag skizzierte er Rahners Wiener Zeit - die "Liebe auf den zweiten Blick".

P. Andreas Batlogg ist Vorarlberger des Jahrgangs 1962 und seit 1985 im Orden. 1993 wurde er hier in der Konzilsgedächtniskirche von Weihbischof Schönborn zum Priester geweiht. Im März 2000 wurde er in Innsbruck zum Dr. theol. promoviert – mit einer Arbeit über die Mysterien des Lebens Jesu bei Karl Rahner als Zugang zum Christusglauben. Sie ist auch als Buch erschienen und seit Weihnachten letzten Jahres in zweiter Auflage erhältlich. Seit Dezember 2000 arbeitet P. Batlogg in München bei der Kulturzeitschrift "Stimmen der Zeit".

Samstag, 20. März 2004, 13:16

Impulse, Open Space und Workshops ...

"Theologie treiben angesichts der Fragen der Zeit". Die Arbeit Karl Rahners in Wien (1939-1944) als Anstiftung und Schule des Denkens. Open Space zu: "Was treibt mich um? Was sind die Fragen der Zeit?" Dipl. Theologe Helmut A. Höfl, Theologe und Organisationsentwickler im kirchlichen Bereich.

Bilder von den Impulsen, Gruppeneinteilung und -arbeit ...

Ab 15.00 Uhr Workshops zu den Bereichen "Theologische Bildung" und "Strukturentwicklung von Kirche" ...

Samstag, 20. März 2004, 13:09

140 TeilnehmerInnen aus 11 Ländern beim Symposion

Am heutigen Symposion nehmen über 140 Menschen aus 11 Ländern teil: aus Rumänien, Niederlande, Tschechien, Polen, Lettland, Slowienien, Slowakei, Ungarn, Schweiz, Kroation und Österreich. Derzeit läuft gerade die Einteilung in Gruppen nach der Methode "Open Space" ...

Samstag, 20. März 2004, 11:17

Impulse für Workshops: Was nur tradiert wird, fault wie das Manna

Seit 9.00 geben Univ.- Prof. Dr. Hermann Stinglhammer und Dr. Anna Hennersberger, Institut für Dogmatik und Dogmengeschichte der Universität Passau, Impulse für den nachfolgenden "Open Space" ...

Die entscheidende Option für eine pastorale Theologie heisst ein erster Impuls: "Die Wiener Situation dürfte bei Karl Rahner auch einen Sinn für seelsorgliche Fragen, den er nie mehr verloren hat, geweckt und geschärft haben".

In der Antwort auf das Freiburger Memorandum (Der Freiburger Erzbischof Gröber hatte darin seine Beunruhigung über neue Positionen in Liturgie, Pastoral und Theologie geäußert) schreibt Rahner: "Das Denken früherer Geschlechter ... ist niemals ein Ruhebett für das Denken späterer Generationen. Definitionen sind viel weniger ein Ende als ein Anfang ... Was nur aufgespeichert, was nur tradiert wird ohne neue, eigene Anstrengungen ..., fault wie das Manna."

Der dritte Impuls: "Jeder Mensch ist Resonanzboden der Gotteserfahrung" spricht von der Anerkennung des einzelnen Subjekts und seiner Erfahrung als theologisch-spiritueller Autorität in Kirche und Theologie.

Im vierten Impuls "Die theologische Deutung der kirchlichen Gegenwart" wird als Perspektive eine Kirche vorgestellt, die "nicht Selbstzweck, sondern welt- und zeitoffene Kirche im Dienst an den Menschen" ist.

"Praktische Theologie als Unterscheidung der Geister" ist ein fünfter Impuls, der Rahners Überlegung zur Lösung von echten Problemen zitiert: "Wie weit darf ich unter Ausnützung aller theologischen und pastoralen Möglichkeiten gehen, weil die Lage des Reiches Gottes in der heutigen Situation sicher so ist, das die Kirche das Äußerste wagen muss, um so zu bestehen, wie Gott es von ihr verlangt."

