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Lehrgang Dementia Care 2017

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Erfolgreicher Lehrgangsabschluss

Am 24. November 2017 kam der 1. Lehrgang Dementia Care zu einem erfolgreichen Ende. Die Absolventinnen und Absolventen feierten den Abschluss eines intensiven Jahres – neue Inhalte zum Thema Demenz, intensive Reflexion der eigenen Haltung und Handlung, und ein selbst entwickeltes und durchgeführtes Praxisprojekt waren die zentralen Inhalte. 

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Interview mit einer Absolventin

Eine der Absolventinnen ist Vanessa Mandl, DGKS auf der Demenzstation im Caritas Haus St. Teresa. Über ihr beeindruckendes Projekt „Ein Ohr für Gefühle – Musik für Menschen mit Demenz“ beantwortete sie uns ein paar Fragen.

Bitte erzählen Sie uns kurz über Ihr Projekt - was haben Sie gemacht, wie sind Sie dazu gekommen?
Ich habe mich in meinem Projekt auf die Musiktherapie konzentriert, weil ich selber in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen bin. Das Wichtigste war, von den Bewohner/innen die Musikbiografie zu erheben, damit man die Musikstücke an die Biografie anpassen kann – also auch zu wissen, bei wem ein Interesse für Musik besteht und bei wem eher nicht, auch welche Gefühle die Musik bei ihnen auslösen kann. Dazu habe ich einen eigenen Biografiebogen erstellt, und auch einen Evaluationsbogen, um erheben zu können, wie die Reaktion der Bewohner/innen vor, während und nach der Musiktherapie ist. 

Gab es davor in Ihrem Pflegewohnhaus bereits Angebote?
Es gab schon einen Musiktherapeuten, aber es war biografisch gar nichts bekannt vom Musikinteresse. Er hat auch spontan ausgewählt, welche Bewohner/innen an der Musiktherapie teilnehmen können – ich wollte, dass die Bewohner teilnehmen, die auch Interesse daran haben, und dass darauf geachtet wird, dass die als erstes gepflegt werden und dadurch wirklich teilnehmen können. Weil ich auch weiß, welche Gefühle – sowohl positive als auch negative – durch Musik ausgelöst werden können, war mir so wichtig zu erfahren, welche Musik für die Bewohner wichtig ist. 

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Ich habe gesehen, dass Sie bei der Projektpräsentation [im Rahmen der Abschlussprüfung des Lehrgangs, Anm.] auch Klarinetten mithatten?
Ja genau, ich habe Holzklarinetten und eine Holzquerflöte von meinen Großeltern als Anschauungsobjekte mitgenommen und will sie auch in die Arbeit mitnehmen. Es ist nur schwierig, dass man die Bewohner darauf spielen lässt. Wenn sie es früher konnten, werden sie oft dadurch erinnert, dass sie es nicht mehr können – und das kann dann Verzweiflung auslösen. Also zum Anschauen kann man es schon mitnehmen, aber das muss man ein bisschen mit Vorsicht genießen und nicht sagen „Da ham´s, spieln´s jetzt!“

Haben Sie die Befragungen und Evaluierungen als Teil des Projekts selber durchgeführt?
Die Biografien habe ich teilweise mit den Bewohnern, die noch sprechen können, selbst erhoben, und teilweise an die Angehörigen weitergegeben, dass die sie entweder mit den Bewohnern ausfüllen oder selber das, was sie noch wissen. Die Fragen sind ziemlich breit gefächert, zum Beispiel ob sie als Kinder im Chor gesungen haben, mit wem sie gesungen haben, welche Lieder interessant waren, oder ob sie in irgendwelchen Vereinen gesungen haben.

Und ist da auch viel zurückgekommen?
Ja, eigentlich schon! Und was für mich eine wichtige Erkenntnis war: Man nimmt oft an, dass die nur Heurigenmusik oder Schlager gerne hören, aber eigentlich ist Elvis Presley auch schon in der Zeit aufgekommen. Und das kommt auch ganz gut an bei den Bewohnern – wenn man Elvis aufdreht, ist die Stimmung gleich ein bisschen gehobener! Bei den ersten Beobachtungen zur Evaluierung habe ich auch schon Veränderungen bemerkt. Einen Bewohner haben wir, der depressiv ist und viel weint. An den Tagen, an denen die Musiktherapie stattfindet, ist er voll fröhlich, lacht den ganzen Tag, und das hält dann auch ein bisschen nach der Musiktherapie an. 

Im Lehrgang ist es sehr viel um Haltung und Handlung gegangen, um die persönliche Reflexion und Weiterentwicklung. Haben Sie ein Beispiel dafür, wie Ihre persönliche Weiterentwicklung und gelernte Inhalte Sie bei der Durchführung Ihres Projekts unterstützt haben?
Es ist für mich viel mehr rausgekommen, dass man die Bewohner schon auch fragen kann, was sie wollen. Oft hört man, dass die gar nichts mehr wissen, und auch nicht wissen, was sie wollen – aber das wissen sie eigentlich noch sehr gut! Und auch, dass ich viel mehr die Bewohner selber frage –auch, wie es ihnen geht mit der Krankheit. 

Dass man Menschen mit Demenz also wirklich mehr zutrauen kann. 
Genau! Und dass sie auch Entscheidungen treffen können, wenn sie vergesslich sind. Dass wenn einer sagt, er will dort und da nicht hingehen, dass er das auch noch abschätzen kann, ob er das will oder nicht. Also eigentlich – den Menschen als Person wieder mehr sehen. 

 

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Die Projekte der Absolventinnen und Absolventen reichten von Beschäftigungs- und Aktivitätskonzepten über Angehörigenbetreuung, Belegungsmanagement oder Entwicklung eines Gesprächsleitfadens bis hin zu Angeboten des Netzwerks demenzfreundlicher dritter Bezirk.  

Wir gratulieren allen herzlich zu dem erfolgreichen Abschluss und der persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung!

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Auch 2018 wird der interprofessionelle Lehrgang Dementia Care stattfinden. Für den Startworkshop am 18.01.2018 bzw. spätestens bis zum Ablauf der Nachreichfrist Mitte Februar können sich Interessierte noch einen Restplatz sichern. Für nähere Informationen und Anmeldung wenden Sie sich bitte an Christine Hafner, 01/804 75 93-615 oder dementiacare@kardinal-koenig-haus.at