Samstag, 20. März 2004, 09:59

Eindrücke vom Festakt

Über 400 Gäste aus den Kirchen, von Universitäten, aus dem öffentlichen Leben und viele Freunde des Kardinal König Hauses waren gekommen. Unter ihnen waren der Apostolische Nuntius in Österreich Erzbischof Dr. Georg Zur, Erzbischof von Wien Dr. Christoph Kardinal Schönborn OP, , AbgN. Mag. Walter Tancsits, Dr. Peter Marboe, Caritasdirektor DDr. Michael Landau, Sr. Christine Gleixner FvB, Dr. Hermann Herder …

"Wir sind überwältigt", begann P. Richard Plaickner SJ, der Direktor des Kardinal König Hauses, des Bildungszentrum der Jesuiten in Wien Lainz, "wie viele Menschen an diesem Symposion „Karl Rahner und Wien“ Interesse zeigen. Da in der Konzilsgedächtniskirche für heute Abend seit langer Zeit eine PRAYSTATION für Jugendliche geplant war, wollten wir die jungen Leute nicht aus der Kirche verdrängen. Dies wäre kei-nesfalls im Sinne von Karl Rahner gewesen..."

Nach einer Schweigeminute für den kürzlichen verstorbenen Alterzbischof Kardinal DDr. Franz König begrüßte P. Severin Leitner SJ, Provinzial der Jesuiten in Österreich, den Wiener Erzbischof Kardinal Dr. Christoph Schönborn, den Apostolischen Nuntius in Österreich, Erzbischof Dr. Georg Zur, Altbischof Reinhold Stecher, die Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen Sr. Oberin Christine Gleixner, die Vertreter der Kirchen, die ProfessorInnen und AssistentInnen der Theologischen Fakultäten von Wien und Passau, die VertreterInnen von Bund und Stadt Wien, unter ihnen stellvertretend denHerrn Bezirksvorsteher Dipl.-Ing. Gerstbach mit Gattin - und alle TeilnehmerInnen der Festversammlung.

"Ich begrüße Sie alle, sehr herzlich zum Symposion „Karl Rahner und Wien“, das ich im Namen der Österreichischen Jesuitenprovinz in einem für die Kirche und auch für dieses Haus besonders dichten Moment eröffnen darf.

Karl Rahner wäre am 5. März 100 Jahre alt geworden, Kardinal Franz König starb am 13. März 2004 im 99. Lebensjahr. Gewiss sind beide, der Konzilsvater und sein theologischer Berater jetzt vereint in der Schau dessen, den sie ihr ganzes Leben lang gesucht haben.

Karl Rahner war einer der ganz großen, überragenden Theologen des 20. Jahrhunderts. Zu seinem Leben kommen mir drei Spannungsfelder in den Sinn: Als Theologen zeichnete ihn eine Universalität in seinem Denken und in seinen Themen, aber auch der Blick für das Detail aus.

Als Priester und Jesuit ist ihm die absolute Liebe und Loyalität zur universalen Kirche eigen, aber auch ein Gespür für die kleinen pastoralen Probleme vor Ort.

Als Mensch charakterisiert ihn die Klarheit im Ringen um die Wahrheit, aber auch die freundschaftliche Liebe und Toleranz zum konkreten Mitmenschen", so Leitner. Er betonte, dass dieses Symposion im Rahmen des Mitteleuropäischen Katholikentags steht.

Samstag, 20. März 2004, 00:36

Er war mein Lehrer. Festvortrag von Bischof Dr. Reinhold Stecher

"Er war mein Lehrer", begann Bischof Dr. Reinhold Stecher seinen Festvortrag "Das Geschenk einer Begegnung". Rahner war ein ruhe- und rastloser Grübler. Er stellte Fragen, für die die übliche Schultheologie keine Schublade hatte, und war sich bewusst, dass unser Wissen Stückwerk bleibt.

Wir sind mit einer erlösenden Wahrheit beschenkt, das hat er mir hinterlassen, so der Innsbrucker Altbischof. Aber wir sollen diese Wahrheit nicht stolz durch die Zeit tragen, nicht in Konservenbüchsen … sondern immer suchen, ringen nach neuer Einsicht und Sprache. Der rastlose Grübler wusste sich nie am Ende der Weisheit.

Einmal, erinnert sich Stecher, hielt Rahner in einer lateinischen Vorlesung plötzlich inne und sagte auf deutsch: Meine Herrn, die Botschaft Jesu Christi ist unüberbietbar! Das war für ihn keine Nebenbemerkung, dahinter stand die Glut eines gläubigen Menschen, ergriffen vom tragenden Mysterium des Christentums.

Er hatte immer den großen Horizont des Erlösungsgeheimnisses und hat es nie aus den Augen verloren. Seine große Vision ist immer wieder durchgekommen, die Hierarchie der Wahrheit hat er nicht aus den Augen verloren.

Das ist auch heute entscheidend: das große Wesentliche des Christentums sichtbar zu machen. Oft besteht die Gefahr, dass Zweitrangiges in den Vordergrund gestellt wird, so dass das Eigentliche nicht mehr ins Bewusstsein kommen kann. Es ist nicht einfach über die großen Geheimnisse zu sprechen.

Bei Rahner mündete die Vielfalt in die Einfachheit. Wie ein Strom mit seinen vielen Seitenarmen, stillen Gewässern, rauschenden Bächen … dann doch ins schlichte große Credo mündet, das ist ein Ausweis an Echtheit und Treue.

Immer wieder hört man den Vorwurf, Rahner sei ein „Häretiker“ gewesen. Genaueres Studium aber des Begriffes „Häretiker“ oder der Kirchengeschichte sollten allerdings davor warnen, mit diesem Begriff so leichtfertig umzugehen. Alle, die ihn gehört haben, wissen, das er niemals daran dachte, ein Dogma zu leugnen. Rahner hat nie die Inkarnation wegmythologisiert oder die Auferstehung wegpsychologisiert. Manches musste um des Heiles willen neu gesagt werden. Ihn einen „Häretiker“ zu nennen, ist geradezu skurill. „Ich muss aufpassen, dass mich die priesterliche Milde nicht verlässt!“. Das ist mäßig beleuchteter Eifer, der keine neuen Ansätze duldet und alles sofort unter Verdacht stellt.

Diese „Theologie“ erinnert mich an eine Tiroler Alm: Alles liegt und käut wieder. Rahner war kein Häretiker oder Kirchenrebell. Er war ein gläubiger, frommer Christ! Er wollte der Menschwerdung Gottes dienen und in die Welt hineinsagen. Als er im deutschen Fernsehen einmal gefragt wurde, wie sein Werk weitergeführt werden soll, hat er geantwortet: „Das ist mir wurscht!“Stecher erzählt zum Schluss seiner mit langem Applaus bedachten Festrede noch von seiner letzten Begegnung mit Rahner – kurz vor seinem Tod und erinnert noch mal an den ruhelosen Grübler, den Visionär, den schlichten Beter und bescheidenen Menschen. Sein Schlusssatz: „Dass ich ihm das Requiem halten durfte, darauf bin ich fast ein wenig stolz!“

Freitag, 19. März 2004, 21:09

Rudi Krammer

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Johannes Kunz, Der Brückenbauer. Kardinal Franz König 1905-2004. Sein Vermächtnis

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4. Oktober 2004 Buchpräsentation

Am Montag, 4. Oktober 2004 wurde in Anwesenheit des Herrn Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer das neue Buch von Johannes Kunz aus dem Verlag Molden über Kardinal König präsentiert. Bundespräsident Dr. Fischer und Weihbischof DDr. Krätzl waren die Festredener, Johannes Kunz präsenterte sein Buch.

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